12:11 29 September 2020
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    Schon mehr als einen Monat ist die SwissCovid-App zugänglich für die breite Bevölkerung. Das Zwischenfazit sieht jedoch eher trübe aus: Nur die wenigsten positiv-Getesteten erhalten schnell genug, geschweige denn überhaupt einen Zahlen-Code zum Eingeben. Wie nützlich waren die Corona Apps in den letzten Wochen und wie kann man sie optimieren?

    Schon seit fast zwei Monaten ist die Schweizer Contact-Tracing-App für die Bevölkerung verfügbar. In der verstrichenen Zeit wurde nun eine Zwischenbilanz gezogen, anhand von Zahlen, die das Bundesamt für Gesundheit (BAG) publiziert hat. So sollen vom 25. Juni bis 8. August insgesamt 5168 Neuinfizierte positiv getestet worden sein. Von diesen wurden 752 Nummern-Codes generiert, die man in die SwissCovid-App hätte einlesen können, um anhand der Contact-Tracing-Technologie Infektionsketten zurückzuverfolgen. Der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ) zufolge sind jedoch nur 487 dieser generierten Codes an die jeweiligen App-Nutzer zugestellt worden.

    Aktive Nutzer bei 14 Prozent

    Soweit wurden dementsprechend mittlerweile nur elf Prozent aller positiv-getesteten Menschen in der App gemeldet. Ende Juli umfasste der Höchstwert 14 Prozent aller Neuinfizierten, doch dieser sinkt seit August erneut. Dies entspreche natürlich nicht der Hoffnung des Epidemiologen Marcel Salathé von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (ETH). Der NZZ sagte er dazu: „Aus epidemiologischer Sicht würden wir uns wünschen, dass diese Zahl viel höher ist – jeder eingegebene Covid-Code hat das Potenzial, Übertragungsketten zu unterbrechen.“

    Zwar hat ein Viertel der Bevölkerung die App auf ihrem Smartphone installiert – aktiv genutzt werde sie jedoch nur von ungefähr 14 Prozent. Um die App zu nutzen, müsse man nämlich die Bluetooth-Funktion zu jeder Zeit aktiviert haben. Außerdem spekuliert die NZZ, dass einige Nutzer die App erst herunterladen würden, um sie anschließend zu löschen. Schließlich wäre das der Kern: Solange die Zahl der aktiven Nutzer der App stagniere, bringe es auch nichts, dass die Downloads steigen würden.

    Zu langsame Codes

    Die sei jedoch nicht das größte Problem: Wie bereits beschrieben, wurden 752 zwölf-stellige Codes erstellt und nur 487 zugestellt. Weswegen entsteht jedoch die Diskrepanz zwischen Generierung und Zustellung? Nutzer der SwissCovid-App sollten einen Code per SMS oder E-Mail erhalten und hätten dann 24 Stunden Zeit, um ihn in der App einzulösen. Dabei scheitert es meistens jedoch nicht an den Nutzern: Der Prozess der Zustellung verzögere sich nämlich oftmals um mehrere Tage oder gar Wochen.

    In mehreren behördlichen Stellen könne es dabei zu Verspätungen kommen: So hätten die Labore und Mediziner insgesamt zwei Stunden Zeit, um den Vorfall beim kantonsärztlichen Dienst zu melden. Dieser wiederum müsste beim behandelnden Arzt die Daten erfragen, im Falle einer Falschangabe der Testperson. Auch bei den Kantonen käme es öfter vor, dass sich diese bei Erstellung der Codes Zeit lassen würden. Zuletzt könnte es auch an der an Covid-19-erkrankten Person scheitern, falls diese den Code nicht rechtzeitig in der App eingebe. Somit liege es dann erneut an der Person, einen weiteren Code zu beantragen.

    Schnellere Lösungen

    Gerade in Hinsicht darauf, dass viele Infektionen schon vor dem Anbeginn der Symptome erfolgen und die ersten Tage mit Symptomen die ansteckendsten sind, bringe die App Zweifel auf. Auch Salathé sehe die zu spät vergebenen Codes als besorgniserregend an. „Wir müssen herausfinden, was vor sich geht. Der Prozess ist nicht schwer. Es handelt sich lediglich um einen Code, der einfach und unmittelbar nach einem positiven Test generiert werden kann“, so Salathé zur NZZ. Um den Prozess der Vergabe jener Codes zu beschleunigen, schlägt der Epidemiologe vor, die Codes direkt mit dem Testergebnis zu überreichen.

    Deutsche Corona-App im Vergleich

    Auch die deutsche Corona-Warn-App befindet sich schon über einen Monat im Gebrauch. Von dieser habe man nach einem Monat – am 17. Juli – ebenfalls eine Zwischenbilanz gezogen. So lautete es Mitte Juli noch, dass die App bereits auf 16 Millionen Geräten installiert worden sei. Das Robert-Koch-Institut (RKI) sei deutlich zufriedener mit der App, als die Schweizer Behörden. Auch wenn es nach der kurzen Laufzeit noch schwer einzuschätzen wäre, wie nützlich die Smartphone-App für die Rückverfolgung von Infektionsketten sei, rede man von einem erfolgreichen Launch. Zur Tagesschau sagten die Entwickler gar: „Wir waren der erfolgreichste Launch im deutschen App-Store, den es jemals gegeben hat.“

    Doch auch die deutsche Corona-App habe viel Kritik abgekriegt – wegen ähnlichen Gründen, wie die Schweizer App. Auch hier gebe es einen langen Prozess, um schließlich an einen Code zu gelangen, da nicht genug Testlabore und Gesundheitsämter digital eingebunden seien. Linus Neumann, Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC) sehe die App schlichtweg als „zu modern für Deutschland“ an. Denn immer noch viele Nutzer werden durch postalische Wege über ihr Testergebnis benachrichtigt und müssten dann den Code telefonisch erfragen. Auch hier würde viel Zeit verloren gehen, bevor die Leute eine Benachrichtigung von ihrer App bekämen.

    Das Fazit zur deutschen Corona-Warn-App von der Nachrichtenseite „heise“ lautete vor einem Monat entsprechend: „Trotz des proklamierten Erfolgs vonseiten des RKI, der Entwickler und von Gesundheitsminister Spahn müssen also noch viel mehr potenzieller Nutzer dafür gewonnen werden, die App zu installieren und auch wirklich aktiv zu nutzen. Und auch die vom Chaos Computer Club angemahnten Schwachstellen in der Infrastruktur bei Laboren und Gesundheitsämtern sollten schnellstens behoben werden.“

    lm/gs

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    Tags:
    Medizin, Technik, Coronavirus, Corona-Warn-App