01:23 29 November 2020
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    Drohnen, Oberflächen- und Unterwasserroboter sollen im Verbund bald die Meere vom Müll befreien. Der Mensch muss sie dabei nicht steuern, denn das Ziel ist, dass sie Müll autonom erkennen und entfernen. In einem Jahr sollen erste Tests dieser Müllabfuhr für Meere im Hamburger Hafen und bei Dubrovnik erfolgen.

    Der mediale Wirbel war groß, als das junge Unternehmen „The Ocean Cleanup“ verkündete, dass es mit dem ersten Müllschlucker-Schiff aufbricht, um die Weltmeere vom Plastik zu befreien. Auf eine Phase der Euphorie folgte die Ernüchterung: Es gab Probleme mit dem Schiff, Überarbeitungen wurden nötig und auch heute weiß niemand so recht, in welchem Umfang da eigentlich Plastik gesammelt wird. Aber nur mit dieser Information lässt sich die Frage beantworten, ob das Unternehmen wirklich halten kann, was es verspricht: die Weltmeere vom Plastik zu befreien.

    Doch ganz gleich, wie die Antwort hier ausfällt: The Ocean Cleanup kratzt sprichwörtlich nur an der Oberfläche des Problems, denn gesammelt wird der Müll nur an der Wasseroberfläche. Der Großteil des Mülls findet sich aber gar nicht dort, sondern liegt auf dem Meeresgrund. Wer diesen Müll erreichen will, muss bislang in der Regel Taucher einsetzen – ein Vorhaben, das nicht nur aufwändig ist, sondern auch das Problem unmöglich lösen kann, da sich kaum so viele Taucher finden lassen.

    Meer abscannen und von oben bis unten säubern

    Eine gänzlich neue „Müllabfuhr“ für die Meere wird im Rahmen des EU-geförderten „Seaclear“-Projekts entwickelt. Der Projektname steht für „SEarch, identificAtion and Collection of marine Litter with Autonomous Robots“, zu Deutsch bedeutet das: Suche, Identifizierung und Sammlung von Meeresabfällen mit autonomen Robotern. So aufgeschlüsselt sagt der Name auch schon, worum es geht: autonome Roboter, die das Meer nach Abfällen durchforsten und diese in jeder Höhe und Tiefe entfernen.

    Zu diesem Zweck sollen verschiedene Meeresmaschinen im Verbund arbeiten: Drohnen scannen das Wasser großflächig aus der Höhe ab, Oberflächenroboter sammeln Abfall auf der Oberfläche. Darunter suchen Inspektions-Unterwasserfahrzeuge nach Abfall, der von Sammel-Unterwasserfahrzeugen mit speziellen Sauggreifern beseitigt wird.

    „Seaclear“-Projekt
    © Foto : S.Sosnowski TU München
    „Seaclear“-Projekt

    Alle Systeme sollen autonom funktionieren und sich miteinander austauschen. Eine Erkennungsgenauigkeit von Müll von über 80 Prozent ist das erklärte Ziel. Die Überwasserfahrzeuge und Drohnen werden durch Akkus angetrieben, die an Land wieder aufgeladen werden. Die Unterwasserfahrzeuge sind über Kabel mit dem Überwasserfahrzeug verbunden, das die benötigte Energie für die Fortbewegung, aber auch die Sensorik-, Kamera-, Computertechnik bereitstellt. Der Mensch soll bei diesem Zusammenspiel immer die Möglichkeit haben, die Kameraaufnahmen zu verfolgen und in die Prozesse vom Festland aus einzugreifen.

    Das System wurde von acht Partnern aus verschiedenen EU-Ländern entwickelt. Koordiniert wird es vom Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen (Fraunhofer CML). Es soll voraussichtlich im kommenden Jahr im Hamburger Hafen und in einem touristischen Gebiet bei der kroatischen Küstenstadt Dubrovnik erprobt werden. Das Projekt erhält fünf Millionen Euro Förderung im Rahmen des „Horizon 2020“-Programms der Europäischen Union.

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    Tags:
    künstliche Intelligenz, Umwelt, Roboter, Ozean, Müll, Mikroplastik