02:36 20 Februar 2020
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    Einfach nur tonnenschwere Waffenlasten zu transportieren, ist für einen Bomber nicht genug: Es muss ja noch schnell gehen. Das galt im Kalten Krieg, das gilt auch heute. Um diese Anforderung zu schaffen, haben Flugzeugbauer echte Schubgiganten entwickelt.

    Andrej Tupolew, die Legende unter den Flugzeugkonstrukteuren, hatte ganz bewusst auf Strahlantrieb verzichtet, als er in den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts an einem Interkontinentalbomber arbeitete. Damalige Jets waren weder wirtschaftlich noch verlässlich. Zwei Paar Turboprops waren hingegen das Richtige, schreibt das Portal „Popular Mechanics“ (PM).

    Tupolew Tu-95

    Triebwerk einer Tu-95 (Archivbild)
    © Sputnik / V. Beltsov
    Triebwerk einer Tu-95 (Archivbild)

    NK-12 sind bis heute die Rekordhalter unter den Propellermotoren. Sie bringen die mächtige Tu-95 voran – und sind dabei so laut, dass sie mitunter von U-Boot-Sonaren erfasst werden. Bei einem atomaren Raketenschlag gegen weit entfernte Ziele wäre dieser Umstand sicherlich nicht von Belang.

    12.000 PS bringt ein NK-12 auf die Welle, an die ein gegenläufiges Propellersystem mit einem Wirkungsgrad von 82 Prozent angekoppelt ist. Damit fliegt die Tu-95 rund 12.000 Kilometer weit, was an sich schon rekordhaft ist. Unübertroffen ist die fünfstufige Turbine auch beim Wirkungsgrad: 34 Prozent. Kein anderer Propellermotor ist effizienter, schreibt „PM“.

    Tupolew Tu-22M

    Tu-22M3M vor einem Testflug (Archivbild)
    © Sputnik / Maxim Bogodwid
    Tu-22M3M vor einem Testflug (Archivbild)

    Der Überschallbomber Tu-22M bedeutete seinerzeit einen echten Sprung nach vorn für die russische Luftfahrt – auch für die zivile. Die Ingenieure hatten die Maschine hochgradig automatisiert: Was an dem Bomber nicht automatisch gesteuert wird, steuern die Piloten größtenteils per Knopfdruck.

    Der Antrieb: Zwei Mantelstromtriebwerke mit Nachbrenner. Anfänglich kamen die NK-22-Turbofans zum Einsatz, eine Weiterentwicklung der Strahltriebwerke aus der Tu-144. An dem Triebwerk des überschallschnellen Verkehrsjets musste Einiges überarbeitet werden, denn die Bombermotoren hatten höhere Anforderungen zu erfüllen: Hoch- und Tiefflüge bei Über- und Unterschallgeschwindigkeiten. So erhielt der NK-22 unter anderem eine variable Schubdüse.

    Das Triebwerk der Tu-22M wurde laufend modernisiert. Im Kampf gegen Lärmemissionen und Spritverbrauch entwickelten die Ingenieure daraus den NK-25. Das Aggregat blieb lange Zeit einer der stärksten Flugzeugmotoren überhaupt: 143 Kilonewton leistet der Motor ohne Nachbrenner. Fast das Doppelte sind es mit Flammenstoß: 250 Kilonewton.

    Tupolew Tu-160

    Triebwerk NK-32-02 vom russischen Langstreckenbomber Tu-160
    © Sputnik / Sergej Mamontow
    Triebwerk NK-32-02 vom russischen Langstreckenbomber Tu-160

    Das ist der größte und schwerste (serienmäßige) Überschalljet in der Geschichte der militärischen Luftfahrt. Keine Übertreibung: 110.000 Kilogramm Startgewicht schafft der Schwenkflügelbomber. Dabei ist die Tu-160 das schnellste Bombenflugzeug, das im Dienst einer Luftwaffe steht. Überhaupt: Die Maschine hält 46 Weltrekorde.

    Möglich machen das die Leistungsgiganten NK-32: Mantelstromtriebwerke, die aus dem NK-25 hervorgegangen sind. Die Aggregate sind in 2 x 2-Auslegung unter dem Starrflügel des Bombers angeordnet.

    Der Verdichter verfügt über einen dreistufigen Fan, fünf Mitteldruck- und sieben Hochdruckstufen. Die Bläserschaufeln sind aus einer Titan-, Stahl- und Nickellegierung gefertigt. Das Triebwerk bringt dieselben 250 Kilonewton Leistung wie der Vorgänger NK-25 – aber seinen Verbrauch haben die Ingenieure um mehr als die Hälfte reduziert.

    Tupolew PAK DA

    Der Zukunftsbomber der russischen Luftwaffe soll durch und durch eine Neuentwicklung sein, heißt es offiziell. Andererseits ist auch offiziell, dass die PAK DA mit Triebwerken der Tu-160 fliegen soll – freilich in gründlichst modernisierter Ausführung, schreibt „PM“.

    Damit hätten die Entwickler einen Punkt: Wozu die Kosten einer Neuentwicklung auf sich nehmen, wenn der vorhandene Motor – der NK-32 – allen künftigen Anforderungen genügt? Die Höchstleistung soll planmäßig bei 250 Kilonewton bleiben.

    Die Arbeiten an der PAK DA verlaufen nach Plan, erklärte Russlands Vize-Verteidigungsminister Alexej Kriworutschko. Demnach kommen schon in diesem Jahr Einzelkomponenten des Zukunftsbombers auf den Teststand. Bis 2021 sind die Bodentests der Motoren abzuschließen.

    Ein Modell der PAK DA im Maßstab 1:1 hat Tupolew schon angefertigt. Für 2025 ist der Erstflug geplant. Eigentlich hätte es in diesem Jahr schon soweit sein sollen, aber der Neustart der Tu-160-Produktion macht die Verschiebung möglich, so das Portal.

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    Tags:
    Flugzeugbauer Tupolew, PAK DA, Tu-22M3, Tu-95MS, Tu-160M2