23:41 29 September 2020
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    18 Milliarden Dollar will das Pentagon vom Kongress haben, um zwei neue Atom-U-Boote bauen zu lassen. Das erste Schiff soll im kommenden Jahr auf Kiel gelegt werden, für 2031 ist der erste Patrouilleneinsatz auf den Weltmeeren geplant. Die Boote der Columbia-Klasse sind leise, schlagkräftig und können pausenlos gefahren werden.

    Die 18 Milliarden Dollar sind erst der Anfang. Tatsächlich hofft die Navy-Führung auf summa summarum 128 Milliarden für insgesamt zwölf Columbia-Schiffe als Ersatz für die vierzehn strategischen U-Boote der Ohio-Klasse, die die US-Marine gegenwärtig in der Nutzung hat. Allein das Flaggschiff wird den amerikanischen Steuerzahler voraussichtlich 14 Milliarden Dollar kosten. Die Columbia-Klasse ist mithin eines der teuersten Kriegsschiffe der Geschichte (Ohio kostete „nur“ drei Milliarden das Stück).

    Gemeinsamkeiten haben die Columbia- und die Ohio-Klasse nur in den Abmessungen: 170 Meter lang, 13 Meter breit, 20.000 Tonnen schwer. Aber die neuen Atom-U-Boote sollen nach Angaben der Navy noch schlagkräftiger werden als ihre Vorgänger. Zwar ist für die Columbia-Klasse ein Kampfsatz von 16 Flugkörpern vorgesehen, während die Ohio-Boote 24 Raketen an Bord haben. Doch geplant ist die Trident II in der Ausführung D5: „Die können ebenso mit superschlagkräftigen Sprengköpfen bestückt werden wie mit kleineren Sprengladungen je zehn Kilotonnen. Auf eine Rakete passen bis zu zwölf solcher Gefechtsköpfe“, erklärt Militärexperte Alexej Leonkow. „Die Zielabweichung eines Gefechtskopfs liegt bei unter 90 Metern. Das sind hochpräzise Interkontinentalraketen.“

    Der Kernreaktor der Columbia-Klasse läuft ohne den Austausch von Brennstäben die komplette Dienstzeit der U-Boote durch: 42 Jahre lang. Der Antrieb ist ein integriert elektrischer, was bedeutet, dass die Antriebsschraube nicht an Kraftgeneratoren, sondern an Elektromotoren gekoppelt ist. Dies und die x-förmige Auslegung der Heckruder führt zu deutlich verringerten Schallemissionen. Die Columbia-Klasse zählt dann zu den leisesten U-Booten der Welt – flüchtig wie ein Schatten im Ozean.

    Bedient wird ein Columbia-Schiff von einer nur 157-köpfigen Besatzung. Ein Führungssystem, das Kommunikation, Waffen und Sensoren bündelt, macht es möglich, das U-Boot hochgradig zu automatisieren und die Besatzungsstärke entsprechend zu reduzieren.

    Die Gegenkraft

    Während der US-Kongress noch mit der Navy-Führung um die Milliarden für neue Boote feilscht, bereitet die russische Marine die Diensteinführung eines der Columbia-Klasse gleichgeordneten U-Boots vor. Die „Fürst Wladimir“ – das Flaggschiff der Klasse Borei-A (Projekt 955A) – ist so gut wie komplett einsatztauglich: Die staatliche Erprobung ist abgeschlossen, und in wenigen Wochen steht die Indienstnahme bei der Nordmeerflotte an.

    Das russische Atom-U-Boot der Borej-Klasse (Projekt 955A) „Fürst Wladimir“ auf Testfahrt, 2019
    © Sputnik / Oleg Kuleschow
    Das russische Atom-U-Boot der Borej-Klasse (Projekt 955A) „Fürst Wladimir“ auf Testfahrt, 2019

    Das Boot ist eine modernisierte Ausführung der gleichnamigen Schiffsklasse ohne den Zusatz A. Die Entwickler haben vor allem an der Reduktion der, wie sie es nennen, „physikalischen Felder“ gearbeitet – also daran, die Schallemissionen und die Magnetkräfte zu verringern, die ein U-Boot im Einsatz erzeugt. Davon hängt maßgeblich ab, ob das Schiff von der gegnerischen Abwehr entdeckt und von den Zielsuchköpfen gelenkter Torpedos erfasst wird oder ob es den Wirkbereich einer Seemine unbeschadet passieren kann.

    „Die Boote des Projekts 955A kommen ohne den typischen Höcker auf dem Rumpfrücken aus, der beim Projekt 955 als Raketensilo dient. Das ist eine wichtige Neuerung, weil dadurch die hydroakustischen Eigenschaften des U-Boots verbessert wurden“, erklärt Militärexperte Leonkow. „Außerdem laufen Raketenstarts von Bord des U-Boots im sog. Trockenstartverfahren ab: Das Boot schießt, ohne seine Position zu verraten. Den Überraschungseffekt hat die Borei-Klasse immer auf ihrer Seite.“

    Verbessert wurden bei der Modernisierung auch die Führungs-, Kommunikations- und Sensorsysteme. Weitreichende Automatisierung lautete die Vorgabe: Zur Besatzung zählen 107 Mitglieder – nur zwei Drittel der Mannschaft, die zur Bedienung eines Columbia-Bootes nötig ist. Dabei sind die amerikanische Columbia- und die russische Borei-Klasse nahezu gleichgroß und gleichschwer.

    Und gleichstark: Die „Fürst Wladimir“ führt 16 ballistische Interkontinentalraketen mit. Ja, die amerikanische Trident II D5 fliegt weiter und trifft präziser als die russische R-30. Dafür hat die russische Rakete eine hervorragende Schlagkraft von sechs Gefechtsköpfen je 150 Kilotonnen Sprengkraft.

    xperten sind sich einig, dass die neue Borei-Klasse technisch in vollem Umfang einem atomaren U-Boot der 4. Generation entspricht. Aber Russland arbeitet schon an der 5. Entwicklungsstufe: An atomaren Mehrzweck-U-Booten der Laika-Klasse. Sie sind es, die in den 2030ern die Columbia-Schiffe in den Tiefen der Weltmeere jagen sollen.

    Von der Bestimmung her ist die Laika-Klasse kein rein strategisches Schiff, soll aber auch Funktionen in der strategischen Abschreckung übernehmen. Es sind denn auch zwei Ausführungen der Laika-Klasse vorgesehen: Eine U-Boot-Jagd- und eine Schiffsabwehrversion – beide mit Hyperschallwaffen bestückt.

    Genauere Informationen zur Laika-Klasse sind derzeit nicht verfügbar. Fachleute schätzen die Wasserverdrängung dieser Boote auf 12.000 bis 13.000 Tonnen, die Besatzung auf maximal 90 Mitglieder. Der Rumpf soll wohl aus Verbundwerkstoffen bestehen. Die Automatisierung übernimmt ein KI-gestützter Leistungsrechner mit einem integrierten Informations- und Gefechtsführungssystem.

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    Tags:
    Columbia (U-Boot), Ohio-Klasse, Borei, Borej (U-Boot), Atom-U-Boot, Russland, USA