23:37 06 Juli 2020
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    Ja, es ist ein Moped. Gut, eine Vespa, um genau zu sein – bewaffnet mit einem Kanonenrohr, ausgelegt für eine Zwei-Mann-Besatzung. Französische Fallschirmjäger hatten das Gerät ernsthaft im Einsatz. Das Portal „Hot Cars“ berichtet über dieses und andere weniger sinnvolle Einsatzfahrzeuge.

    Zwei Räder, ein Ein-Zylinder-Zweitakter und ein 75-Millimeter-Geschütz – fertig ist ein Panzerabwehrroller der französischen Armee. Die Vespa 150 TP wurde in den 1950er Jahren entwickelt, stand bei den Franzosen wirklich im Dienst und soll sogar wirksam eingesetzt worden sein, schreibt das Portal. Mit der Vespa-Bazooka war angeblich eine Panzerung von bis zu 100 Millimeter Stärke zu durchschlagen.

    Nicht weniger freakig ist der „Big Dog“ genannte Armeeroboter von 2005. „Lastenesel“ würde eigentlich besser passen. Entwickelt wurde der mechanische Vierbeiner vonBoston Dynamics, Foster-Miller und der Harvard University – einzig mit dem Ziel, Soldaten vom Tragen schwerer Gefechtsausrüstung dort zu entlasten, wo Rad- und Kettenfahrzeuge nicht weiterkommen. Warum nimmt man nicht einfach ein Maultier? Aber 2015 wurde das Projekt eh eingestellt, weil es für den Kampfeinsatz zu laut gewesen sei.

    Ein Geheimprojekt, wie es wohl nur im Kalten Krieg möglich war: Die fliegende Untertasse Avro Canada VZ-9 Avrocar. Aus dem Senkrechtstarterprototyp sollte ein High-Speed-Kampfflugzeug werden. Aber das Projekt wurde eingestellt, weil die Entwickler keine Lösung für die Schub- und Stabilitätsprobleme hatten finden können.

    Avro Canada VZ-9 Avrocar
    Avro Canada VZ-9 Avrocar

    Ein Dreirad als Panzer – das wird man wohl noch ausprobieren dürfen. Ein Team von Armeeoffizieren, Ingenieuren und Wissenschaftlern im zaristischen Russland hatte es 1914 gewagt. Es entstand der größte jemals gebaute Panzer: Der Zar – mit zwei riesigen Speichenrädern vorne und einer kleineren Heckwalze, angetrieben je von einem 250-PS-Motor. Das Entwicklerteam sah ein, eine Fehlkonstruktion produziert zu haben, und ließ das Gefährt einfach im Testgelände stehen, schreibt das Portal.

    Der russische Zar-Panzer, ca. 1910
    Der russische Zar-Panzer, ca. 1910

    Wenn Kosmonauten von ihrer Mission auf die Erde zurückkehren, landen sie nicht immer dort, wo herkömmliche Autos und Lastwagen hinkommen. Um die Raumfahrer auffinden und transportieren zu können, braucht es eine Technik wie aus dem All: den Schneckochod oder auch ZiL-2906 – ein zylindergetriebenes Amphibium. Bis zu 45 Stundenkilometer schnell war das Gefährt auf dem Schnee, im Schlamm schaffte die „Schnecke“ immerhin 20 und im Wasser 15 Stundenkilometer.

    ZiL-2906 (im Vorderplan)
    ZiL-2906 (im Vorderplan)

    Typisch Sowjettechnik: Ein 37-Tonnen-Panzer mit einem Jet-Triebwerk auf dem Buckel zum Wegfegen von Landminen. Kein Scherz: Der heiße Abgasstrahl der Turbine sollte einen Geländeabschnitt von Sprengkörpern freiräumen. Nur zwei Probleme standen einer Diensteinführung dieses Monsters – genannt Progrew-T – im Weg: Das Düsentriebwerk verbrauchte zu viel Kerosin und erzeugte gewaltigen Lärm, was einem verdeckten Einsatz unter Kriegsbedingungen nicht dienlich war. Der Abgasstrahlminenräumpanzer wurde als dienstuntauglich ausgemustert.

    ​Sieht aus wie ein Lastenrad, ist aber laut dem Portal das erste benzingetriebene Panzerfahrzeug der Welt: der Motor Scout Armored Quadricycle. Der britische Erfinder F.R. Simms hatte 1898 die Idee, ein Maschinengewehr hinter einem Schutzschild an der Front eines Quads (so muss man es wohl nennen) anzubringen. Als Antrieb diente ein Benzinmotor mit eineinhalb Pferdestärken.

    Die gleiche Idee wie mit dem Motor Scout, aber eine Spur solider: Eine vernietete Panzerhülle auf ein herkömmliches Autofahrgestell aufgesetzt – fertig war der leichte Panzer: Beaverette. Als Waffe wurde vorne ein MG verbaut. Über Sinn und Einsatzwert dieser Konstruktion lässt sich streiten – bis 1942 wurde dieses Fahrzeug jedenfalls produziert.

    Ein Panzer für Einsiedler – von Deutschen gebaut, von Japanern im Zweiten Weltkrieg eingesetzt: der Kugelpanzer. Das Gefährt war in der Tat eine Ein-Mann-Maschine. Die Sowjetarmee erbeutete den Kugelpanzer später in der Mandschurei, schreibt das Portal.

    In die Kategorie „sinnlos“ passt der Schwimmwagen von VW nicht so recht, denn es wurden über 14.000 Exemplare dieses Amphibiums für die Wehrmacht gebaut und zwischen 1942 und 1944 auf breiter Front eingesetzt. Eine Eigenart hat der wasserfeste Volkswagen aber doch: An Land von einem Benziner angetrieben, kam der Viersitzer auf dem Wasser, wenn es sein musste, auch durch menschliche Muskelkraft und Paddeln voran.

    Volkswagen Schwimmwagen
    Volkswagen Schwimmwagen

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