07:08 19 Januar 2020
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    Der französische Fassadenkletterer Alain Robert hat aus Protest gegen die Rentenreform in Frankreich den 48-stöckigen Turm des Ölkonzerns „Total“ im Pariser Geschäftsviertel La Défense erklommen.

    Mit seiner Aktion am Montag wollte der unter dem Namen des Comic-Helden Spiderman bekannte Extremsportler den Teilnehmern des unbefristeten Streiks gegen die geplante Rentenreform des französischen Präsidenten Emmanuel Macron seine Unterstützung zeigen.

    Der 57-jährige Kletterer brauchte Medienberichten zufolge 52 Minuten, um auf die Spitze des 187 Meter hohen Wolkenkratzers zu gelangen. Nach dem Erklimmen habe die Polizei den französischen „Spiderman“ in Empfang genommen. Fotos und Videos seiner Aktion tauchten im Internet auf.

    Robert sei eigener Aussage zufolge über die Reformpläne „zutiefst besorgt“, meldet die Nachrichtenagentur France-Presse. Er sei mit 57 „nicht weit von der Rente entfernt“. Das Klettern sei die einzige Weise, auf die er Geld verdienen könnte, sagte der Sportler und fragte rhetorisch:

    „Soll ich weiter klettern, bis ich 64 werde? Oder sogar 67?“

    Er forderte: Die Regierung müsse aufhören, den Menschen zu sagen, sie sollten „mehr arbeiten und sich mit Wenigem begnügen“. Denn dies sei, worum es in der Reform gehe.

    „Menschen schuften 40 Jahre ihres Lebens und machen oft eine Arbeit, die sie nicht mögen. Wir wollen, das die Leute menschenwürdig leben.“

    Alain Robert erklimmt Hochhäuser mit den bloßen Händen und oft ohne Sicherheitsnetz. Er klettert häufig für einen politischen Zweck: Erst im August war er 68 Etagen an der Fassade des Cheung Kong Center in Hongkong emporgestiegen. Er wollte damit die Demokratiebewegung in der chinesischen Sonderverwaltungszone unterstützen.

    Rentereform in Frankreich

    Mit der Reform von Macrons Regierung soll für die Rente ein universelles Punktesystem ähnlich wie in Deutschland eingeführt werden. Damit würde die Zersplitterung in mehr als 40 Rentenkassen enden. Viele Berufsgruppen fürchten allerdings ein Aus für Sonderrechte und Privilegien. Die Regierung war ihnen bereits mit sehr langen Übergangsfristen entgegengekommen.

    Das gesetzliche Renteneintrittsalter liegt in Frankreich bei 62 Jahren und soll bei der Reform auch nicht verändert werden. Allerdings hätten Arbeitnehmer, die mit 62 in Rente gehen, nach den Plänen mit Abschlägen zu rechnen.

    Proteste

    Hunderttausende Menschen gingen am 5. Dezember zu einem unbefristeten Streik auf die Straße. Der öffentliche Verkehr war fast komplett lahmgelegt. Es kam zu Krawallen und Protesten.

    Die Regierung hatte sich am 11. Januar bereit gezeigt, auf den umstrittenen Punkt der Rentenreform im Konflikt mit den Gewerkschaften zu verzichten. Die Regelung, nach der die Franzosen erst mit 64 Jahren volle Rentenbezüge erhalten sollen, werde laut Frankreichs Premierminister Édouard Philippe vorläufig aus der Gesetzesreform gestrichen.

    Ein sofortiges Ende des seit 5. Dezember dauernden Streiks im Pariser Nahverkehr und dem Fernverkehr im ganzen Land bedeutete das Zugeständnis der Regierung zunächst aber nicht. Die Pariser Verkehrsbetriebe teilten mit, dass es am Sonntag weiter zu Störungen kommen werde.

    mo/sb/rtr

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    Frankreich