09:48 21 Oktober 2020
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    Amerika in den 1950er-Jahren: eine nach Atomkraft verrückte Nation. Es gab Pläne für Autos mit Atomantrieb, Flugzeuge mit Atomantrieb, Raumschiffe mit Atomantrieb. Also warum nicht auch Panzer mit Atomantrieb? Das Portal „The National Interest“ (NI) zeigt die Wahnsinnsidee.

    Selbst nach den Maßstäben der Fünfzigerjahre war der Chrysler TV-8 echt absonderlich: Fast schon ein Monster, ein Mutant aus einem postapokalyptischen Horrorstreifen, schreibt das Portal. Wie ein Riesenkopf auf kleinem Körper, so sah der tellerförmige Geschützturm dieses Panzers aus, aufgebaut auf einem leichten Kettenchassis.

    Der Turm und die Plattform, so war es angedacht, sollten zwecks einfacherer Luftverlegbarkeit voneinander getrennt werden können. Eine schwergepanzerte Turmkapsel war umgeben von einer leichteren Hülle in Tellerform, die wasserdicht war und genug Auftrieb erzeugte, damit das Kampffahrzeug auch auf Gewässern fahren konnte, schreibt „NI“.

    ​25 Tonnen sollte das Gefährt wiegen, davon 15 Tonnen allein der Turm. Die Bewaffnung: eine 90-Millimeter-Kanone und drei Maschinengewehre, darunter ein ferngesteuertes. Die Crew, die Waffen und der „Motor“ wären im Turm untergebracht gewesen. TV-Kameras würden das Sichtfeld rund um den Panzer erweitern und zugleich die Besatzung vor dem Flash einer Atombombenexplosion schützen.

    Elektrischer Antrieb für die Laufketten war bei der Konstruktion des Panzers naheliegend. Die entscheidende Frage bestand darin, wie der Strom dafür zu erzeugen war. Konventionell dieselelektrisch: Verbrennungsmotor plus Generator? Gasturbine plus Generator? Oder mittels Dampfturbine? Der Dampfkessel muss befeuert werden: Mit fossilen Brennstoffen oder mit radioaktivem Material? Die US-Armee verwarf schließlich die Idee.

    Sie prüfte aber zugleich das Konzept eines atomgetriebenen Panzers mit der Bezeichnung R-32 – als möglichen Ersatz für den M-48 Patton. Ein Kernreaktor sollte die Hitze für eine Turbine erzeugen, um Reichweiten von bis zu 8000 Kilometern zu ermöglichen.

    Die Kosten einer solchen Konstruktion bei Seite: Hatte da jemand an den logistischen Aufwand gedacht? Auch ein Panzer mit Atommotor muss früher oder später „nachgetankt“, d. h. mit neuen Brennstäben versorgt werden.

    Und dann die Instandsetzung: Man stelle sich die Bergetrupps vor, die einen Panzer vom Schlachtfeld abschleppen und anschließend reparieren müssen, der radioaktives Brennmaterial verliert und strahlt. Eine Panzerwerkstatt zu bombardieren, würde bedeuten, die Gegend rundherum nuklear zu verseuchen, schreibt „NI“.

    Was ein Kernreaktor im Panzerinneren bei Beschädigungen im Kampf mit der Besatzung angerichtet hätte, bedarf sicherlich keiner Erläuterung. Aber auf diesen Punkt ist noch hinzuweisen: Es war ja Kalter Krieg – eine Panzerarmada aus den USA, eingesetzt in Europa, käme der Verbreitung von Tausenden Kernreaktoren über den Kontinent gleich. Am Ende hätten sicherlich nicht nur die Panzer gestrahlt, so das Portal.

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    Tags:
    Atomantrieb, USA, Panzer