21:12 23 November 2020
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    Die Strategie des „Prompt Global Strike“ erfordert vom US-Militär die Einführung ultraschneller und präziser Flugkörper. Kampfschiffe und U-Boote der Navy sollen in den kommenden Jahren damit ausgerüstet werden. Einfach wird es nicht: Die Rakete ist nicht ansatzweise dienstreif und die vorgesehenen Schiffe benötigen eine kräftige Ertüchtigung.

    Sind die „Zumwalt“-Zerstörer und die „Virginia“-U-Boote mit Hyperschallwaffen bestückt, will die Navy auch die ältere „Arleigh Burke“-Klasse mit den neuen Flugkörpern bewaffnen. Nur die Waffenrohre sind ein Problem: die neuen Hyperschallsysteme sind etwas zu groß geraten, um in die Startcontainer der alten Zerstörer hineinzupassen. Die „Arleigh Burke“ – und es ist ja eine der meistgebauten Schiffsklassen der Navy – muss umgebaut werden. Die Startschächte sind durch geräumigere Container zu ersetzen, das Feuerleitsystem ist zu überarbeiten. Wie teuer die Arbeiten sein und wie viel Zeit sie benötigen werden, weiß die Navy noch nicht.

    Viele Kampfschiffe der amerikanischen Marine befinden sich in unbefriedigendem Zustand, wie das Pentagon selbst öffentlich einräumt. Die Dienstzeit der nahezu dreißig „Arleigh-Burke“-Zerstörer der Navy endet bald, während die Modernisierung, die für hunderte Millionen Dollar bereits vorgenommen wurde, den technischen Zustand der Schiffe nicht wesentlich verbessert hat. Die technische Verfügbarkeit der Antriebsmaschinen bleibt hinter den Erwartungen zurück, und bei der Wartung der Radare kommt es immer wieder zu Störungen.

    Es wird immer deutlicher, dass es nicht sinnvoll ist, die alternden Zerstörer mit neuen Waffenschächten und Hyperschallraketen auszurüsten. Und außerdem:

    „Diese Zahl an Zerstörern schnell umzurüsten, wird nicht funktionieren“, sagt Militärexperte Alexej Leonkow. „Die Navy wird das Aufrüstungsprogramm wahrscheinlich zweigleisig fahren müssen. Die jüngeren Zerstörer werden modernisiert und die Waffenrohre für die Hyperschallraketen werden auf neuen Schiffsklassen verbaut. Die Amerikaner werden dabei keine Kosten scheuen. Ihnen ist im Moment jede Summe recht, Hauptsache sie können den hyperschalltechnischen Rückstand aufholen.“

    Auch Militäranalysten in den USA verweisen auf Schwierigkeiten des Hochrüstungsplans: Damit die Umrüstung der amerikanischen Flotte auf Hyperschallwaffen gelingt, sind entweder neue Zerstörer oder kleinere Raketen nötig. Bevorzugt wird die erste Variante, weil das Pentagon sich bereits für eine bestimmte Rakete entschieden hat. „Für die Marine ist dasselbe System vorgesehen wie für die Armee: die ‚Advanced Hypersonic Weapon‘. Eine zweistufige Feststoffrakete. Die erste Stufe ist ein Booster, die zweite ein sog. Gleiter“, erklärt Experte Leonkow. „Die Raketen sollen nicht nur auf Zerstörern stationiert werden, sondern auch auf U-Booten der ‚Ohio‘- und ‚Virginia‘-Klasse, die im Moment für diese Waffe fitgemacht werden.“

    Bei den künftigen Plattformen für die „Advanced Hypersonic Weapon“ ist das Pentagon noch unentschlossen. Ein Versuch, die älteren Schiffe der „Arleigh Burke“-Klasse zu ersetzen, ist der Navy bereits misslungen: die „Zumwalt“-Zerstörer sind zu groß ausgefallen – und obendrein sind sie unausgereift.

    Bei den Mannschaften hat die „Zumwalt“ keinen guten Ruf, weil unzuverlässig. Eine Woche nach dem Stapellauf blieb das Flaggschiff der Klasse im Panamakanal stehen und musste in den nächstgelegenen Hafen zur Reparatur geschleppt werden: der Antrieb war mitten auf der Fahrt ausgefallen. Und beim nächsten Schiff dieser Klasse stellten die Techniker schwerwiegende Fehler in der Elektrik fest.

    Dabei sind die Stückkosten einer „Zumwalt“ mit jenen eines Flugzeugträgers vergleichbar. Jeder Zerstörer dieser Klasse kostet den amerikanischen Steuerzahler 4,5 Milliarden Dollar. Statt den geplanten 32 Einheiten musste das Pentagon sich letztlich mit drei Schiffen zufriedengeben.

    Die Entscheidung, die „Zumwalt“-Klasse mit Hyperschallwaffen auszurüsten, kommt offenbar daher, dass die Navy sonst keine Verwendung für die Schiffe hätte. Wenn schon für den Dienst und den Kampf unbrauchbar, dann können sie doch wenigstens als Versuchsträger für künftige Waffensysteme herhalten.

    Als Unterwasserplattformen für Hyperschallwaffen sind die atomaren U-Boote der „Virginia“-Klasse geplant. Angedacht ist, sie bis 2028 entsprechend umzurüsten. Dann sollen diese U-Boote in die Strategie des „Prompt Global Strike“ eingebunden werden. Darunter versteht das Pentagon die Fähigkeit zu konventionellen Präzisionsschlägen überall auf der Welt innerhalb einer Stunde nach Erhalt des Befehls.

    Auffällig aber bei dem Hochrüstungsplan der amerikanischen Marine ist jedenfalls, dass andere Länder längst über funktionstüchtige Hyperschallwaffen verfügen und sie regelmäßig bei der Truppe erproben, während das Hyperschallprogramm der Navy offensichtlich noch in den Anfängen steckt.

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    Tags:
    Virginia-Klasse, U.S. Navy, USS Zumwalt