02:48 30 November 2020
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    Was zählt, sind Schnelligkeit und Ausdauer: Auf der Basis des Abfangjägers MiG-31 entsteht ein Luftkampfsystem für Ferneinsätze – PAK DP. Die Ingenieure arbeiten gegenwärtig an einem Testträger. Das russische Verteidigungsministerium hat mehrere Entwürfe zur Weiterentwicklung bestätigt. Worum handelt es sich?

    In zehn Jahren sollte die MiG-31 außer Dienst gestellt werden. Dann soll der Kampfjet nach knapp 50 Dienstjahren trotz fortlaufender Modernisierungen ersetzt werden, erklärte unlängst der Generaldirektor der Luftfahrtkonzerne MiG und Suchoi, Ilja Tarassenko. Zum Nachfolger der MiG-31 ist das vorläufig als PAK DP bezeichnete Luftkampfsystem bestimmt worden. Der Abfangjäger soll Russlands Wehrfähigkeit verstärken, als eine Komponente im Grenzschutzverbund.

    Grenzschutz? Ganz recht: Gegnerische Raketen und die dazugehörigen Trägersysteme haben immer größere Reichweiten. Russland braucht einen Abfangjäger, der diese Bedrohungen im Luftraum weit vor den russischen Grenzen ausschalten kann. „Das Hauptangriffssystem der Nato-Staaten sind Flugzeuge, Marschflugkörper und ballistische Raketen mittlerer Reichweite. Die USA arbeiten mit Nachdruck an der Fähigkeit, Angriffe weit außerhalb der Gebiete starten zu können, die von der Flugabwehr abgedeckt sind“, erklärt der Militärexperte Alexej Leonkow im Sputnik-Gespräch. Das Hauptziel dabei ist laut dem Fachmann, „so viele Träger dieser Raketen zu treffen wie möglich“.

    „Der Einsatzradius von Abfangjägern ist im Vergleich zu Abwehrraketen doppelt so groß“, sagt Leonkow weiter. „Abfangjäger sind die Vorposten der Luftverteidigung. Der neue Kampfjet mit besseren Fähigkeiten und größerer Einsatzreichweite wird in sehr großen Höhen zum Einsatz kommen, 20 bis 25 Kilometer.“

    Wie alle neuen Kampfjets wird auch die PAK DP so ausgerüstet, dass sie den Gegner selbst unter massiver elektronischer Gegenwehr orten, verfolgen und bekämpfen kann. Bekämpfen heißt nicht nur, mit eigenen Waffen direkt einzuwirken, sondern auch Bordsysteme einzusetzen, um die Zielsuch- und Navigationssysteme gegnerischer Raketen entweder auszuschalten oder zumindest vom Kurs abzubringen. Höchstwahrscheinlich wird der künftige Abfangjäger auch Weltraumziele bekämpfen können.

    Aber der Hauptauftrag lautet heute und in Zukunft: Patrouille und gegebenenfalls Abwehr entlang der nördlichen Grenzen Russlands, erklärt der ehemalige Kampfpilot Wladimir Popow im Sputnik-Gespräch. „Die Konstrukteure haben allein bei den Triebwerken viel technischen Spielraum für die Modernisierung der MiG-31. Der künftige Jäger soll lange Zeit in der Luft bleiben und ohne Nachbrenner mit Überschallgeschwindkeit fliegen können. Dann kann die Maschine Treibstoff sparend in großen Höhen patrouillieren und im Alarmfall schnell das Einsatzgebiet erreichen.“

    Gedacht ist der MiG-31-Nachfolger vordringlich zur Abwehr von Bombern, Marschflugkörpern, ballistischen und operativ-taktischen Raketen sowie von Drohnen. Entsprechend vielseitig muss die Maschine waffentechnisch ausgestattet sein. Der Kampfpilot dazu: „Die Abmessungen der Bordelektronik für die Navigation, die Kommunikation, die Steuerung verringern sich. Dadurch wird Raum frei für mehr Waffenzuladung. Also mehr Lenkraketen für den Luftkampf, Hyperschallwaffen, vielleicht sogar Schiffsabwehrraketen.“

    Und weil schnell zuschlagen die wichtigste Fähigkeit eines Abfangjägers ist, muss die künftige Maschine nicht unbedingt hohen Anforderungen an die Tarnfähigkeit genügen:

    „Tarnkappenfähigkeiten sind für einen Abfangjäger weniger wichtig, verglichen mit einem Kampfjet für den Einsatz in unmittelbarer Frontnähe“, sagt der Fachmann.

    Als Abfangjäger für große Höhen dient bei den russischen Luft- und Weltraumstreitkräften gegenwärtig die MiG-31. Seit Anfang der Achtzigerjahre ist der zweistrahlige Kampfjet im Einsatz. Er wurde damals als erster russischer Düsenjäger der 4. Generation in die Nutzung eingeführt.

    Das war die Zeit, als die Amerikaner die Tomahawk-Rakete entwickelten, die selbst in sehr niedrigen Höhen dem Geländeverlauf folgen kann. Zudem verfügten die USA damals schon über luftgestützte Raketen mit atomaren Gefechtsköpfen, die im Angriffsfall von B-52-Bombern ins Zielgebiet gebracht werden sollen. Diese Waffen waren vor allem für den Norden und Osten der Sowjetunion eine Bedrohung, denn es war schwierig, die räumlichen Weiten dieser Gebiete durch Frühwarnradare lückenlos abzudecken. Auch Flugplätze für Abfangjäger konnten dort nicht in ausreichender Zahl gebaut werden.

    Was die sowjetische Luftwaffe brauchte, war ein Flugzeug, das große Entfernungen schnell zurücklegen und gegnerische Raketen respektive die Trägersysteme (Bomber) weit vor den sowjetischen Grenzen abwehren konnte. Es entstand die MiG-25 – ein bis zu 2.800 Stundenkilometer schneller Hochleistungsjet. Nur: Gegen die tieffliegenden Marschflugkörper der Amerikaner war die Maschine wirkungslos.

    Deshalb entwickelten Ingenieure auf der Basis der MIG-25 die MiG-31: äußerlich der MiG-25 zwar ähnlich, aber technisch deutlich weiter. Der Abfangjäger ist zweisitzig, damit ein Waffensystemoffizier die Zielbekämpfung komplett übernehmen kann. Die Zelle ist für mehr Stabilität bei steileren Anstellwinkeln verstärkt worden. Das leistungsstarke Radar ermöglicht die Zielortung auf 200 Kilometer. Zehn Ziele konnten zeitgleich verfolgt, vier Ziele parallel angegriffen werden. Die modernisierte Version dieses Radars schafft es, bis zu vierundzwanzig Ziele gleichzeitig zu verfolgen und acht weitere Zielobjekte zeitgleich zu bekämpfen.

    Besonders wichtig: Die MiG-31 erhielt neue Triebwerke. Auf zehn Kilometer steigt der Abfangjäger in weniger als acht Minuten, erst bei über zwanzig Kilometern ist die Dienstgipfelhöhe erreicht. Und die Maschine ist schnell: 3.000 Stundenkilometer – genug, um den amerikanischen Mach-3-Aufklärer SR-71 abwehren zu können.

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    Kampfjet, Abfangjäger, Russland, MiG-31