15:00 07 Juli 2020
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    Bodenziele aus der Luft vernichten ohne Schall und Rauch – amerikanische Spezialtruppen wollen diesen Fähigkeitszuwachs. Darum soll der Kanonenflieger AC-130 – auch bekannt als Gunship – mit einer Laserwaffe ausgerüstet werden. Experten haben Bedenken.

    Das amerikanische Kommando Spezialkräfte will neue Möglichkeiten für seine Gunships. Die AC-130 hat eine 30-Millimeter-Kanone, „präzise wie ein Scharfschützengewehr“, erklärte der Kommandeur des United States Special Operations Command, Tom Palenske, neulich in einer Videokonferenz. Doch mit einem Laser hätte das Flugzeug für den Close Air Support bessere Fähigkeiten: „Wenn wir früher ein Auto oder ein Flugzeug am Boden außer Gefecht setzen wollten, mussten wir eine Spezialeinheit losschicken. Ein Laser würde es möglich machen, aus der Luft unmerklich ein Loch in den Motor zu brennen. Kein Lärm, kein Lichtblitz.“

    Die Arbeiten an der Modernisierung der AC-130 hatten 2015 begonnen. Seitdem wurde Lenkmunition für die automatische 30-mm-Bordkanone entwickelt, auch großkalibrige Lenkgeschosse und Raketen. Auch waren zwei Laseranlagen in Arbeit: eine mit 120 Kilowatt und eine mit 60 Kilowatt Leistung.

    ​Das stärkere Lasersystem sollte die 105-mm-Haubitze ersetzen, zur Bekämpfung leichtgepanzerter Ziele, Flugzeuge, Hubschrauber und Infanterie. Der Laser könnte auch als non-letale Waffe wirken, durch Blendung des Gegners. Aber dieses System hätte den ganzen Frachtraum der Maschine in Anspruch genommen. Bessere Chancen sehen Entwickler deshalb bei dem schwächeren Laser.

    Das Pentagon geht davon aus, die modernisierte AC-130 zur Bekämpfung von Drohnen und sogar Lenkwaffen einsetzen zu können. Hauptsächlich aber sollen die Gunships zur Luftnahunterstützung bei Sonderoperationen zum Einsatz kommen. Sollte das Modernisierungsprogramm mit Erfolg enden, würden auch andere Flugzeugtypen mit dem 60-KW-Laser ausgerüstet werden – dann auch als Selbstschutzsystem gegen Flugabwehrraketen und -munition.

    Das Konzept hört sich gut an, aber mancher Fachmann hält die Vorstellungen des US-Militärs für eine unerreichbare Utopie.

    „Es gibt eine Vielzahl an Einschränkungen für die Wirkungsweise luftgestützter Laser“, erklärt Militärexperte und Fachjournalist Wiktor Murachowski. „Bisher ist ein ausreichend starker Stromspeicher, der in ein Flugzeug reinpassen würde, nicht entwickelt. Außerdem wird ein passendes Kühlsystem benötigt. Regen, Nebel, Schnee, Wolken, Lufttemperatur, Höhe und Windrichtung haben auch maßgeblichen Einfluss auf die Anwendung des Lasers.“

    An Lasern als Waffensystemen arbeiten alle rüstungsstarken Länder schon seit den 1960er Jahren. Ein von der Schlagkraft mit Schusswaffen vergleichbares Wirkmittel ist aus diesen Bemühungen noch nicht hervorgegangen. Gelungen ist bisher bestenfalls, die Optronik des Gegners mittels eines Laserstrahls zu stören oder niederzuhalten. „Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass die Amerikaner einen echten Kampflaser für die AC-130 entwickeln. Das haben sie schonmal versucht, aber daraus ist nichts geworden“, sagt Experte Murachowski.

    2002 beispielsweise flog eine Boeing YAL-1 mit einem chemischen Versuchslaser an Bord. Angedacht war, ein Flugzeug zu entwickeln, das für den Fall eines Atomkriegs in der Luft patrouillieren und die Interkontinentalraketen des Gegners abschießen würde, noch bevor sie die Marschroute erreichen. Dafür sollte ein Laser im Megawatt-Bereich an Bord der Maschine installiert werden.

    Bei Versuchen schoss die Boeing tatsächlich mehrere Testziele ab, aber 2011 wurde das Vorhaben aufgegeben. Dem Pentagon wurde es zu teuer – und die Verantwortlichen beschlossen, mehr für die Weiterentwicklung des Raketenabwehrsystems Aegis mit den Abwehrraketen Standard zu tun.

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    Tags:
    USA, Laserwaffen, AC-130