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    Wir könnten doch Staatskarossen bauen statt Schlepper – diese Idee kam Arbeitshelden eines Traktorenwerks in Leningrad 1932. Daraus entstand der L-1: eine siebensitzige Limousine im Stil eines Buick. Eine Intrige soll die Serienfertigung verhindert haben, schreibt das Portal „Popular Mechanics“.

    Die Malocher vom Leningrader Kirow-Werk hatten es eilig: Dort, wo gerade noch Traktoren vom Band liefen, sollten bald Luxus-Limousinen entstehen. Bei der Mai-Parade 1933 wollte man mit der neuen technischen Errungenschaft zeigen, was man kann. Bei der Entwicklung des neuen Modells gingen die Traktoren-Macher jedoch keine revolutionären Wege.

    In den Vereinigten Staaten wurden fabrikneue Buick-Limousinen beschafft, nach Leningrad verschifft und in Einzelteile zerlegt. Das Modell wurde bis in die letzte Schraube vermessen. Zugegeben, keine leichte Sache für Männer, die bisher nur simple Schlepper zusammenschraubten: Der Buick hatte allerlei Automatik und komplizierte Servotechnik im Überfluss. Die komplexe Konstruktion zu begreifen und nachzubauen, wurde den Besten der Besten im Kirow-Werk anvertraut.

    Buick Series 80 Model 87, nach dem der sowjetische L-1 später nachgebaut wurde
    Buick Series 80 Model 87, nach dem der sowjetische L-1 später nachgebaut wurde

    Am 24. April 1933 war der erste L-1 fertig; für die Mai-Parade eine Woche später standen schon sechs dieser schicken Siebensitzer bereit – allesamt simpler als das Original, aber für eine Kopie nicht schlecht.

    L-1 vom Leningrader Kirow-Werk (Sawod Krasny Putilowez):

    ​Nach der Parade fuhren die Sechs nach Moskau, wo sie dem Volkskommissar für Schwerindustrie präsentiert wurden. Das für sowjetische Verhältnisse luxuriöse Auto hatte den Minister überzeugt, er gab seinen Segen für die Massenfertigung des L-1: 2000 Stück im ersten Produktionsjahr. Aber jemand wollte es anders.

    Der Legende nach soll der damalige Direktor des großen Moskauer Autowerks ZIS, Iwan Lichatschow, selber den Traum gehabt haben, nicht nur Lastwagen, sondern auch Staatskarossen in seinem Werk herzustellen. Stalin davon zu überzeugen, die Luxus-Limousinen in Moskau bauen zu lassen, war für Lichatschow kein großes Problem, denn er war bis in die höchsten Regierungsstellen, wie man heute sagen würde, vernetzt.

    Die fertigen Leningrader Karossen wurden samt den auseinandergebauten Buicks nach Moskau übergeben. Daraus entstand der legendäre ZIS-101, der äußerlich wenig mit dem L-1 gemein hatte, aber technisch eine Kopie dessen war. Die übriggebliebenen L-1 wurden nachher in die Mongolei verschenkt. Keine der Limousinen aus Leningrad hat die Zeit bis heute überdauert.

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    Tags:
    Staatskarosse, Autoindustrie, Josef Stalin