16:02 05 Dezember 2020
SNA Radio
    Technik
    Zum Kurzlink
    29911
    Abonnieren

    Aus einem Doppel- wird ein Tiefdecker, mitten im Flug – so etwas hatte vor dem 29. Mai 1940 allerhöchstens in den Fantasien wagemutiger Flugzeugbauer existiert. An dem Tag brachten die Sowjets erstmals ein Jagdflugzeug mit den Vorzügen beider Bauweisen in die Luft.

    Doppeldecker sind recht praktisch: Zum Abheben genügt ihnen eine kurze Piste, im Flug sind sie wendiger als Eindecker. Die doppelte Tragfläche erzeugt deutlich mehr Auftrieb bei kompakter Bauweise. Aber die Doppeldecker sind im Vergleich zum Tief- oder Hochdecker lahm. Aufgrund des schwächeren Luftwiderstands sind Eindecker flotter, benötigen aber einen längeren Anlauf beim Start. Beide Bauweisen in einer Maschine zu vereinen, um die jeweiligen Vorzüge zu nutzen, war die Idee von Wladimir Schewtschenko, Luftfahrtingenieur aus der UdSSR.

    Im April 1938 hatte er seinen Kollegen einen flugfähigen Entwurf vorgestellt: IS-1 war die Bezeichnung des Prototyps. Am Boden ein Doppel-, in der Luft ein Eindecker: Die unteren Tragflächen der Propellermaschine konnten wie ein Einziehfahrwerk innerhalb von Sekunden eingeklappt werden. Die Flügelwurzel wurde an den Rumpf herangezogen, die Flügelspitze zusammengeklappt und an die obere Tragfläche angefügt.

    Die Kollegen waren beeindruckt, Nachrichten über die Neuheit erreichten bald die Sowjetführung. Stalin persönlich bewilligte Mittel und hochklassige Ingenieure für das Projekt. Zwei Jahre später erfolgte der Erstflug einer Vorserienmaschine.

    Vorerst ging es darum, die Hauptkomponenten des Jagdflugzeugs im Flug zu erproben. Der Klappflügel blieb bei den Testflügen stets ausgefahren, erst im Juni 1940 flog die IS-1 erstmals als Eindecker. Wie auch zuvor hielt sich die Maschine hervorragend: selbst beim Einklappen der unteren Tragflächen lief alles glatt. Das Einzige, was die Piloten bemängelten, war die schlechte Rundumsicht und der relativ schwache Motor.

    Im Januar 1941 entstand der zweite Prototyp: IS-2, mit stärkerem Motor und einem Höchsttempo von 600 Stundenkilometern bei eingeklapptem Unterflügel. Das war den besten Jagdflugzeugen der damaligen Zeit ebenbürtig. Der Prototyp erhielt eine starke Bewaffnung aus zwei Maschinengewehren im Kaliber 12,7 und 7,62 Millimeter.

    Trotzdem wurde das Projekt eingestellt: Die Konstruktion war nicht unkompliziert, die Entwicklungs- und Produktionskosten fielen höher aus als bei anderen Jagdflugzeugen. Entwickler Schewtschenko stellte zum Ende des Krieges einen weiteren Prototyp mit verbesserter Aerodynamik und Wendigkeit vor, doch war zu der Zeit bereits klar, dass die Zukunft der militärischen Luftfahrt den Strahljägern gehörte. Die IS-1 und ihre Varianten blieben nur ein gutes Stück Entwicklerarbeit.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    US-Botschafterin in Berlin fordert Baueinstellung von Nord Stream 2
    Wertegemeinschaft, Anarchie, Krieg? Experten legen Szenarien für EU-Russland vor: Offenbar ist...
    „Zum Kotzen …“ – deutsch-iranischer Konfliktforscher über die „Doppelmoral“ der Bundesregierung
    Tags:
    Experiment, Kampfflugzeug, Jagdflugzeug, Flugzeug, UdSSR, Sowjetunion