02:19 27 November 2020
SNA Radio
    Technik
    Zum Kurzlink
    Von
    612213
    Abonnieren

    Es ist Tag drei der russischen Rüstungsmesse „Army 2020“. Den Besuchern läuft die Zeit davon, denn es gibt dieses Jahr viel zu sehen auf dem Messe- und Ausstellungsgelände Patriot-Park westlich von Moskau: Mehr als 70 Neuheiten aus dem Bereich Rüstung und Verteidigung sind dort bis 29. August ausgestellt. Die spannendsten zeigen wir hier.

    Das Stärkste sieht man gleich am Eingang zu den Ausstellungshallen. Dort stehen sie: der Panzer „Armata“, das Kampfunterstützungsfahrzeug BMPT, der Schützenpanzer „Kurganez-25“ und der Truppentransporter „Bumerang“. Äußerlich haben sich die vier im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert – dafür sind die Modifikationen am T-15 umso augenfälliger: Der schwere Schützenpanzer verfügt nunmehr über das Kampfmodul „Kinschal“ mit einem 57-Millimeter-Geschütz. Dieses „Kanönchen“ unterstützt die Infanterie bei Bedarf mit einer Kadenz von bis zu 80 Schuss pro Minute zur Bekämpfung von Hartzielen im Landgefecht oder von Luftzielen wie Kampfhubschraubern und Jagdbombern in Höhen von bis zu acht Kilometern. Zuvor wurde der T-15 mit dem Kampfturm „Baikal“ der älteren Systemgeneration präsentiert.

    Vom „Armata“ sind übrigens gleich drei Exemplare auf der „Army 2020“ zu sehen. Am Eingang die Nummer 1; die Nummer 2 steht beim Hersteller UVZ; die Nummer 3 auf dem Themenstand „100 Jahre Panzerbau“. Dort ist der T-14 der jüngste an der Seite seiner Urahnen: dem Leichtpanzer MS-1 aus den 1920er Jahren und dem Kriegshelden T-34-85.

    Weiter geht es mit dem Großgerät. Erstmals öffentlich zu sehen sind die Panzer-Upgrades T-80BWM und T-90M. Der 90er hat einen neuen Turm mit Mehrlagenpanzerung und einem außerhalb des Mannschaftsraums untergebrachten Kampfsatz, dazu eine 125-Millimeter-Kanone wie beim „Armata“, das hochgradig automatisierte Feuerleitsystem „Kalina“, eine Schott- und die Reaktivpanzerung „Relikt“. Der 80er verfügt in der neuesten Version über das Multikanalvisier „Sosna-U“, ein modernisiertes 125-Millimeter-Geschütz und eine überarbeitete Gasturbine als Triebwerk. Die Modernisierung habe den Kampfwert des bewährten Panzers nochmal gesteigert, versichert der Hersteller.

    Buggys, Drohnen und Gewehre

    Gleich mehrere Unikate sind auf der diesjährigen „Army“ zu sehen. Darunter eine Neuversion des Mehrzweckfahrzeugs „Tiger“: ein Pickup mit Maschinenkanonen – oder „Gun Truck“, wie man sie heute nennt. Ausgelegt ist das Fahrzeug als Buggy mit Halterungen für leichte bis mittelschwere Feuerwaffen. Je nach Kundenwunsch kann der „Tiger“ mit einem 215- oder 300-PS-starken Dieselmotor ausgerüstet werden, dazu ein mechanisches oder automatisches Schaltgetriebe.

    „Das Fahrzeug baut auf Erfahrungen in Syrien auf“, erklärt ein Herstellersprecher.

    „Es ist perfekt auf die Anforderungen von Spezialkräften zugeschnitten: Aufklärung, Nachrichtengewinnung, Sturmeinsätze. Fünf Maschinengewehre, davon ein schweres, sind als Bewaffnung möglich. 4500 Schuss Munition sind an Bord. Dazu zwei Flugabwehrsysteme ‚Igla‘ und drei Granatwerfer RPG-26.“

    Ein Exot auf der Ausstellung ist das Amphibienfahrzeug „Drosd“ („Drossel“): zu Wasser bis zu 70 km/h schnell, zu Lande bis zu 30 km/h schneller. Die Räder sind einziehbar, der Rumpf bzw. die Karosserie ist aus Verbundwerkstoffen gefertigt, das Gesamtgewicht liegt bei zwei Tonnen. Der Aufbau ist modular und damit multifunktional ausgelegt. Möglich sind Versionen für Spezialkräfte, für die Marineinfanterie, die Küstenwache und viele andere mehr.

    „Diese ‚Drossel‘ fährt bei einem Seegang der Stärke drei noch mit Höchsttempo auf dem Wasser“, erklärt der Chefkonstrukteur Sergej Tereschenkow.

    „Wird es stürmischer, geht es entsprechend langsamer. Wir haben stark auf die Durchhaltefähigkeit des Fahrzeugs geachtet. Selbst bei starken Schäden bleibt die ‚Drossel‘ noch schwimmfähig.“

    Dieses Jahr bestimmt eine Vielzahl an Drohnen die Ausstellungsstände auf der russischen Rüstungsmesse. Zwei Riesen fallen unter ihresgleichen besonders auf: die „Orion“ und die „Helios“ mit 16 respektive 20 Metern Spannweite.

    „Die ‚Orion‘ ist eine Kampf- und Aufklärungsdrohne mit 300 Kilometern Aktionsradius. Bei einem Tempo von 200 km/h kann das UAV bis zu 24 Stunden lang in der Luft patrouillieren. Die maximale Waffenzuladung beträgt 250 Kilogramm, bestehend aus Lenkbomben und Lenkraketen“, erklärt der Chefentwickler Maxim Gordaschewski.

    „Die ‚Orion‘ hat alle Tests bestanden und wartet auf das baldige Onboarding bei der Truppe. Anders die ‚Helios‘ – die existiert bislang nur als Mockup. Diese Drohne ist auf Zielerfassung spezialisiert. Sie kann bis zu 30 Stunden lang in der Luft bleiben und das Lagebild an andere Flugzeuge, Fahrzeuge oder an Gefechtsstände übermitteln.“

    Eine der wichtigsten Neuerungen auf der „Army 2020“ ist das Artillerieraketensystem „Hermes“. Bewaffnet mit Lenkwaffen, bekämpft es mobile und stationäre gepanzerte Ziele auf bis zu 100 Kilometer Entfernung wie im Einzelschuss so auch in Salven. Das System wird derzeit erprobt.

    Neueinführungen sind auf der „Army 2020“ auch in der Kategorie „Handfeuerwaffen und Maschinengewehre“ zu verzeichnen. Der Kalaschnikow-Konzern hat gleich zwei Neuheiten ausgestellt. Eine davon ist das Sturmgewehr AK-19, eine Abwandlung der AK-12 der russischen Streitkräfte für die Nato-Patrone im Kaliber 5,56 х 45. Dass sich ausländische Besucher zahlreich um die AK-19 versammelt haben, deutet auf hervorragende Exportaussichten dieses Sturmgewehrs hin.

    Die zweite Neuheit ist das mittelschwere Maschinengewehr RPL-20, das erste russische Maschinengewehr im Kaliber 5,45 mit Gurtzuführung, erklärt ein Sprecher des Herstellers. Maschinengewehre dieser Bauart sind beispielsweise für Sperrfeuer bestens geeignet – eine unersetzliche Fähigkeit in heutigen Kampfeinsätzen. Dazu kann das Gewehr mit optronischen Zielvorrichtungen, einem Reflexvisier oder einem Laseraufsatz ausgerüstet werden. Es ist ein guter Nachfolger für das derzeit aktive RPK-74 der russischen Armee, falls sich das russische Verteidigungsministerium dafür interessiert.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    „Reichstagssturm 2.0“ - Jetzt spricht Elijah Tee zu den Vorwürfen
    „Überraschung für Russen“: USA verlegen Raketenwerfer von Ramstein ans Schwarze Meer
    Deutsch-russische Wasserstoffkooperation beschlossen
    Russland kostengünstig in die Knie zwingen – Strategien der US-Denkfabrik „Rand Corporation“
    Tags:
    Waffen, Rüstungsmesse, Technik