05:33 15 August 2020
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    Schon seit Jahren läuft eine Kontroverse um das Schweizer Atomkraftwerk Beznau I. Es gilt als eines der ältesten Kraftwerke weltweit und befindet sich immer noch in Betrieb. Immer wieder wird die Sicherheit des AKWs hinterfragt. Nun entflammt die Diskussion erneut: Nachdem eine Studie für fehlerhaft erklärt wurde, wehren sich deren Autoren.

    Die Schweizer Zeitschrift „Tages-Anzeiger“ veröffentlichte am letzten Donnerstag einen Artikel über eine noch unveröffentlichte Replik des deutschen Öko-Instituts. Das Öko-Institut hatte 2018 nämlich eine Studie veröffentlicht, welche später die Schweizer Atomaufsichtsbehörde (Ensi) als fehlerhaft bezeichnete. In der Replik soll also das Öko-Institut auf die Stellungnahme der Ensi reagieren, welche im Mai dieses Jahres veröffentlicht wurde.

    Sicherheit von Beznau I

    Inhaltlich untersuchte die Studie die Sicherheit des vom Stromkonzern Axpo betriebenen Kernkraftwerks Beznau I. Die Sorge kam erstmals 2015 auf, als im Reaktordruckbehälter Materialfehler entdeckt wurden – Einschlüsse aus Aluminiumoxid. Daraufhin musste die Axpo eine Replika bauen lassen, da sie keine ausreichend repräsentativen Materialproben hatten. Drei Jahre stand Beznau I still, um schließlich 2018 wieder ans Netz zu gehen.

    So solle das Ensi zusammen mit einem internationalen Expertengremium den Nachweis erbracht haben, dass die Sicherheit des Kraftwerks nicht mehr beeinträchtigt wäre. Dies werde von Atomgegnern bis heute angezweifelt, schreibt der „Tages-Anzeiger“. Auch das deutsche Öko-Institut kritisiere das Ensi. So hat das Ensi viele Aussagen der Studie von 2018 „aus dem Zusammenhang gerissen und verallgemeinert“, laut dem Öko-Institut.

    Öko-Institut sieht Fehler ein

    Auch wenn es nun für die breite Öffentlichkeit schwierig ist zu bestimmen, wer Recht hat, so räume das Öko-Institut seine Fehler ein: Es gebe beispielsweise keine Magnesiumsulfit-Einschlüsse im Reaktordruckbehälter, wie es in der Studie geschrieben stand. Das Ensi hätte auf den Fehler hingewiesen und aufgrund dessen die gesamte Studie dementiert. Wortwörtlich: Die Studie eigne sich in „keiner Weise“ dafür Beznau in puncto Sicherheit zu beurteilen, unter anderem aufgrund dieses Fehlers.

    Dieser Punkt sei jedoch nicht der entscheidende, meint das deutsche Öko-Institut. Was den deutschen Experten mehr Sorgen bereitet, ist das Ergebnis zum Materialverhalten mit Aluminium-Einschlüssen auf den Reaktordruckbehälter der Replika. Im Grunde also, ob ein Sicherheitsnachweis generell seriös anzunehmen ist. 

    Das Ensi jedoch reagiere bisher nicht auf die Replik des Öko-Instituts. Der „Tages-Anzeiger“ habe laut einer Anfrage vom Ensi entgegnet bekommen: „Das Ensi habe genügend Informationen zugänglich gemacht, damit der Sicherheitsnachweis der Axpo nachvollzogen werden kann.“ Eine Veröffentlichung der gesamten Unterlagen würde jedoch mit einem Verstoß gegen das nationale und internationale Recht einhergehen. Weswegen sie die Kritik der deutschen Experten nicht für haltbar sehen, hätten sie bereits „umfassend dargestellt“.

    Beznau ab 2030 vom Netz

    Grundsätzlich besteht in der Schweiz schon seit der Atomkraftwerkkatastrophe von Fukushima 2011 das Bedürfnis, aus dem Atomstrom auszusteigen. Im Dezember 2019 wurde das erste Schweizer Kernkraftwerk Mühleberg vom Netz geschaltet. Innerhalb der nächsten Jahre sollen die restlichen vier (Beznau I und II, Gösgen, Leibstadt) ebenfalls stillgelegt werden. Beznau I und II sollen beide um 2030 ebenfalls vom Netz gehen, berichtete die Axpo. 15 Jahre später soll der gesamte Rückbau abgeschlossen sein und die Halbinsel, auf der sich momentan die Atomkraftwerke befinden, zu einer grünen Wiese umgewandelt werden.

    lm

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    Tags:
    Schweiz, Atomstrom, Energie, Atomkraftwerk Beznau, AKW