08:29 19 September 2020
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    Immer und immer wieder lungern Nato-Schiffe und -Flugzeuge unter allen möglichen Vorwänden nahe der russischen Halbinsel Krim im Schwarzen Meer herum. Es werde geübt, heißt es – oder „beobachtet“. Den „Beobachtern“ steht auf der Krim eine starke Abwehr gegenüber: Fernmeldetruppen stören Sensoren, täuschen die Navigation, verwirren die Mannschaften.

    Für den elektronischen Kampf hat die russische Rüstungsindustrie in den letzten Jahren Dutzende neue Systeme entwickelt. Eines davon – das Krasucha-4 – wirkt wie ein unsichtbarer Schutzschirm: blockiert alle signalsendenden Anlagen im Umkreis von mehreren hundert Kilometern, stört die Radare von Aufklärungs-, Kampf- und unbemannten Flugzeugen.

    Die Entwicklung dieses Breitbandsignalstörers begann noch Mitte der Neunzigerjahre. Die ersten Ausführungen waren analog, die Nachfolgergeneration funktioniert digital. Seit 2010 wird Krasucha-4 in Serie gebaut. Das System kommt gegen alle elektromagnetischen Aufklärer an, die heute im Einsatz sind – auch gegen die AWACS-Flugzeuge der Nato.

    Bereiterstellung eines Eloka-Komplexes vom Typ Krassucha
    © Sputnik / Pawel Lissizyn
    Bereiterstellung eines Eloka-Komplexes vom Typ Krassucha

    Krasucha-4 verzerrt die Navigationskoordinaten und blendet die Präzisionswaffen des Gegners. Armeeübungen haben gezeigt, dass Bombenflugzeuge Ziele am Boden nicht mehr orten und nicht mehr anpeilen konnten, nachdem sie mit dem Breitbandstörer signaltechnisch bearbeitet worden waren. Das System wirkt überdies auch in ultragroßen Höhen – gegen Satelliten.

    Realer Kampfeinsatz

    Krasucha-4 kommt in Syrien im echten Kampf zum Einsatz. Das System wird immer wieder gegen Drohnen gerichtet. Selbst Kampfjets F-22 und F-35, die angeblich versehentlich in den Wirkungsbereich der russischen EloKa-Abwehr eindrangen, sind westlichen Medien zufolge damit außer Gefecht gesetzt worden.

    Auch beim amerikanischen Raketenangriff gegen Syrien wurden diese Anlagen als Gegenmaßnahme eingesetzt. Einige Tomahawks fielen dabei den russischen Kräften in die Hände. Spezialisten aus Russland erklärten daraufhin, sie würden die aus den erbeuteten Marschflugkörpern gewonnenen Erkenntnisse nutzen, um die russische Abwehrtechnik noch besser auf die optronischen und Funkfrequenzbereiche der US-Raketen einzustellen.

    Ein wichtiger Auftrag der russischen EloKa-Truppe ist die Gegenwirkung gegen unbemannte Flugvehikel. Das ist auf der Krim besonders von Belang: Aus der Ukraine kommend, dringen häufig Drohnen in den russischen Luftraum ein. Die meisten Fluggeräte können durch elektronische Einwirkung zur Landung bzw. Wasserung gebracht werden: Die Drohne wird geortet, verfolgt und gestört mit anschließender Entschlüsselung der Steuerungsprogramme – hier wirken die Fernmelder mit der Flugabwehr zusammen.

    „E-Gewehr“ Pischtschal
    © Sputnik / Alexander Melnikow
    „E-Gewehr“ Pischtschal

    Gegen Drohnen kommt nicht nur mobiles Großgerät zum Einsatz, sondern auch tragbare gewehrartige EloKa-Systeme: das „E-Gewehr“ Pischtschal zum Beispiel. Das drei Kilogramm leichte Gerät funktioniert so, dass es die Drohne durch Kappen der Kommunikationsverbindung desorientiert – aus bis zu zwei Kilometern Entfernung. Eine Akku-Ladung reicht für einen einstündigen Betrieb aus, auch gegen einen Drohnenschwarm.

    Anders funktioniert der mobile Störpanzer Rtut-BM. Seine Elektronik entdeckt Drohnen im Anflug und schickt denen einen kräftigen Signalstoß entgegen, sodass sie noch in der Luft explodieren, in sicherer Entfernung.

    Unsichtbare Selbstverteidigung

    Hubschrauberpiloten der russischen Heeresfliegertruppe nutzen zum Selbstschutz im Einsatz das System Witebsk. Der aktive Störsender blockiert optronische und elektromagnetische Signale gegnerischer Ortungsanlagen in einem breiten Frequenzspektrum. Auch wärmesuchende Raketen wehrt Witebsk ab: Das System schafft eine elektronische Kuppel rund um den Hubschrauber und blendet Flugkörper mit einem Laserstrahl.

    Die auf der Krim stationierten Heereshubschrauber fliegen nicht in den Einsatz, ohne das Witebsk-System eingeschaltet zu haben: Zu hoch ist das Risiko von Provokationen seitens der Ukraine. Dass die ukrainischen Truppen russische Hubschrauber willkürlich mit Raketen beschießen würden, kann niemand ausschließen. Der elektronische Selbstschutz hat sich nach Pilotenangaben in Syrien bewährt, wo die Wahrscheinlichkeit, im Einsatz von einer tragbaren Flugabwehrwaffe beschossen zu werden, extrem hoch ist.

    Unsichtbar gesichert sind auch die Jagdbomber der russischen Luftstreitkräfte. Die Su-34 zum Beispiel nutzt das Bordsystem Chibiny. Es steigert die Überlebensfähigkeit des Kampfjets um das 25-Fache, weil es wie eine elektronische Tarnkappe funktioniert.

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    Tags:
    Russland, Eloka-System, NATO, Krim