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    750.000 Euro für russische Geschichte – Seltene Platin-Rubel in Berlin versteigert

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    Andreas Peter
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    In Berlin wurden drei sehr seltene so genannte Platin-Rubel versteigert. 750.000 Euro bezahlte ein unbekannter Bieter für die 1839 geprägten Münzen. Das Besondere ist nicht nur das für Münzen nicht so häufig verwendete Edelmetall. Die Münzen haben eine lückenlos dokumentierte Herkunft und direkten Bezug zur ehemaligen russischen Zarenfamilie.

    Im Berliner Hotel Estrel waren die Aufbauarbeiten für die World Money Fair noch im Gange, da fiel in einem Saal nebenan bereits der Hammer. Wobei, einen Hammer schwangen die Auktionatoren nicht mehr, es war eher eine Art Klingel.

    Versteigert wurden rund 1000 teilweise sehr seltene Münzen und Medaillen verschiedener Epochen. Die unbestrittenen Stars waren drei Platin-Rubelmünzen aus Russland, die auf das Jahr 1839 datiert wurden und zusammen einen Schätzwert von einer halben Million Euro hatten.

    Mit Münzen ist es wie mit Juwelen. Für die Festlegung eines Schätzwertes ist nicht nur der reine Materialwert entscheidend, obwohl in diesem Fall das Edelmetall Platin ungewöhnlich für eine Münze ist, die als offizielles Zahlungsmittel galt. Viel entscheidender für den Wert gerade dieser Münzen ist die Geschichte, die sich mit ihnen verbindet. Die drei Platin-Rubel wurden durch den berühmten Sammler Emmerich Hutten-Czapski wahrscheinlich zwischen 1840 und 1850 bei der Russischen Münze bestellt und sind exakte Kopien der Original-Exemplare aus dem Jahr 1839, wie Igor Schirjakow in einem Gutachten für die Auktion vermutete. Später erwarb der Enkel von Zar Nikolaus I., Großfürst Georgi Michailowitsch, die Münzen:

    „Er war bekanntermaßen ein Mitglied der Kaiserlichen Familie und ein großer Verfechter der Numismatik und großer Sammler, besaß alle Münzen von Peter I. bis Nikolaus I. und hat das alles katalogisiert. Und genau diese Münzen sind aus dieser Sammlung.“

    Schirjakow stellte in seinem Gutachten vor allem heraus, dass von solchen Platinmünzen nur sehr wenige Exemplare, zumeist nicht mehr als zwei, geprägt wurden, was auch gut die enormen Preise erklären könnte. Zumal die Münzen zwar einen Nennwert haben, aber sehr wahrscheinlich nie zum Bezahlen genutzt wurden, glaubt Dimitri Nikulin, der die Online-Auktionen bei Künker verantwortet:

    „Die kommen aus dem Jahrgang 1839. Und in dem Jahrgang, neben dem von 1840, gab es die geringste Zahl an geprägten Stücken, und die sind nach meiner Meinung, nach meiner Information nicht als Zahlungsmittel gedacht gewesen.“

    Die Firma Künker hatte großes Glück, diese extrem seltenen Münzen in einer Auktion präsentieren zu können, räumt Ulrich Künker ein, der 2009 die Leitung des Hauses von seinem Vater übernommen hatte:

    „Bei uns ist es eigentlich schwieriger, Objekte zu bekommen als Objekte zu verkaufen. Also liegen der Trick und das Geheimnis eigentlich in der Beschaffung. Und da hilft uns natürlich, dass wir seit 1971 am Markt sind. Mein Vater hatte die Firma in dem Jahr gegründet, und wir haben gute Beziehungen in Europa und in der ganzen Welt. Das hilft, aber es ist schwer. Man muss heute doch deutlich weiter reisen und sich deutlich mehr anstrengen, um Objekte zu bekommen, als das vielleicht noch vor 10 bis 15 Jahren der Fall war.“

    Künker schätzt, dass 80 Prozent seiner Kunden dem Haus seit Jahren, manche sogar schon seit Jahrzehnten verbunden sind. Wer allerdings am Ende die drei Platin-Rubel für sagenhafte 750.000 Euro ersteigert hat, kann und will er nicht verraten. Auch sein Online-Auktionschef Dimitri Nikulin kann und will beim besten Willen nichts zu Vermutungen sagen, eventuell könnten russische Investoren versuchen, die Münzen wieder nach Russland zurückzuholen. Obwohl es natürlich albern wäre, so etwas auszuschließen, denn:

    „Wenn ich solche Stücke sehe, dann weiß ich schon ganz genau, dass das Interesse vom russischen Markt enorm groß sein wird, ist ja klar. Und wenn wir schon genau über diese Stücke reden: Da kommt zu der Seltenheit der Münzen natürlich auch eine sehr gute Provenienz. Und diese Provenienz spielt natürlich eine enorme Rolle beim Verkauf solcher Stücke. Weil die Stücke aus einer Sammlung kommen, und ich bin sicher, jeder russische Sammler würde sich freuen und würde stolz sein, wenn er solche Sachen in die Sammlung bekommt.“

    Vielleicht können wir ja irgendwann lesen oder hören, dass ein vermögender Mäzen drei wertvolle russische Platin-Münzen mit engen Bezügen zum ehemaligen Herrscherhaus der Romanow-Dynastie dem russischen Staat übereignet hat.

    Tags:
    Münze, Zar, Versteigerung, Platin, Geschichte, Russland
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