06:58 25 November 2020
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    Es gibt wieder Probleme mit der „USS Gerald Ford“ – dem Superflugzeugträger der amerikanischen Marine. Die Navy hat kürzlich weitere für die Einsatztauglichkeit des Kampfschiffs verantwortliche Führungskräfte entlassen müssen. Im Testbetrieb seien zu viele Mängel entdeckt worden.

    Das teuerste Kampfschiff der Geschichte (13 Milliarden Dollar) ist weiterhin untauglich für den Einsatz, obwohl vor drei Jahren schon in den Erprobungsdienst gestellt. Mitte der 1990er ging die Entwicklung der „Gerald Ford“ los: Die Navy hatte einen Flugzeugträger der nächsten Generation gefordert – als Ersatz für den allerersten atomaren Flugzeugträger der amerikanischen Marine, die „USS Enterprise“ aus den 1960ern. 2005 kam die Kiellegung und nach achtjähriger Bauzeit schließlich der Stapellauf. Mit 100.000 Tonnen Wasserverdrängung ist der Flugzeugträger „Gerald Ford“ auch das größte Kampfschiff der Welt.

    Die Fähigkeiten dieses schwimmenden Stützpunkts sind in der Tat beeindruckend – zumindest auf dem Papier: Bei 337 Metern Länge, 78 Metern Breite und 76 Metern Höhe fährt der Flugzeugträger auf offener See bis zu 30 Knoten schnell (56 Stundenkilometer). Zwei jeweils 700-Megawatt-starke Kernreaktoren Bechtel A1B liefern die Kraft dafür. Mit diesem Antrieb kennt das Schiff bei der Einsatzdauer praktisch keine Grenzen – nur die Verpflegung für die Crew muss alle 100 Tage aufgefüllt werden.

    Das Jagdgeschwader der „Gerald Ford“ zählt nahezu 100 Einheiten: Mehrzweckjäger, Flugzeuge für den elektronischen Kampf, fliegende Radarstationen, Tanker und Transporter – also die F/A-18E/F „Super Hornet“, die F-35C, die EA-18G „Growler“ und E-2D „Hawkeye“, die C-2 „Greyhound“. Hubschrauber und Kampfdrohnen kommen noch hinzu.

    Zahlreich ist auch die Besatzung des neuen Flugzeugträgers: 4500 Mann. Dies, obwohl die Entwickler die meisten Prozesse an Bord der „Gerald Ford“ hochgradig haben automatisieren können.

    Eine Besonderheit des neuen Flugzeugträgers sind die elektromagnetischen Startschleudern statt der herkömmlichen dampfgetriebenen Katapulte. Die neue Technik soll die Flugzeuge sanfter beschleunigen, sodass die Piloten kleineren g-Kräften ausgesetzt werden.

    2016 sollte der Flugzeugträger vollends in die Nutzung eingeführt werden. Da berichtete „Bloomberg“ jedoch, das Superschiff habe den Testlauf auf die Einsatztauglichkeit nicht bestanden. Noch vor der ersten Fahrt auf offenem Meer seien zahlreiche Mängel an der „Gerald Ford“ festgestellt worden, viele von denen nur durch kompletten Umbau hätten beseitigt werden können.

    Start eines Kampfjets F/A-18 vom Deck des US-Flugzeugträgers USS Gerald R. Ford (Archivbild)
    Start eines Kampfjets F/A-18 vom Deck des US-Flugzeugträgers USS Gerald R. Ford (Archivbild)

    Zu den folgenschwersten Fehlkonstruktionen zählen die elektromagnetischen Fangseile. 1600 Landungen würden sie unterbrechungsfrei aushalten, erklärte der Hersteller. Möglich waren bei Praxistests: 25. Auch die elektromagnetischen Startkatapulte blieben weit hinter der erklärten Leistung: In der Praxis erfolgten nur 400 statt der angekündigten 4000 Starts ohne Aussetzer.

    Fachleute vom Pentagon hatten bei der Abnahme auch die Flugzeugaufzüge der „Gerald Ford“ zu bemängeln: Von den vorhandenen elf funktionieren nur zwei ordnungsgemäß. Der Mangel ist bis heute nicht behoben und wirkt sich stark negativ auf den Einsatzwert des 13-Milliarden-Dollar-Schiffs aus. Als wäre das nicht genug, mussten die Abnahmeprüfer auch noch Mängel an den Ortungsanlagen feststellen, die eigens für die Flugzeugträger der neuen Generation konstruiert worden waren.

    Dennoch stach die „Gerald Ford“ am 8. April 2017 in See und wurde dann am 31. Mai offiziell in Dienst gestellt. Nur: Die technischen Probleme sind damit noch lange nicht vorbei. Bei der Fahrt rissen bald die Lauflager der Propellerwelle. Das Schiff musste in den Hafen zurück, die Reparatur nahm mehrere Monate in Anspruch.

    Wenig später hieß es: „Das Schiff hat Schwierigkeiten bei der Umwandlung der von den Kernreaktoren erzeugten Energie in die Umdrehung der Schraube.“ Mit dieser Formulierung wurde die simple Tatsache verdeckt, dass die „Gerald Ford“ Probleme mit dem Antrieb hatte. Schlepper zogen den Flugzeugträger ins Reparaturdock zurück, doch ein Jahr später trat das Antriebsproblem wieder auf – wieder blieb das Schiff im Hafen vertäut.

    Zwar hat die Navy viel zur Behebung der Mängel unternommen, doch immer noch fallen die Aufzüge und die Startschleudern im Betrieb häufig aus. Vor einem Monat erst mussten Starts an Deck der „Gerald Ford“ für ganze fünf Tage eingestellt werden, weil die Katapultsteuerung nicht funktionierte. Was muss die Überraschung der Navy groß gewesen sein, als sich zeigte, dass die innovativen Startschleudern den neuesten Kampfjet der US-Marine nicht beschleunigen können: Für die F-35C sind die elektromagnetischen Startkatapulte der „Gerald Ford“ einfach zu schwach.

    Start einer Minuteman-III-Rakete (Archivbild)
    © AP Photo / Senior Airman Ian Dudley / Vandenberg Air Force Base
    Trotzdem: Die US-Regierung ist unbeirrt dabei, den Bau weiterer Flugzeugträger der „Gerald Ford“-Klasse zu finanzieren. Das Programm soll weitergehen. Die „John F. Kennedy“ – das nächste Schiff dieser Klasse – ist Ende letzten Jahres vom Stapel gelaufen und soll bis 2024 die volle Einsatztauglichkeit erreichen. Das Pentagon hatte einen Bedarf von insgesamt zehn bis zwölf Schiffen dieser Größenordnung angemeldet.

    Doch es steht noch lange nicht fest, dass diese Pläne umgesetzt werden. Verteidigungsminister Mark Esper erklärte jedenfalls, die Navy müsse umstrukturiert werden – weg von vielen Flugzeugträgern hin zu mehr kompakteren Kampfschiffen der Fregattenklasse. Diese neue Marinedoktrin soll bei Übungen und Manövern erprobt und im kommenden Herbst bestätigt werden.

    Gut möglich, dass die Umstellung erforderlich ist, weil Russland und China neue Antischiffsraketen in Dienst gestellt haben. Für den hyperschallschnellen Flugkörper „Zirkon“ sind die großen Flugzeugträger der amerikanischen Marine ein viel zu simples Ziel. 2022 sollen die russischen Seestreitkräfte diese Rakete planmäßig erhalten. Gegenwärtig wird die „Zirkon“ getestet: Dutzende Testschüsse müssen noch absolviert werden.

    Das amerikanische Fachblatt „The National Interest“ schreibt über die „Zirkon“ lapidar, die Rakete könne jeden beliebigen Flugzeugträger „durchbohren“. Kein Wunder: Bei neunfacher Schallgeschwindigkeit ist der Flugkörper für die schiffseigene Flugabwehr einfach viel zu schnell. 

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    Tags:
    F-35, U.S. Navy, Flugzeugträger, Gerald Ford