12:28 09 Juli 2020
SNA Radio
    Technik
    Zum Kurzlink
    1238
    Abonnieren

    Vor mehr als einer Woche hat die Pilotphase für die Schweizer Corona-Tracing-App in der Schweiz begonnen. Dabei wird nun auf eine dezentrale Speicherung der Daten geachtet, die auf dem Smartphone selbst erfolgen sollte. Dennoch bestehen große Zweifel am Datenschutz: Ob die Bevölkerung kooperiert, bleibt ungewiss.

    In einer neuen Sitzung des Ständerats wurden neue Gesetzesgrundlagen erschaffen, welche die Benutzung von Corona-Tracing-Apps begünstigen. Bereits letzte Woche startete die Corona-App in die Testphase. Mitarbeitern der Eidgenössischen Technischen Hochschulen in Zürich (ETH) und Lausanne (EPFL) wurde die App für ein Pilotversuch zur Verfügung gestellt. Doch viele Fragen blieben unbeantwortet. Am Mittwoch tagte der Ständerat und versuchte, diese offenen Fragen zu klären.

    Da die Netzwerk-Infrakstrukturen des Bundesamts für Informatik und Telekommunikation nicht ausreichen, solle auch Amazon mit ins Boot: Für die Prüfung der Kontakte sollen Entwickler der App mit dem Standort in Deutschland zusammenarbeiten. Laut dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten solle dies kein Problem darstellen. Die Schweizer Zeitschrift „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) schreibt, dass es sich in Kontaktlisten nicht um Personendaten handelt und deswegen keine spezielle Regelung notwendig sei.

    Massenveranstaltungen durch Corona-App?

    Die Hoffnung besteht darin, dass durch diese Smartphone-App eine Rückverfolgung stattfinden kann und somit größere Veranstaltungen ermöglicht werden. Die NZZ schreibt in einem Artikel über die Wichtigkeit der Rückverfolgung. Tatsächlich erklärte Daniel Koch, der ehemalige Leiter der Abteilung für Übertragbare Krankheiten im Bundesamt für Gesundheit (BAG), Massenveranstaltungen im Juli für möglich – solange die Rückverfolgung gewährleistet werden kann. Somit stellt die Corona-App, welche gerade getestet wird, das wichtigste Instrument dafür dar.

    Doch die Problematik besteht in der Kooperation mit der Bevölkerung: Noch weiß man nicht, ob die freiwillige App von der Gesamtbevölkerung heruntergeladen und aktiv genutzt wird. Bei Großveranstaltungen wäre dies jedoch ein Muss, schreibt die NZZ. Die Meinungen nach einem „indirekten Zwang“ der Corona-App auf Veranstaltungen dabei gehen auseinander. Der Entscheid des Ständerats orientierte sich schließlich am Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten: Paul Rechsteiner (Ständerat der Sozialdemokratischen Partei in St. Gallen) nahm Stellung und sagte, dass die Freiwilligkeit zentral sei. Da dies die „Eckpfeiler des gesamten Gesetzes“ seien, dürfte niemand ohne App von einer Veranstaltung ausgeschlossen werden.

    Zudem entstehen auch technische Probleme in der Benutzung der Proximity Tracing App: Da die App über Bluetooth funktioniert, kann jeder, der absichtlich oder ausversehen seine Bluetooth-Funktion deaktiviert, die Funktion der App hindern.

    Warnung der App – Und dann?

    Ein weiterer Gesichtspunkt sei der Ablauf von positiv-getesteten Personen gewesen, welche sich in Isolation begeben müssten. Der Gesundheitsminister Alain Berset beschreibt den Prozess folgendermaßen: Sobald eine Person eine Warnung von der App erhält, solle sie in Konsultation mit der Corona-Hotline entweder den Hausarzt oder den Kantonsarzt kontaktieren. Dieser würde nach der Beurteilung diejenige Person zu einem Corona-Test zulassen oder eben nicht. In einem anschließenden Falle eines positiven Test-Ergebnisses bestehe die Lohnfortzahlung dieser Person durchgängig.

    Probleme bei der fortlaufenden Lohnauszahlung bestehen erst, wenn sich die Person freiwillig in Selbstisolation begibt – ohne eine medizinische Konsultation. Auch sollen Tests für Menschen mit Warnungen der Corona-App kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Der Bundesrat solle die App bei ungenügend wirksamen Resultaten einstellen können.

    lm

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Daniel Koch geht in Rente: Rücktritt des Schweizer „Mr. Corona“
    Corona-Warn-App: Grüne Justizminister plädieren für gesetzliche Regelung
    Seehofer rechnet mit Corona-Warn-App Mitte Juni – und will sie europaweit
    Tags:
    Technik, Veranstaltung, Schweiz, Coronavirus, App