06:49 09 August 2020
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    Das Schweizer Projekt der Flüge in die Stratosphäre tritt in eine neue Phase ein. Raphaël Domjan und sein Enthusiasten-Team wollen das Jahr 2021 mit einem Höhenflug gipfeln, bei dem rein solare Energie verwendet wird. Wird der Pilot in einem Leichtflugzeug den niedrigen Temperaturen in 25.000 Metern Höhe standhalten?

    Am 23. Juli stieg ein SolarStratos-Flugzeug über dem Flugplatz in Payerne, Schweiz, in den Himmel. Um das Wetter optimal zu nutzen, startete SolarStratos um 6:50 Uhr. Das Flugzeug stieg mühelos auf seinen eleganten solarbetriebenen Flügeln auf eine Höhe von 800 Metern und landete sicher nach 20 Minuten.

    „Trotz der schwierigen Situation, mit der wir derzeit konfrontiert sind, befinden wir uns in einer äußerst positiven Phase unseres Projekts. In den letzten Wochen sind alle Teile des Puzzles zusammengekommen und heute Morgen sind wir endlich wieder mit unserem Testpiloten Miguel Iturmendi am Steuer geflogen, und alles verlief reibungslos“, sagte Pilot und Forscher Raphaël Domjan vor der Presse.

    Das Team plant in diesem Jahr eine Reihe von Weltrekorden und Weltpremieren. Das spannende Projekt zog neue Partner an die Seite des Forschers Raphaël Domjan heran. SolarStratos kann sicher als internationales Projekt bezeichnet werden. Viele Unternehmen und Länder sind daran beteiligt: Die Sonnenbatterien für das Flugzeug wurden von einer US-Firma aus Kalifornien geliefert, das Flugzeug selbst wurde von deutschen Spezialisten entworfen, Russland stellt die Raumanzüge her, und die Idee und deren Umsetzung gehört den Schweizern.

    Startvorbereitungen
    © Foto : 2018 J. Revillard / Rezo.ch / SolarStratos
    Startvorbereitungen

    Die Zusammenarbeit mit dem russischen Forschungs- und Produktionsunternehmen „Swesda“ werde fortgesetzt, bis das Ziel erreicht werde, sagte Bernard Schopfer, SolarStratos-Teammitglied, gegenüber Sputnik.

    „Wir arbeiten weiterhin mit ‘Swesda‘ zusammen. Die russischen Kollegen haben für uns einen speziellen Druckanzug entwickelt, der für Flüge in großer Höhe bestimmt ist. Raphaël Domjan hat das Unternehmen in Moskau mehrmals besucht, und jetzt, da unser Flugzeug wieder fliegt, wird unsere Zusammenarbeit bis zu den ersten Flügen in die Stratosphäre noch intensiver sein“, so Bernard Schopfer.

    In der Stratosphäre soll das Flugzeug niedrigen Temperaturen, Druckschwankungen und der Sonnenstrahlung standhalten. Auf einer Höhe von 25.000 Metern mit Temperaturen von bis zu minus 60 Grad Celsius ist das für den Piloten ohne einen speziellen Raumanzug unmöglich. Im Betrieb „Swesda“ bei Moskau wurden einst die Raumanzüge für die Kosmonauten Juri Gagarin und  Alexej Leonow, der als erster Mensch sein Raumschiff verließ und im Weltraum frei schwebte, hergestellt. Die modernen Weltraum-Technologien wurden beim Herstellen des Raumanzuges für den SolarStratos-Piloten eingesetzt. Bei der Präsentation des Projekts vor zwei Jahren in Moskau wunderte sich Domjan, dass der Raumanzug schneller als das Flugzeug selbst fertig war.

    „Das Gute an unserer Zusammenarbeit ist auch, dass sich diese Menschen nicht auf Probleme und Business-Interessen konzentrieren. Sie sind wirklich Enthusiasten, sie mögen diese Aufgabe und diese Mission, sie wollen sie erfüllen, genauso wie wir. Deshalb haben wir ein umfassendes gegenseitiges Verständnis, wir sind gute Partner und Freunde“, sagte Domjan im Sputnik-Gespräch.

    Den Worten von Sergej Posdnjakow, dem Generaldirektor des Unternehmens „Swesda“, zufolge, sei ein solarbetriebenes Flugzeug eine fortschrittliche Energiequelle. „Dass die Piloten beschlossen haben, eine solche Höhe zu erreichen, ist heute ein bedeutendes Ereignis, selbst wenn Menschen bereits in den Weltraum fliegen“, betonte er im Interview mit Sputnik.

    Das SolarStratos-Pilotprojekt wurde im Dezember 2016 gestartet. Raphaël Domjan kam auf die Idee eines Stratosphärenfluges während seiner Weltreise mit einem solarbetriebenen Schiff – 60.000 Kilometer rund um den Globus. Warum könnte man mit einem Solarflugzeug nicht zu den Sternen fliegen? – dachte er damals. Die erste Testreihe war erfolgreich. Am 6. Juli 2018 war jedoch der linke Flügel des Flugzeugs bei einem Stresstest über dem Flugplatz in Payerne gebrochen. Niemand wurde verletzt, aber die Entwicklung der neuen Flügel verursachte eine erhebliche Testverzögerung. Die Covid-19-Krise hat die Wiederaufnahme der Testflüge noch weiter verschoben.

    Das SolarStratos-Team ist heute bereit, geplante Testflüge fortzusetzen, um die Flugreichweite zu erweitern. Laut Raphaël Domjan ist das Flugzeug stabiler und zuverlässiger als in der ersten Runde der Testflüge geworden. "Heute schlagen wir ein neues Kapitel auf, das es uns ermöglicht, außergewöhnliche Ziele zu erreichen, einen Traum zu verwirklichen und eine positive Botschaft über das Potenzial der Solarenergie zur Bekämpfung des Klimawandels zu vermitteln."

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    Tags:
    Umwelt, SolarStratos, Schweiz, Russland