06:10 05 Juni 2020
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    Vor 40 Jahren rollte nicht der erste, sondern der hunderttausendste Lada Niva vom Band. Zehn Jahre zuvor hatte die Sowjetführung die Entwicklung des Allradlers veranlasst. 25.000 Stück waren zur Produktion vorgesehen, bald aber wird die Stückzahl verdoppelt und kurz darauf um ein Drittel erhöht. Zu Bestzeiten gehen 80 Prozent davon in den Export.

    Als er ein Modell des „Fahrzeugs Nr. 2“ zur Billigung begutachtete, sagte Alexej Kossygin, Vorsitzender des Ministerrats der UdSSR:

    „Die Zusammenarbeit mit Fiat geht damit zu Ende, von jetzt an sind wir auf uns allein gestellt. Deshalb besteht Ihr erster Auftrag darin, eine geländegängige Variante zu entwickeln, für Menschen vom Land.“

    Das „Fahrzeug Nr. 2“ ging wenig später als VAZ-2103 in Serie: eine Quasi-Luxus-Variante des allerersten Ladas. Die „geländegängige Variante“ brauchte dann noch ein bisschen länger bis zur Serienreife.

    Der Auftrag des Ministerrats teilte die Ingenieure in zwei Lager. Die einen waren für die klassische Variante, also Rahmenchassis, Starrachsen, Trommelbremse hinten und vorn. Die anderen waren für mehr Komfort und deshalb für Querlenker und Einzelradaufhängung. Eine Mittellösung setzte sich durch: Einzelradaufhängung – aber mit allem, was ansonsten einen echten Geländewagen ausmacht.

    Erprobt wurde die Technik an einem „Krokodil“ genannten Prototyp. Das Fahrzeug hatte wirklich etwas von einem Reptil und grün war es außerdem auch. Währenddessen arbeiteten die Designer am künftigen Blechkleid des Allradlers. Chefdesigner Waleri Semuschkin macht keinen Hehl daraus: das Karosseriedesign habe man vom Kleinwagen Fiat 127 abgeschaut – aber der Gelände-Lada war keine Kopie, schreibt das Portal „Popular Mechanics“, sondern eine Variation dessen.

    Nach Jahren der Entwicklung, Prüfung und Genehmigung war es endlich soweit: Der VAZ-2121 Niva rollte vom Band. Der Allradler war auf größtmögliche Konformität mit den übrigen Lada-Modellen ausgelegt. Der Innenraum beispielsweise stammte komplett von der Kompaktlimousine VAZ-2106.

    Andere Bauteile wiederum waren urtypisch für den Geländeeinsatz. Das zweistufige Verteilergetriebe zum Beispiel wurde eigens für den Niva entwickelt. Und die Neuentwicklung machte die meisten Probleme: schon bei geringer Geschwindigkeit erzeugte das Getriebe einen unerträglichen Lärm, der bis in den Innenraum durchdrang.

    Der kompakte Allradler war auch allgemein sehr laut, die Radaufhängung war im Geländeeinsatz wenig zuverlässig und der 80-PS-Benziner mit dem mickrigen Drehmoment von 116 Nm wurde schon auf befestigter Straße mit seiner Aufgabe kaum fertig, von Geländefahrt ganz zu schweigen. Dabei verbrauchte der Motor auch noch Unmengen an Sprit.

    Aber am Ende war der Niva doch ein Liebling, weil unkompliziert im Betrieb und günstig in der Wartung. Selbst im Westen fand der kompakte Geländewagen aus der UdSSR eine Käuferschaft. Er wurde ja auch in unzähligen Ausführungen exportiert: als Pickup, Cabrio, Kastenwagen und Buggy. Die Kunden in der Sowjetunion sahen von dieser Vielfalt allerdings nichts, sie bekamen den Niva nur als den Dreitürer, den man heute noch kennt.

    Eigentlich hätte dieses Auto in all seinen Varianten längst aussterben müssen, aber es hat bis in die heutige Zeit überdauert und ist dabei auch noch fit geblieben. 2013 stellte der russische Hersteller AvtoVAZ seinen zweimillionsten Niva her – nunmehr als Lada 4x4. Der rustikale Allradler hat heute sogar – wow! – ABS und eine Klimaanlage. Und vor allem: Eine spürbar bessere Schalldämmung als der allererste VAZ-2121.

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    Tags:
    AvtoVAZ, Lada, Lada 4x4