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    „Die Lückenpresse“: Wie der Mainstream neuralgische Themen serviert

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    Der Journalismus, wie wir ihn kannten, ist am Ende, stellt Politologe und Publizist Ulrich Teusch in seinem Buch „Lückenpresse“ fest. Die Mainstream-Medien manipulieren mittlerweile mehr als sie informieren. Als Folge des Versagens der vermeintlichen „vierten Gewalt“ entstehen aber dank Internet Alternativen – eine fünfte Gewalt.

    „Jedes Medium ist Lückenmedium, die Frage ist, wie man die täglich einströmenden Nachrichten gewichtet. Ich stelle in unserem deutschen Mediensystem eine Tendenz fest, dass manchmal objektiv wichtige Nachrichten gar nicht gemeldet werden oder dass die eine Nachricht gepusht wird und die andere, die auch wichtig wäre, unten gehalten wird. Eine Nachricht wird ungefiltert weitergegeben, die andere wird mit einer Einbettung versehen, die dem Rezipienten sagt, welche Meinung er dazu haben soll.“

    „Wir leben in einer Zeit, wo es bedingt durch das Internet schwer fällt, Nachrichten zu unterdrücken. Der Mainstream macht es, aber die Leute merken das, weil sie recherchieren, Fakten checken, abweichende Meinungen einholen können.“

    „Bei bestimmten neuralgischen Themen, wie der Russland-Berichterstattung, der Griechenland-Berichterstattung, der Berichterstattung zum Brexit, wenn die Berichterstattung so homogen und so dominant eine bestimmte Position einnimmt und andere Aspekte unter den Tisch fallen gelassen werden, fällt das Vielen auf. Selbst Leuten, die sich nicht besonders mit den Konflikten in Syrien und im Irak auskennen, fällt auf, dass die Berichterstattung über Ost-Aleppo anders ist als die über Mossul, obwohl es sich um ganz ähnliche Dinge handelt.“

    Ulrich Teusch mit seinem Buch Lückenpresse
    © Sputnik / Ilona Pfeffer
    Ulrich Teusch mit seinem Buch "Lückenpresse"

    „Ich stehe der AfD gewiss nicht nahe, sondern befinde mich eher auf der anderen politischen Seite. Ich habe aber persönlich nichts dagegen, dass der Begriff „Lückenpresse“ von ihr übernommen wird. Ich will ein möglichst hohes Maß an gesellschaftlicher Integration, eine möglichst große Diskursbreite, dass alles auf den Tisch kommt und nichts drunter fällt. Ich bin bereit, mit jedem zu reden und dazu gehört auch die AfD.“ 

    „Die Migrantenproblematik und die damit verbundenen Ängste in der Bevölkerung beobachte ich schon viele Jahre. Diese Ängste, Sorgen, Bedenken, Verdächtigungen, die im persönlichen Gespräch von diesen Menschen artikuliert werden, haben über viele Jahre in den Medien praktisch keine Rolle gespielt. Ich denke, man hätte das Ganze sehr viel eher entschärfen können, wenn man frühzeitig in der ganzen Breite alle Probleme auf den Tisch gelegt und sachlich darüber geredet hätte. Wenn sich alle integriert fühlen in einer fair und gerecht handelnden Gesellschaft, dann sind sie vielleicht eher bereit, anderen diese Fairness angedeihen zu lassen.“

    „Um es klassenkämpferisch zu formulieren: Die Mainstreammedien gehören nicht uns, sondern denen – großen Konzernen, Aktiengesellschaften, die auch politische Interessen haben. Zusammen mit der krisengeschüttelten politischen Situation führt dieser Umstand dazu, dass die Medien dazu neigen, bei bestimmten Dingen in einseitiger Weise Partei zu ergreifen – das kann man links wie rechts sehen. In Großbritannien hat der Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn, der eindeutig links vom politischen Mainstream angesiedelt ist, die gesamte Medienlandschaft gegen sich. In den USA haben wir das mit Trump, der rechts vom politischen Mainstream steht oder jedenfalls nicht zum Washingtoner Establishment gehört.“

    „Dass Trump gewonnen hat, ob wohl er den gesamten Mainstream gegen sich hatte, zeigt, dass die Integrationsmacht des Mainstreams sinkt: Volksabstimmungen laufen anders als geplant, Medienkampagnen verfangen nicht.“

    „Wenn die Medien, die vermeintliche vierte Gewalt, den Menschen nicht das bieten, was sie von ihnen erwarten, dann bilden sich Alternativen – eine fünfte Gewalt.“

    Interview: Ilona Pfeffer

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