06:57 09 August 2020
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    Zwei Geländetrucks fahren mitten durch eine Eiswüste: Die Fahrerhäuser sind leer, aber die Lenkräder bewegen sich wie von Menschenhand gesteuert. 2500 Kilometer haben die Lastwagen auf diese Weise bisher zurückgelegt – nicht im Abenteuerroman und nicht im Silicon Valley, sondern auf einem vereisten Öl- und Gasförderfeld in Nordrussland.

    13 Regionen in Russland sind im März dieses Jahres zu einem Testfeld für autonomes Fahren geworden. Die Halbinsel Jamal gehört dazu. Dort erprobt der russische Lastwagenhersteller KAMAZ selbstfahrende Nutzufahrzeuge im Praxistest. Die Lastwagen werden von einem Autopiloten gesteuert, ohne menschlichen Eingriff.

    Dass ausgerechnet die Öl- und Gaslagerstätten des Nordens als Testfeld ausgesucht wurden, ist aus mehrerlei Hinsicht kein Zufall. Der wirtschaftliche Nutzen, den man sich aus dem Einsatz fahrerloser Fahrzeuge im rausten Klima des russischen Nordens erhofft, ist unschätzbar. Auf der Halbinsel Jamal leben auf einem Quadratkilometer statistisch gesehen ein bis zwei Menschen: Fachkräfte für die Öl- und Gasförderung (auch Lkw-Fahrer) müssen eigens eingeflogen werden. Aber für die Erprobung der Roboter-Trucks ist die dünne Besiedelung in der Region von Vorteil: Das Risiko von Unfällen mit weiteren Verkehrsteilnehmern ist minimal.

    Die autonomen Lastwagen von KAMAZ zeigen laut Augenzeugen alles, was sie digital draufhaben. Die Sensorik der Nutzfahrzeuge erkennt in Sekundenbruchteilen Hindernisse auf dem Weg, die Computer errechnen mögliche Ausweichrouten mit Berücksichtigung der aktuellen Straßenlage, tauschen Informationen über Datenlinks aus und folgen vorgegebenen Routen mit höchster Präzision – mitten durch die Tundra, auf dem verschneiten Öl- und Gasfeld. Ein Leitzentrum behält stets die Kontrolle über das Experiment. Auch folgt den beiden Trucks ein Mannschaftswagen mit einem Team von Technikern überall hin. Sicher ist sicher.

    Etwas weiter südlich, mitten in Sibirien, in der Region Jugra (Autonomer Kreis der Chanten und Mansen) läuft bald schon die zweite Runde der Testreihe mit selbstfahrenden Lastwagen an. Im ersten Dauertest hat ein autonomes Fahrzeug eine Strecke von insgesamt 90 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern zurückgelegt. Sobald der Hersteller die dabei gewonnenen Erkenntnisse in die Weiterentwicklung des Fahrzeugs einbezogen hat, beginnen weitere Tests.

    Der größte Vorteil von selbstfahrenden Lastwagen ist ihre nahezu uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit: Die Robo-Trucks müssen keine Ruhezeiten einhalten, sind rund um die Uhr einsetzbar und dabei um 50 Prozent sicherer und um bis zu 15 Prozent günstiger im Betrieb als bemannte Fahrzeuge. Das Experiment auf dem russischen Testfeld für autonomes Fahren soll bis März 2022 fortlaufen. Die Ergebnisse der Testreihe sollen helfen, Fristen für die Zulassung autonomer Fahrzeuge für den Einsatz auf öffentlichen Straßen festzulegen.

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    Drohne, Kamaz, Tundra