12:15 31 Oktober 2020
SNA Radio
    Technik
    Zum Kurzlink
    2012319
    Abonnieren

    Einen Automarkt wie im Westen gab es in der Sowjetunion nicht, Automarken wie im Westen hingegen schon. Etwas zu kopieren, war im Kommandostaat einfacher, als es zu erfinden. Das Portal „Popular Mechanics“ zeigt Sowjetkutschen, die aussehen wie Westschlitten.

    Die Parteiführung in der Sowjetunion begriff schnell, dass es nicht nötig war, das Rad, das Fließband und das Massenauto neu zu erfinden, wenn es Henry Ford doch längst getan hatte. 1929 besorgte die Sowjetführung in den USA ganz offiziell einen Stapel technischer Dokumentation und die dazugehörigen Maschinen, um die Massenfertigung eines Nachbaus des Ford Model A im eigenen Land aufzubauen. Ende 1933, als die Produktion des Ford Model A in Amerika längst eingestellt worden war, liefen die Fließbänder in der UdSSR an: Der GAZ-A entstand – das erste sowjetische Massenauto. In vier Jahren wurden immerhin 42.000 Einheiten produziert.

    Ein Gaz-A nimmt an dem Rallye-Raid-Wettbewerbs Gorki-Pamir-Gorki 1936 teil
    © Sputnik / Nikolaj Dobrowolskij
    Ein Gaz-A nimmt an dem Rallye-Raid-Wettbewerbs Gorki-Pamir-Gorki 1936 teil

    Als der GAZ-A selbst für die Sowjetunion eine Nummer zu alt geworden war, verfuhr die Staatsführung nach demselben Schema: Als Nachfolger entstand der GAZ-M1, eine Spielart des amerikanischen Ford Model B. Unter der Motorhaube arbeitete ein bescheidener Vierzylinder, der Betrieb und die Wartung waren denkbar einfach. 63.000 Stück liefen vom Band.

    • Produktion der ersten Gaz M-1 in Gorki (Nischni Nowgorod), März 1936
      Produktion der ersten Gaz M-1 in Gorki (Nischni Nowgorod), März 1936
      © Sputnik / Georgij Petrussow
    • Gaz M-1
      Gaz M-1
      © Sputnik / Archiv
    1 / 2
    © Sputnik / Georgij Petrussow
    Produktion der ersten Gaz M-1 in Gorki (Nischni Nowgorod), März 1936

    In der Nachkriegszeit benötigte die Sowjetunion umso mehr ein Auto für das Volk. Man munkelt, Stalin selbst habe darauf bestanden, der unverwüstliche Opel Kadett sollte das sowjetische Volksauto werden. Eine Lizenz war nicht nötig: Die sowjetischen Autobauer nahmen einfach die vielen Kadetts, die nach den Schlachten des Zweiten Weltkriegs in der UdSSR geblieben waren, bauten sie auseinander und gleich wieder nach: 1946 startete im Moskauer Kleinwagenwerk die Produktion des Moskwitsch-400.

    Moskwitsch-400
    © Sputnik / W. Chomenko
    Moskwitsch-400

    Bald schon brauchte der Kleine ein Upgrade. Neuentwicklung? Nein. Die Sowjetunion kaufte im Westen einen Fiat 1100, einen Lancia Aurellia, Simca Aronde, Ford Consul, Ford Taunus und sogar eine „Ente“, den Citroen 2CV. Diese Anschaffung war günstiger als der Kauf einer Lizenz. Keines dieser Autos musste allein als Vorlage für die nächste Kleinwagengeneration der Sowjets herhalten. Sie wurden auseinandergebaut und durchanalysiert – auf der Grundlage der Erkenntnisse erarbeiteten die Entwickler den Moskwitsch-402: nicht das avantgardistischste Auto seiner Zeit, aber zeitgemäß genug.

    Moskwitsch-402
    © Sputnik / Walerij Lewitin
    Moskwitsch-402

    Kopiert wurde in der Sowjetunion nicht nur Massenware. Stalin soll nach dem amerikanischen Packard verrückt gewesen sein. Aber mit einem US-Schlitten im Kreml vorzufahren, konnte sich der Anführer des Weltproletariats nicht erlauben. Deshalb wurden die Ingenieure des Moskauer ZIS-Werks damit beauftrag, ein Regierungsauto von der Art eines Packard 160 zu entwickeln. 1945 stand den Genossen der ZIS-110 zur Verfügung – die sowjetische Staatskarosse für die nächsten 16 Jahre.

    ZIS-110
    © Sputnik / Boris Ryabinin
    ZIS-110

    1959 machte sich das GAZ-Werk an die Entwicklung einer eigenen Regierungslimousine. Es entstand aber wieder ein Packard à la Russe: der berühmte Tschajka. Mancher behauptet noch heute, der GAZ-13 sei eine ureigene Entwicklung der Russen gewesen, aber das Autowerk selbst macht keinen Hehl daraus, amerikanische Automodelle vorher eingehend in Technik und Design untersucht zu haben.

    Gaz-13 Tschajka
    © Sputnik / Witalij Beloussow
    Gaz-13 Tschajka

    Ende der 1950er Jahre wollte die Sowjetführung endlich ein richtiges Volksauto haben. Die Produktion des Moskwitsch-400 war schon eingestellt worden, aber der Moskwitsch-402 war dem Proletariat zu teuer, Gut, dass die sowjetischen Autobauer inzwischen einen ganzen Pool an westlichen Autovorlagen angesammelt hatten.

    Moskwitsch-402 in einer Reihe
    Moskwitsch-402 in einer Reihe

    Als Musterbild des künftigen sowjetischen Kleinwagens wurde der Fiat 600 ausgewählt. Daraus entstand der ZAZ-965. Bei all seinen technischen Mängeln wurde der Kleine über sieben Jahre gebaut: mehr als 320.000 Stück entstanden. 

    ZAZ-965
    © Sputnik / Maxim Blinow
    ZAZ-965

    In den 1960ern war die sowjetische Autoindustrie schon stark, aber noch nicht stark genug, um ein Auto nur aus eigener Kraft zu entwickeln. Aus einer Kooperation mit Fiat entstand zunächst der VAZ-2101 und später der VAZ-2103. Beides komfortable Kleinwagen mit einem Hauch von Chic.

    Eine sowjetische Familie und ihr VAZ-2103 im Kaukasus-Gebirge, 1979
    © Sputnik / Wladimir Polyakow
    Eine sowjetische Familie und ihr VAZ-2103 im Kaukasus-Gebirge, 1979

    In den 1970ern arbeitete das Entwicklerteam des Moskauer Autowerks AZLK an einer Kompaktlimousine, um die Lücke zwischen dem kleinen Lada und dem üppigen Wolga zu schließen. Ein Simca 1308 stand Pate für den Moskwitsch-2141 – eine Schräghecklimousine, die an und für sich schon okay, aber in ihrer Zeit schon veraltet war. Bis in die späten 1990er wurde der letzte serienmäßige Moskwitsch gebaut.

    Moskwitsch-2141
    © Sputnik / W. Kniasew
    Moskwitsch-2141
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Covid-19: Der Moment, an dem die Überwachung aller durch die Regierung begann?
    Rund 30 Jugendliche sollen in Wiener Kirche randaliert und „islamistische Parolen” gerufen haben
    Das müssen Putin und Merkel wissen – Gysi über Verhältnis zu Russland und Berlin als Hauptvermittler
    Tags:
    Autobau, Autoindustrie, AvtoVAZ, GAZ Group, UdSSR, Sowjetunion