08:42 12 August 2020
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    Präziser Feuerschlag plus zuverlässig geschützte Systeme: Neben Bomben und Raketen erhält die Luftkampfplattform Su-57 eine High-End-Elektronik für die exakte Wirkung aus der Ferne. Das Kampfflugzeug wird Fallen erkennen und in gegnerischen Störattacken bestehen können.

    Das Waffenverzeichnis des neuen Kampfjets hütet das russische Verteidigungsministerium wie ein Staatsgeheimnis. Trotzdem weiß man, dass russische Rüstungshersteller an die 15 neue Wirkmittel für die Su-57 entwickeln. Die Grundlage für das Su-57-Arsenal legen Waffen, die die russischen Luft- und Weltraumstreitkräfte bereits nutzen. Aber diese Muster werden überarbeitet und digitalisiert.

    Dazu zählen beispielsweise neue Schiffsabwehrraketen mit einer mehr als verdoppelten Reichweite von 250 Kilometern. Die Flugkörper sehen auffällig unverändert aus: Veränderungen wurden nicht an der Hülle vorgenommen, sondern an den Systemen im Inneren. Ein stärkeres „Rechenhirn“, ein Führungssystem und ein leistungsfähigerer Antrieb ermöglichen komplizierte Flugmanöver; die im Inneren verborgene Elektronik hält Störattacken stand, erkennt Ablenkversuche und meidet Täuschkörper aller Art.

    „Im modernen Gefechtsumfeld kommen in der Luft und am Boden allerhand Störsysteme zum Einsatz. Um zum Missionserfolg zu führen, muss die Waffe deshalb sehr zuverlässig sein. Die Su-57 ist auch mit Blick auf diese Faktoren entwickelt worden. Die Bordsysteme sind komplett digital: die Übermittlung des Einsatzauftrags, der Zielkoordinaten, die Neuverteilung von Zielen erfolgt nahezu in Echtzeit“, erklärt Militärexperte Alexej Leonkow im Sputnik-Gespräch.

    Beispielsweise ist eigens für den Einsatz mit der Su-57 die KAB-250 entwickelt worden. Bei der US Air Force würde man sie eine „Smart Bomb“ nennen: Nach dem Abwurf wird die Flugbahn der Bombe per Navigationssystem GLONASS korrigiert, bis zum präzisen Einschlag ins Ziel. Gegenwärtig wird die Bombe getestet, war aber auch schon im Erprobungseinsatz: Jagdbomber Su-34 nutzten die Bombe, um auf Terrorstellungen in Syrien zu wirken.

    Die KAB-250 schlug kräftig ein – und (noch wichtiger): hochpräzise. Die Zielabweichung ging über zwei Meter nicht hinaus, gleichviel ob bei Tag oder Nacht und bei welchem Wetter. Der Sprengsatz macht nicht nur die Bekämpfung mobiler Ziele und der Infanterie auf offenem Gelände möglich, sondern auch gut befestigter, schwieriger Zielobjekte.

    Minimale Zielabweichung

    Der ehemalige Kampfpilot Wladimir Popow ist sich sicher: Die Waffensysteme der Su-57 bleiben konventionell in der Auslegung und in der Wirkungsweise. Was an diesen Waffen intensiviert wird, ist die Lenkbarkeit und Präzision. „Die Präzisionswerte steigen um 30 bis 40 Prozent“, sagt er im Sputnik-Gespräch. „Die Flugkörper werden auf den Meter genau einschlagen können.“

    Ziele im Nah- und Mittelbereich werden automatisch verfolgt – optoelektronisch, anhand von Wärmeemissionen und magnetischem „Fußabdruck“. Die Zielgenauigkeit steigt und mit ihr nimmt die Effektivität der Waffe zu. Damit wird die Bekämpfung unterschiedlichster Ziele in der Luft und am Boden möglich. Auch schwer zu ortende Kleinfluggeräte wie Drohnen wird die Su-57 abschießen können. Für den schwereren Einsatz soll der neue russische Kampfjet die Hyperschallwaffe Kinschal mitführen können – dies aber erst nach 2030, erklärte das russische Verteidigungsministerium.

    Das Hirn des Waffen- und Gefechtsmanagements der Su-57 ist ein leistungsstarker Rechner. Dieser stellt dem Piloten einen virtuellen Co-Piloten zur Seite: dieser erstellt die optimale Einsatzroute, erkennt und priorisiert Ziele, gibt dem Kommandeur Empfehlungen für den geeigneten Waffeneinsatz. Für die Zielsuche verfügt die Su-57 über mehrere Ortungsanlagen an Bord. Neben einem frontal gerichteten Radar mit elektronischer Strahlschwenkung stehen mehrere Seitenradare bereit.

    Ein Spezifikum der Kampfflugzeuge dieser Generation ist der interne Waffenschacht. Werden Bomben und Raketen darin untergebracht, verringert sich die Radarsignatur des Flugzeugs. Die Su-57 trägt Waffen in zwei solchen Schächten. Die Entwickler der Maschine hatten deshalb eine schwierige Aufgabe zu lösen: Es mussten kompaktere Raketen mit einklappbaren Trag- und Steuerflächen entwickelt werden. Eine Schwierigkeit stellen auch Zusatzbelastungen dar, die auftreten, wenn die Raketen aus dem Waffenschacht gestartet werden.

    Ansonsten zeichnet ein gutes Nutzlast-Eigengewicht-Verhältnis den russischen Kampfjet aus, erzielt durch die Verwendung von Verbundwerkstoffen. „Bei der Su-35 bestehen circa 25 Prozent der Zelle aus Nicht-Metallen: aus Kohlefaser, Glasfaser, Kevlar, aus unterschiedlichen Harzen. Bei der Su-57 sind es 35 Prozent – ohne Einbußen für die Steifigkeit. Das Flugzeug ist bei vergleichbaren Abmessungen wesentlich leichter. Dabei liefert das neue Triebwerk 15 Prozent mehr Schubkraft.“

    Ein Special der Su-57 ist die Fähigkeit zum Teaming mit unbemannten Flugsystemen. Das russische Verteidigungsministerium erprobte die Maschine bereits im Verbund mit der Drohne S-70 Ochotnik. Das Konzept für die Zukunft sieht den Einsatz ganzer Drohnenschwärme unter dem Kommando eines oder weniger Su-57-Piloten vor. Der Einsatzwert solcher Verbände ist vielfach höher bei erheblicher Ressourceneinsparung im Vergleich zu ausschließlich bemannten Geschwadern.

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    Jagdflugzeug, Kampfjet, Russland, Su-57