17:41 04 Juli 2020
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    Einen Kampfjet der Zukunft zu bauen – daran war im Russland der 1990er-Jahre nicht zu denken: Das Land lag politisch im Ruin und wirtschaftlich im Koma. Als die Su-57 zum Erstflug startete, war die Konkurrenz denn auch längst entwickelt. Glatt läuft es mit dem Jet seitdem nicht: Er kämpft sich durch – Test für Test, Etappe für Etappe.

    2004 sah Wladimir Putin das Flugzeug noch als Modell. Es muss dem russischen Präsidenten gefallen haben, schreibt das Portal „Popular Mechanics“ (PM): 1,5 Milliarden Rubel stellte der Staat für die Entwicklung der Su-57 – damals noch T-50 – bereit. Später wurden weitere 30 Milliarden Rubel zugeschossen. Insgesamt kostete die Entwicklung des russischen Tarnkappenjets bisher 60 Milliarden.

    2007 hatte der damalige Suchoi-Manager Michail Pogossjan, von den anfänglichen Erfolgen beflügelt, den Erstflug des künftigen Kampfjets für 2009 angesetzt – und für 2015 den Start der Serienproduktion. Na ja... 2009 gelang es einem der drei schon gebauten T-50 nur, einmal kurz auf der Flugpiste zu rollen. Auch die Pläne für den Produktionsstart erwiesen sich als utopisch.

    Doch siehe da: Bis Mitte 2011 absolvierten die Vorserienmaschinen 84 Testflüge; die Schallmauer war geknackt. Es fiel die Entscheidung, das Flugzeug öffentlich zu präsentieren. Auf der MAKS 2011, der Luftfahrtausstellung in Moskau, war die Sternstunde der T-50 zu erwarten.

    Der Prototyp rollte auf die Startbahn, sprintete los zum Anlauf und stieß plötzlich unkontrolliert Flammen aus dem rechten Triebwerk aus. Der Testpilot zog sozusagen die Reißleine, löste den Bremsfallschirm aus – kein Unglück.

    © Sputnik / RIA Novosti Archiv

    Panne der T-50 bei MAKS-2011

    Aber auch kein Ende der Pannen. Drei Jahre nach dem peinlichen Auftritt auf der MAKS 2011 qualmte eine Testmaschine plötzlich beim Landeanflug und fing begrenzt Feuer, unter dem rechten Lufteinlass. Schlimmer kam es Ende vergangenen Jahres: Wenige Tage vor der Übergabe an die russische Luftwaffe stürzte die erste serienmäßige Su-57 bei einem Testflug ab.

    Gut möglich, dass die öffentlich bekannten Vorfälle nur die Spitze eines Pannen-Eisbergs sind: Informationen zum neuen Kampfjet der Russen sind, wie man neuerdings sagt, klassifiziert. Selbst die technischen Daten sind vorläufig und unvollständig.

    Andererseits: Ein komplexes System zu entwickeln, bedeutet immer auch Risiken, Unfälle, Fehltritte und Rückschläge. Dafür sind die Testreihen ja da, dass das Flugzeug später im Dienst zuverlässig funktioniert. Das russische Militär ist jedenfalls zuversichtlich: 76 Exemplare der Su-57 haben die russischen Luft- und Weltraumstreitkräfte letztes Jahr bestellt – anfänglich waren zwei Dutzend Maschinen geordert worden.

    Andere Länder zeigen ebenfalls Interesse an der Su-57. Indien stieg 2018 aus einem Gemeinschaftsprojekt zur Entwicklung eines Waffensystems auf Su-57-Basis aus. Das Flugzeug wäre extra für den Export entwickelt worden, aber auf Verzögerungen in der Arbeit und steigende Kosten waren die Kollegen aus Indien offenbar nicht vorbereitet. Anders verhalten sich Peru und Vietnam: angedacht ist eine Bestellung von zwölf Einheiten der Su-57, schreibt „PM“.

    Ein Wort noch zum Triebwerk des russischen Fighters. Eine Anforderung an die Entwickler war, den sauerstofflosen Start der Motoren zu ermöglichen. Beim Vorgänger muss durch Bord- oder Bodensysteme 02 bereitgestellt werden. Deshalb zündet das Triebwerk der Su-57 durch eine neuentwickelte Plasmazündung!

    Dies zum Triebwerk der 1. Etappe. Die 2. Etappe naht und heißt „Erzeugnis 30“: Ein Motor, von dem die Öffentlichkeit nichts weiß, außer der Bezeichnung. Zuverlässige Informationen dazu sind nicht verfügbar. Die Tests sind in vollem Gange.

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    Tags:
    Russland, Kampfjet, Su-57