11:04 15 Juli 2020
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    Im Versuch das Coronavirus einzudämmen, gibt es mittlerweile unzählige Vorschläge. Einer, der immer wieder in den Vordergrund rückt, ist der Gebrauch von Smartphone-Apps. Ein bekannter Ansatz ist das sogenannte „Tracing App“, welches über Bluetooth funktioniert. Doch an welchem Punkt befinden sich die Grenzen dieser digitalen Corona-Überwachung?

    Es ist bekannt, dass Smartphone-Daten vom Robert-Koch-Institut (RKI) ausgewertet werden. Das RKI arbeitet seit Mitte März mit dem Mobilfunkanbieter Telekom zusammen. Die Hoffnung besteht darin, dass anonymisierte Standortdaten der Nutzer etwas über die Ausbreitung des Virus verraten können. Über die Bewegungsströmungen von 46 Millionen Mobilfunkkunden lassen sich Personengruppen von 30 Leuten zusammenfassen, schreibt die Zeitschrift „Zeit“.

    Am Dienstag vor einer Woche veröffentliche das RKI eine neue App, die jedoch auf einer anderen Technologie beruht. Die sogenannte „Datenspende“-App sammelt über Tag und Nacht Puls- und Aktivitätsdaten, welche dann mit Pseudonym verschlüsselt an das RKI übermittelt werden. Diese Daten können mit Smartwatches oder Fitnesstrackern aufgenommen und bis auf die Postleitzahl von potentiellen Infizierten zurückgeführt werden. Die App selbst wurde von vielen kritisch angesehen, denn es wurde bisher keine Quelloffenheit von den Entwicklern gegeben.

    ​„Tracing App“

    Ein weiterer Vorschlag, über den viele Leute momentan diskutieren, ist die Einführung einer sogenannten „Tracing App“. Diese hätte eine Bluetooth-Low-Energy-Funktion, welche Daten über kurze Distanzen übertragen kann. Somit kann eine spezifische Identifikationsnummer an mobile Geräte in der unmittelbaren Nähe des Nutzers gesendet und aufgenommen werden. Momentan werde eine solche App für europaweiten Gebrauch entwickelt und heiße PEPP-PT. An der Entwicklung sei unter anderem das RKI beteiligt.

    Eine Voraussetzung wäre, dass das Gegenüber auch mit einer „Tracing App“ ausgestattet sei. Somit könnten jedoch Infektionsketten schneller nachvollzogen und zurückgeführt werden. Anders funktionieren Standortdaten, die meist viel zu ungenau sind, um konkrete Personen zu identifizieren, welche mit dem jeweiligen Infizierten in Kontakt standen.

    Nutzen und Wirkung

    Die Leiter des Projekts können sich laut dem Bericht der „Zeit“ vorstellen, dass die App bereits Mitte April auf dem Markt erscheint. Dabei soll diese freiwillig für die Nutzer zum Herunterladen sein. Erste Tests würden momentan stattfinden, dabei sei auch die Bundeswehr aktiv. In Düsseldorf habe Vodafone ebenfalls geholfen Testversuche zu unternehmen. Bisher gebe es jedoch noch keine veröffentlichen Resultate zu diesen Tests.

    Angenommen genügend Menschen würden eine solche App nutzen, könne dies tatsächlich zu einer deutlichen Verbesserung der Kontaktverfolgung beitragen. Auch wenn Studien fehlten, so sehe man an der Oxford University beispielsweise, dass so eine App positiven Nutzen haben könne. Die Zahl der Menschen, die eine solche App benötigen, wird auf etwa 60-70 Prozent aller Smartphonebesitzer geschätzt. Auf diese Schätzungen kommen IT-Unternehmer Christian Boos und Thomas Wiegand vom Heinrich-Hertz-Institut, welche ebenfalls in der Entwicklung der App aktiv sind.

    Datenschutz

    Das wohl wichtigste Thema, dass die Menschen beschäftigt, ist der Datenschutz. Bluetooth hat den Vorteil, dass keine Standortdaten bei der Registrierung von einem anderen Gerät erfasst werden. Es würden einzig temporär Identifikationsnummern gespeichert werden, welche zudem verschlüsselt seien. Die Auswertung und Rückverfolgung der Daten erfolgt erst, nachdem eine Infektion nachgewiesen werden konnte. Laut Angaben der „Zeit“, würden dann Hochrisikogruppen eine Push-Nachricht bekommen. In diesem Sinne benötige man nicht einmal die Telefonnummer. 

    Dennoch herrsche auch hier viel Skepsis. Linus Neumann, ein Sprecher vom Computer Chaos Club (CCC), behauptet, dass es nur minimale Änderungen brauche, um Anonymität und Dezentralität zu zerstören. Um die Privatsphäre der Nutzer tatsächlich gewährleisten zu können, dürfe diese Identifikationsnummer auf keine Person zurückgeführt werden. Dies wiederum könne keine Push-Nachrichten ermöglichen und somit könnten auch Menschen in Risikogruppen nicht gewarnt werden. Dennoch sehe der CCC Potenzial in der App, „ohne eine Privatsphären-Katastrophe zu schaffen“. Auch wenn es sich dabei um eine „Risikotechnologie“ handle.

    lm/gs

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    Tags:
    Robert-Koch-Institut, Datenschutz, App, Coronavirus