08:47 30 September 2020
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    Bei der Rüstungsmesse „Army 2020“ hat Russland den neuesten Kampfpanzer Т-14 „Armata“ im unbemannten Betrieb präsentiert. Das britische Verteidigungsministerium spielt dagegen laut Medienberichten mit dem Gedanken, auf die Panzer als solche ganz zu verzichten. Wie sieht der Militärexperte Wiktor Litowkin die Zukunft der Kampfpanzer?

    „In den Kriegen, die Briten unter der Schirmherrschaft der USA führen, wenn diese Panzer einsetzen, während Großbritannien nur mit dabei ist, braucht es logischerweise keine Panzer“, sagte er im Sputnik-Interview. „Auf den Inseln erst recht nicht. Wozu auch? Dabei bleiben die Panzer auf größeren Flächen, wo es viel Bewegungsfreiheit gibt, nach wie vor die Stoßkraft der Landtruppen.“

    Allerdings meint Litowkin, dass die Panzer Betreuung durch Drohnen und Hubschrauber brauchen, die das ganze Schlachtfeld überblicken und das Panzerteam informieren können, woher ihm eine Gefahr droht, oder ihm die bevorzugte Angriffsrichtung angeben. „Darüber hinaus gibt es gepanzerte Hilfsfahrzeuge, die eine sehr gute Übersicht haben und die Panzer unterstützen können. Sie sind auch extra dafür ausgelegt. Ferner müssen die Panzer gemeinsam mit motorisierten Schützentruppen vorrücken. Also stellen die Panzer eine durchaus kampfstarke Waffe dar, falls sie komplex eingesetzt werden, nämlich mit Deckung und Unterstützung.“

    Der Experte erinnert daran, dass die Palästinenser Israel zunächst nicht beikommen konnten, als es in Gaza seine Panzer gedeckt durch Hubschrauber einsetzte, dann aber die Israelis diese Deckung aufgaben. „2007, als sie einen Krieg im Libanon führten, knackte dann die Hisbollah gut 40 israelische Panzer vom Typ ,Merkava‘.“

    Warum wollen die Briten auf Panzer verzichten?

    Eigentlich ist vorläufig von einem kompletten Verzicht der Briten auf Panzer als Waffengattung nicht die Rede. Nach Angaben der „The Times“ überlegt die Regierung lediglich, ob es sich lohnt, in die Modernisierung der veralteten Panzer „Challenger 2“ und die Schützenpanzer „Warrior“ zu investieren. Alles in allem befinden sich im Gebrauch der britischen Streitkräfte rund 500 Exemplare dieser Panzertechnik.

    Im Verteidigungsministerium meinen einige, das für ihre Modernisierung erforderliche Geld sollte man lieber für den Ausbau der Weltraum- und Cyberwaffen verwenden, die im 21. Jahrhundert definitiv an Bedeutung gewinnen.

    „Es ist durchaus möglich, dass die Diskussion darin einmündet“, vermutet der Militärkolumnist von Gazeta.ru, Michail Chodarjonok, „dass man eventuell auf eigene Entwicklungen auf diesem Gebiet verzichtet. ‚Challenger 2‛ ist nicht gerade am besten geraten. Er weist eine Menge an Atavismen und Nachteilen auf. Es ist durchaus möglich, dass die Briten sich dem französisch-deutschen Vorhaben zur Entwicklung einer Kampfmaschine der Zukunft anschließen.“

    Großbritannien ist die Heimat der Panzer. Die Briten waren es, die 1916 in der Schlacht an der Somme gegen die deutschen Truppen als Erste Panzer einsetzten. Allerdings konnten die Briten weder damals noch während des Zweiten Weltkrieges große Erfolge beim Panzerbau erzielen. Auch zurzeit sind ihre Kampfpanzer alles andere als die weltbesten.

    Т-14 „Armata“ im unbemannten Betrieb erfolgreich getestet

    Russland will dagegen die Panzer nicht nur behalten, sondern entwickelt diese Waffe intensiv. So wurde im Sommer verlautbart, dass der Т-14 „Armata“ im unbemannten Betrieb erfolgreich getestet worden sei. Und während der Rüstungsmesse „Army 2020“ erklärte ein Sprecher des Schwerindustriekonzerns "Uralwagonsawod", der „Armata“ produziert, die Entstehung eines robotisierten Kampfpanzers sei in greifbare Nähe gerückt.

    Der Chefredakteur der Zeitschrift „Arsenal des Vaterlands“, Wiktor Murachowski, bezweifelt allerdings, dass in Russland in einem oder zwei Jahren ein völlig autonomer Panzer entsteht, der von Künstlicher Intelligenz gesteuert wird. „Erstens geht es im Falle des Panzers 'Armata' nicht um autonomen Betrieb, sondern um Fernsteuerung. Solche Fahrzeuge besitzt Russland bereits, etwa das unbemannte Gefechtsaufklärungssystem ‚Uran-9‛ und der Kampfroboter ‚Nerechta‛. Diese Fahrzeuge wurden bereits beim Einsatz in Syrien getestet. Es liegen Projekte zur Umwandlung der noch zu Sowjetzeiten gebauten Panzer Т-72 in unbemannte Maschinen vor, die vor den Formationen der bemannten Panzer operieren sollen, indem sie das gegnerische Feuerleitsystem aufdecken, die pioniertechnischen Sperren überwinden — d. h. den Gegner zwingen, sein Feuersystem und seine Truppen bloßzulegen. Das ist gewissermaßen die moderne Version der gewaltsamen Aufklärung.“

    Man meint allgemein, der beste Schutz der Besatzung eines Kampffahrzeugs sei ihre Abwesenheit an Bord. Dieses Herangehen erlaubt es, Platz für zusätzlichen Munitionssatz und Treibstoff zu gewinnen, was die Reichweite und die Kampfqualitäten des Fahrzeugs um die Hälfte verbessert, versichern die Hersteller von „Armata“.

    „Im Kampfraum dieses Panzers befindet sich das computerisierte System, das ihn steuert“, so Litowkin. „Jedenfalls funktioniert der unbemannte Panzer nicht von allein. Er wird von einem Menschen fernbedient, der ihn über Optik, Ortungsgeräte, Infrarotvisier lenkt und das Schlachtfeld beobachtet, indem er auch Daten von Drohnen auswertet. All das bekommt der Kommandant auf seinen Tablet-Computer geladen. Dagegen ist das Gerede von der Künstlichen Intelligenz etwas für Laien, da sie in Wirklichkeit nicht existiert. Es gibt eine Programmausstattung, nach der sich der Roboter richtet. Er steht aber immer unter der Kontrolle des Menschen, der jederzeit eingreifen kann. Jedes robotisierte Waffensystem wird stets von Menschen überwacht.“

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    Tags:
    Panzer Challenger 2, Kampfpanzer Merkava MK IV, Panzer T-14 Armata