14:37 09 Juli 2020
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    Das Triebwerk hochgedreht bis in den roten Bereich, ewiglanger Marsch – und dann wird das Gefechtsfahrzeug erbarmungslos beschossen: Bevor ein Kampfpanzer in Russland in die Nutzung eingeführt wird, muss er einen Härtetest bestehen, der es in sich hat. Nach Möglichkeit schickt man das Kampfgerät noch in einen echten Einsatz zur Prüfung.

    Einen neuen Kampfpanzer auf Truppen- und Einsatztauglichkeit zu prüfen, dauert nicht selten länger als ein Jahr. Die Erprobung beginnt schon im Produktionswerk: Jeder russische Rüstungsbetrieb ist zu gründlichen Tests gemäß den staatlichen Standards verpflichtet. Nach den Werktests geht es zur staatlichen Erprobung: Das Kampfgerät wird mit allen möglichen Munitionsarten beschossen, Explosionen von Minen und Sprengsätzen ausgesetzt, mit radioaktiven und bakteriologischen Stoffen bearbeitet.

    Auch eine wichtige Testetappe ist der Klimatest:

    „Die Technik muss im Temperaturbereich zwischen minus 50 und plus 50 funktionieren“, erklärt Militärexperte Wiktor Murachowski. „In den Produktionswerken gibt es spezielle Klimakammern, wo der Panzer auf Frost- und Hitzeresistenz geprüft wird.“

    Danach fahren die Kampfpanzer quer durch ganz Russland, in der vereisten Arktis und im verstaubten Süden, wo im Sommer Temperaturen von bis zu 45 Grad im Schatten herrschen. Außerdem wird das Triebwerk, das Feuerleitsystem und die Bewaffnung hoch im Gebirge getestet.

    1000-Kilometer-Marsch

    Besonders wichtig ist für die Prüfer die Ausdauer des Panzers. In langen Marschfahrten werden der Motor und der komplette Antrieb, die Steuer- und die Kommunikationssysteme geprüft. „Ein Drei-Tage-Marsch mit 300 bis 400 Kilometern pro Tag hat Einfluss nicht nur auf Verschleißteile. Wichtig ist auch, wie das Feuerleitsystem nach so einer Belastung funktioniert, in welchem Zustand die Munition ist, wie sich die Besatzung hält – ob sie noch einsatzfähig ist oder nicht, ob die Ergonomie stimmt“, erklärt Experte Murachowski.

    Zu Sowjetzeiten fuhren die Panzer bei den Tests tagelang rauf und runter durchs ganze Land, sagt General Sergej Majew, ehemaliger Chef der Hauptabteilung Panzer und Panzerfahrzeuge im Verteidigungsministerium.

    „Kolonnen künftiger Gefechtsfahrzeuge legten bis zu 2000 Kilometer zurück. Jedem Panzer war ein Spezialist zugewiesen, der die maßgeblichen einsatztaktischen Parameter überwachte. Diese Tests waren in der Regel geheim, die Fahrzeuge getarnt – es waren ja Neuentwicklungen.“

    Die Zielgerade im Testlauf ist der sogenannte Erprobungsdienst bei der Truppe. Erst wenn diese Etappe absolviert ist, unterschreibt die staatliche Prüfungskommission eine Empfehlung zur Diensteinführung des neuen Kampfpanzers. Aber das letzte Wort hat immer die Truppe: „Nur die Streitkräfte erstellen die Endbewertung des neuen Panzers, prüfen seine Sicherheit und Zuverlässigkeit, seine Einsatzmöglichkeiten und den erforderlichen technischen Aufwand im Betrieb und in der Wartung“, erklärt Militärexperte Murachowski.

    T-90-Panzer indischer Armee
    © Sputnik / Michail Wosskressenskij
    T-90-Panzer indischer Armee

    Und wenn das vorbei ist, drehen die Prüfer mitunter noch eine Testrunde: Die für den Export bestimmten russischen Kampfpanzer müssen eine Extra-Etappe absolvieren und sich bei einer Ausschreibung gegen ausländische Konkurrenten durchsetzen.

    Das war zum Beispiel mit dem Kampfpanzer T-90 so, den die Russen an die indischen Streitkräfte liefern wollten. Indien hatte sich eigentlich schon entschieden, wollte aber noch eine „Mutprobe“ sehen: „Drei T-90 und ein Team von Spezialisten wurden für drei Monate in die Wüste Thar an der Grenze zu Pakistan geschickt“, erinnert sich General Majew.

    „Die Auftraggeber wollten einen 1000-PS-Motor für ihren Panzer haben, der Hersteller konnte aber nur ein 840-PS-Triebwerk anbieten. Der Entwickler zog jedoch schnell nach und bot mit dem W-92 einen leistungsgesteigerten Motor an, der sogleich getestet und in den Panzer eingebaut wurde.“

    Der Härtetest in Indien war mehr als hart: „Der indische Testfahrer fuhr den T-90 absichtlich auf Überlast, das war offensichtlich sein Auftrag. Letztlich hat er trotz mehrerer Warnungen den Motor überhitzt. Die Kühlflüssigkeit hatte eine Temperatur jenseits aller zulässigen Werte und der Motor fing an zu lecken.“

    Doch am Ende war das Problem für den russischen Hersteller ein Segen. Denn statt den Panzermotor komplett auszutauschen (ein Ersatztriebwerk war vorhanden), bauten die russischen Spezialisten den defekten Motor aus und führten mitten in der Wüste alle erforderlichen Reparaturen durch. Nach 15 Stunden war der T-90 mit seinem alten Motor wieder einsatzbereit.

    „Damit hat Russland die Zuverlässigkeit und den hohen Einsatzwert seines T-90 unter absolut einsatznahen Bedingungen demonstriert. Für die indischen Streitkräfte war das das Argument, um den russischen Kampfpanzer zu übernehmen“, sagt der General.

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    Tags:
    Kampfpanzer T-90, Panzer, Russland, Indien