03:54 04 August 2020
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    Der legendäre T-34 hatte Pionierarbeit geleistet: Der Kriegsheld hatte die Grundlage geschaffen für alle weiteren Panzer der sowjetischen und später russischen Streitkräfte. Seither richten sich russische Konstrukteure bei der Neuentwicklung von Kampfpanzern an vier Grundsätzen aus: Schlagkraft, Schutz, Schnelligkeit und Schlichtheit.

    Ob der T-54 von 1947 oder der T-90 von 1992 – eines haben alle russischen Kampfpanzer gemeinsam: Verglichen mit der Größe und dem Gewicht der Nato-Panzer sind sie nur Mittelmaß. Dennoch waren und sind russische Panzer den westlichen Modellen in der Kategorie Waffe und Schutz auf Dauer voraus, schreibt das Portal „Popular Mechanics“.

    T-64

    Ist der T-34 der Urahn aller russischen Panzer, dann ist der T-64 deren Vater. 1967 stellten die sowjetischen Streitkräfte den T-64 in Dienst – ein seiner Zeit weit vorausfahrendes Kampfgefährt. Doch wie jede revolutionäre Entwicklung, hatte auch dieser KPz eine Fülle an Problemen, die sich erst in der Praxis bemerkbar machten.

    T-64 der ukrainischen Armee (Archivbild)
    © Sputnik / Stringer
    T-64 der ukrainischen Armee (Archivbild)

    Das größte: der Fünf-Zylinder-Zweitakt-Dieselmotor 5TDF. Sowjetische Geheimdienste sollen die Baupläne des Motors entwendet haben. Denn der britische „Chieftain“ würde, wie westliche Zeitungen damals schrieben, von einem ähnlichen, wenn nicht vom gleichen Motor angetrieben.

    Große Probleme machte auch der – erstmalig in einem Panzer verwendete – Ladeautomat. Zwar konnte im T-64 dank der Automatik auf das vierte Besatzungsmitglied verzichtet werden, aber die Verlässlichkeit der hochkomplexen Mechanik ließ zu wünschen übrig.

    Vorteile hatte der T-64 jedoch auch zu genüge. Zuvorderst: die 125-mm-Glattrohrkanone, das für die damaligen Verhältnisse optimale Feuerleitsystem und das grundsätzlich neukonstruierte Fahrwerk. Eine Besonderheit der Hauptwaffe war die Befähigung zum Verschießen von Lenkraketen durch das Geschützrohr.

    Für eine lange und erfolgreiche Armeekarriere reichten die technischen Vorzüge am Ende aber doch nicht: Die Armee beschwerte sich laufend über den T-64; die zahlreichen Defekte zu beheben, hätte zu viel Zeit in Anspruch genommen, weshalb die Panzerbauer von UVZ in Nischni Tagil sich an die Arbeit an einer Neuversion des T-64 machten. Es entstand der T-72.

    T-72

    Der T-72 ist ein weiteres Urgestein des russischen Panzerbaus nach dem T-34. Die Konstrukteure hatten eigentlich an der Behebung der schweren Probleme des Vorgängers gearbeitet, entwickelten aber letztlich einen im Grunde neuen Kampfpanzer. „Ein günstiges Kampffahrzeug mit beeindruckenden Fähigkeiten“, urteilten westliche Experten bei der Einführung des T-72.

    Die Hauptwaffe, den Turm und die Wanne übernahm der T-72 vom Vorgänger. Das Trieb- und Fahrwerk wurden jedoch neuentwickelt. Statt des launischen 5TDF erhielt der neue Panzer einen Zwölf-Zylinder-Vielstoffmotor. Im Turm wurde ein neukonstruierter Ladeautomat verbaut, die Munition wurde in Kassetten verladen – dies zusammen ermöglichte eine Kadenz von bis zu zehn Schuss pro Minute.

    T-72 auf dem Übungsgelände im Gebiet Moskau
    © Sputnik / Jewgeni Odinokow
    T-72 auf dem Übungsgelände im Gebiet Moskau

    Im Unterschied zu seinem Vorgänger T-64 löste der T-72 auf Anhieb großes Interesse bei ausländischen Kunden aus. Der sowjetische KPz wurde in vierzehn Länder exportiert und in vier weiteren Ländern in Lizenz gefertigt. Auch zuhause war dem neuen Panzer Erfolg beschieden: Die Sowjetsoldaten lobten das Kampfgefährt für die schlichte Konstruktion, die Zuverlässigkeit, die gute Mobilität und hohe Schlagkraft – ein ebenbürtiger Nachfahre des T-34.

    Die genannten Qualitäten bescheinigte dem sowjetischen Kampfgerät auch die israelische Panzertruppe, die dem T-72 in einigen lokalen Konflikten auf dem Schlachtfeld begegnet war. Nur aus dem Nato-Lager kam Kritik am Kampfpanzer der Sowjets: Der amerikanische Abrams sei dem T-72 um Längen überlegen, wie sich bei Kämpfen in Irak gezeigt hätte.

    Tatsächlich hatten die Amerikaner in der irakischen Wüste hauptsächlich gegen den veralteten T-55 aus der UdSSR oder den chinesischen Typ 69 gekämpft. Wirklich gefährlich wurden dem T-72 in Irak nicht die amerikanischen Panzer, sondern die amerikanischen Kampfhubschrauber Apache. Die irakische Exportversion des T-72 war schließlich eine vereinfachte Ausführung im Vergleich zu den T-72-Modellen der sowjetischen Armee.

    T-80

    Die nächste Fortschrittsetappe im sowjetischen Panzerbau begann 1976 mit der Einführung des T-80. Die Hauptwaffe des neuen KPz sollte im Vergleich zum Vorgänger unverändert bleiben. Nur der Motor und das Fahrwerk bedurften einer Weiter- bzw. Neuentwicklung. Doch auch diesmal gelang den Konstrukteuren ein völlig neuer Kampfpanzer.

    Panzer T-80
    © Sputnik / Dmitrij Korobejnikow
    Panzer T-80

    Die Entwickler entschieden sich für eine Gasturbine als Triebwerk, was manche Fachleute heute noch als Fehlentscheidung kritisieren. Aber bei dieser Wahl hatten die Konstrukteure einen Punkt für sich: Eine Gasturbine ist, gemessen an einem Dieselmotor, kompakter, aber stärker und drehfreudiger mit sehr positiven Auswirkungen auf die Agilität des Kampffahrzeugs. Die Turbine startet schneller und leichter bei niedrigen Temperaturen, erfordert keine Wasserkühlung und läuft mit unterschiedlichsten Treibstoffarten.

    Nachteilig sind die Kosten, der höhere Treibstoffverbrauch und das Erfordernis einer hohen Luftreinheit für die Brennkammer. Den Praxiswert des russischen Panzers beeinträchtigen diese Nachteile allerdings wenig, wie die zahlreichen Einsätze des T-80 gezeigt haben. Und: Für die Streitkräfte, die sich auf die Gasturbine als Antrieb nicht einlassen wollen, existiert seit der Mitte der Achtzigerjahre der T-80UD – derselbe Kampfpanzer, allerdings mit konventionellem Dieselmotor. Die derzeit leistungsfähigste T-80-Version ist der T-80BWM mit neuem Feuerleitsystem, neuer Gasturbine und erweitertem Kampfsatz.

    T-90

    Nächster Entwicklungsschritt in der russischen Panzerevolution: ein Kampfpanzer mit dem Fahrwerk und der Hauptwaffe des T-72, aber mit stärkerem Motor, höherem Schutz und automatischem Feuerleitsystem – der T-90.

    Russischer Panzer vom Typ T-90
    © Sputnik / Ramil Sitdikov
    Russischer Panzer vom Typ T-90

    Das Schutzniveau des neuen Kampfpanzers ist im Vergleich zu den ersten Ausführungen des T-72 nach Expertenmeinung um das Dreifache gesteigert worden, unter anderem durch den Einsatz eines optronischen Schutzschirms der Marke „Schtora“. Der gesamte Einsatzwert des T-90 ist eineinhalb Mal höher als beim T-72.

    Das Verteidigungsministerium Indiens weiß schließlich, was es an dem neuen russischen Panzer hat. Die indischen Streitkräfte wussten schon den T-72 zu schätzen – erst recht schätzen sie den T-90. Einige Panzer dieses Typs sind im Syrien-Konflikt eingesetzt worden und haben gezeigt, dass sie auch unter schwierigen klimatischen Bedingungen zuverlässig und im anspruchsvollen Kampfumfeld ebenso sicher wie wirkungsvoll bleiben.

    Der T-90 zeigt außerdem, dass die russischen Panzerbauer mehr geleistet haben als nur einen guten Kampfpanzer zu entwickeln. Sie haben in den Wirren und Umbrüchen, die Russland vor gut drei Jahrzehnten durchmachte, Kompetenzen erhalten und ausgebaut – soweit, dass sie als erste einen Kampfpanzer der 4. Generation haben entwickeln können. Der T-14 Armata reiht sich ein in die Riege der Nachkommen des ehrwürdigen T-34. 

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    Russland, Panzer T-64, T-80, Panzer T-90M, Panzer T-72