19:02 30 November 2020
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    Als „Willy Brandt“ noch Ratten fraß – Kalter Zoo-Krieg im geteilten Berlin

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    Im Westen der Zoo, im Osten der Tierpark – im geteilten Berlin waren auch die Tiergärten Rivalen. Mittendrin die Direktoren. Sie konnten sich nicht leiden und veranstalteten ein tierisches Wettrüsten. Im „Der Zoo der Anderen“ hat Jan Mohnhaupt das Duell zweier Platzhirsche über die Mauer hinweg in eine spannende Geschichte gepackt.

    Hier einige Auszüge aus dem spannenden Sputnik-EXKLUSIV-Interview:

    Jan Mohnhaupt: „Die Rivalität zwischen dem Zoologischen Garten und dem größten Tierpark Europas in Friedrichsfelde besteht eigentlich bis heute. Immer wieder wird gesagt: Berlin hat nicht genug Geld, einer der beiden Tiergärten muss dicht gemacht werden. Dann hat der Osten gesagt: „Dann macht doch euren Zoo dicht!“ Und im Westen: „Nein, euren defizitären Tierpark, da geht sowieso keiner hin!“ Ich hab mich immer gefragt: Wie kann denn diese Stadt diesen einmaligen Vorteil, zwei Zoos dieser Güte zu haben, nicht ausnutzen? Und dann fing ich an zu recherchieren.“

    Matthias Witte: Natürlich dreht sich das Buch vor allem um die Rivalität zwischen den Zoodirektoren Heinrich Dathe im Osten und Hans-Georg Klös im Westen. Die Figur, die mich in ihrem Buch am meisten beeindruckt hat, ist aber eine Frau.“

    Jan Mohnhaupt: "Sie meinen Katharina Heinroth. Ja, das habe ich schon oft gehört. Sie hielt den Zoo nach dem Krieg zusammen und hat ihn wieder aufgebaut. Nach zwei Tagen anhaltenden Bombardements überlebten im Zoo nur 91 Tiere, darunter das später weltberühmte Flusspferd „Knautschke.“ Seine Mutter wurde durch Bomben getötet. Da es kein Gebäude mehr gab, in dem das Tier artgerecht mit Wasserbecken gehalten werden konnte, wurde es von Pflegern mit Wasser überschüttet, damit seine Haut nicht austrocknet. Der Zoo war ein einziges Provisorium. Ein Schuhschnabel (ein Storchenvogel, Anm. d. Red.) wurde in der Badewanne eines Tierpflegers gehalten. Mit unermüdlichem Willen und großer Überzeugungskraft gelang es Frau Heimroth, den Zoo wieder aufzubauen. Aber sie wurde von der zunehmend dominierenden Männerwirtschaft in Zoo-Aufsichtsrat und Politik schließlich aus dem Amt gemobbt.“

    Jan Mohnhaupt: „1962 brachte US-Justizminister Robert Kennedy einen Weißkopfseeadler als Staatsgeschenk nach West-Berlin. Das Tier wurde auf den Namen „Willy Brandt“ getauft. Nun ist es so, dass Staatsgeschenke nicht immer die besten Tiere waren – eher im Gegenteil. Und so war auch der Weißkopfseeadler sehr alt, hatte schon Ausfallerscheinungen, konnte nicht richtig auf dem Ast sitzen und schlucken konnte er auch nicht mehr richtig. Das hat dann natürlich die Ost-Presse ausgeschlachtet und geschrieben: „Willy Brandt“ sitzt hinter Gittern und ernährt sich von toten Ratten.“ 

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    Buch, Geschichte, Zoo, Kalter Krieg, DDR, Deutschland