08:26 23 Oktober 2020
SNA Radio
    Technik
    Zum Kurzlink
    162037
    Abonnieren

    Die alten Transporthubschrauber der Bundeswehr werden offenbar noch länger im Dienst bleiben müssen als geplant. Denn das Bundesverteidigungsministerium hat das Vergabeverfahren für den Kauf eines Nachfolgers überraschend aufgehoben. Boeing und Sikorsky hatten Vorschläge eingereicht, aber deren Kosten fallen aus dem Rahmen.

    Man habe erkannt, dass die Beschaffung neuer schwerer Transporthubschrauber für die Bundeswehr „im geplanten Finanzrahmen bei gleichzeitiger Erfüllung aller Forderungen unwahrscheinlich“ sei. Mit dieser Erklärung informiert das Bundesministerium der Verteidigung am 29. September 2020 über die Aufhebung des Vergabeverfahrens im Projekt „Schwerer Transporthubschrauber“ (STH).

    Gegenwärtig setzt die Bundeswehr bei großen Transporteinsätzen im In- und Ausland auf die Sikorsky CH-53G. Diesen schweren Helikopter nutzen Bundeswehrsoldaten bei kritischen Missionen in Afghanistan und Afrika. In Deutschland kamen die Hubschrauber bei schweren Naturereignissen und Waldbränden zum Einsatz. Allerdings wird dieses System nach offiziellen Angaben im Jahr 2030 das Ende seiner Nutzungsdauer erreicht haben.

    Damit mit der Ausmusterung der CH-53G bei der Bundeswehr keine Fähigkeitslücke entsteht, beschloss Ende 2017 der damalige Generalinspekteur, die alternde Maschine zu ersetzen. Hierfür wurde, wie das Verteidigungsministerium erklärt, „frühzeitig“ eine Ausschreibung eingeleitet. Im Juni 2019 wurden Anbieter aufgefordert, Angebote für das STH-Programm abzugeben.

    Boeing und Sikorsky bewarben sich um den Milliardenauftrag mit der CH-47F „Chinook“ respektive CH-53K „King Stallion“. Mehreren Medien zufolge übertrafen die Angebote aus den USA die Kostenerwartungen der Bundeswehr fast um das Doppelte. Im März 2019 wurde berichtet, die Bundesregierung habe bei einem Bedarf von 45 bis 60 Maschinen rund 1,6 Milliarden Euro für die Beschaffung eingeplant. Die Langzeitkosten des Programms wurden mit gut vier Milliarden Euro angegeben.

    Cargo-Hubschrauber der US-Armee CH-47 Chinook
    Cargo-Hubschrauber der US-Armee CH-47 Chinook

    Nunmehr hat die Vergabestelle des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr die vorliegenden Angebote laut der Pressemitteilung des Verteidigungsministeriums „als unwirtschaftlich bewertet und aus diesem Grund das Vergabeverfahren aufgehoben“.

    Gleichwohl habe das Projekt „Schwerer Transporthubschrauber“ für die Bundeswehr eine „sehr hohe Priorität“ und werde fortgesetzt – allerdings mit veränderten Vorgaben und mit Auswirkungen auf den bisherigen Zeitplan. „Ein Vertragsschluss in 2021 unter den derzeitigen Rahmenbedingungen kann somit nicht erreicht werden.“ Angaben zu alternativen Anbietern macht das Verteidigungsministerium nicht.

    Laut Fachmedien bedeutet dies für die Bundeswehr zunehmende Schwierigkeiten mit der Einsatztauglichkeit der bestehenden Transporthubschrauberflotte. Die CH-53G wurde 1972 in der Bundeswehr eingeführt und im Laufe der Jahre zwar schrittweise modernisiert, aber:

    „Im Mai 2019 wurde festgestellt, dass von den 71 Maschinen der Bundeswehr im Durchschnitt nur 48 Maschinen für Einsätze überhaupt verfügbar waren. Von diesen 48 wurden lediglich 22 Hubschrauber als einsatztauglich bewertet“, schreibt das Portal „The Drive“.

    Derweil könnte das STH-Programm nicht das einzige sein, das die Bundeswehr wird neubewerten müssen, schreibt das Portal weiter. Denn: „Deutschland steht vor erheblichen Haushaltseinschränkungen, weil die finanziellen Auswirkungen der Coronakrise inzwischen einsetzen“.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    „New York Post”-Enthüllungen – Stoppt „Ukraine-Gate“ Joe Biden auf der Zielgeraden?
    Putin spricht erstmals über Nawalny
    Putin über Länder mit „importierter Demokratie“: Ihre Anführer nichts weiter als Vasallen
    Tags:
    Bundeswehr, Transporthubschrauber CH-53, Sikorsky CH-53 Sea Stallion