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06:17 22 Oktober 2019
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    Folge 1: Anfang vom Ende

    Folge 1: Anfang vom Ende

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    Wie würde unsere Geschichte aussehen, wenn die #BerlinerMauer im Zeitalter der sozialen Netzwerke fallen würde und @realMichailGorbatschow und @ErichHoneckerDDR mithilfe der Twitter-Diplomatie das Schicksal Europas bestimmen würden?

    Dies und vieles mehr erfahrt ihr am 9. Oktober in der ersten Folge der interaktiven Sputnik-Serie „Die Mauer fiel – die Mauer steht“ – und das alles im vertrauten Format von sozialen Netzwerken mit Likes, Aufrufen, Sperrungen und Kommentaren – genau wie ihr es mögt!

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    Anfang vom Ende

    Das Jahr 1989 beginnt in Ost-Berlin mit dem Versuch der DDR-Staatsführung sowohl Druck aus dem Kessel zu lassen als auch an der eigenen Souveränität festzuhalten. Die Besetzer der Ständigen Vertretung der BRD in der Hannoverschen Straße in Ostberlin dürfen die diplomatische Vertretung verlassen, nachdem ihnen von der DDR-Regierung sowohl Straffreiheit als auch die Bearbeitung der Ausreiseanträge zugesichert wurde.

    Die Besetzer der Ständigen Vertretung der BRD in der Hannoverschen Straße in Ostberlin dürfen die diplomatische Vertretung verlassen, nachdem ihnen von der DDR-Regierung sowohl Straffreiheit als auch die Bearbeitung der Ausreiseanträge zugesichert wurde.

    Staats- und Parteichef Erich Honecker macht jedoch nur eine Woche später, am 19. Januar alle Hoffnungen auf eine eventuelle Einsichtsfähigkeit an der Spitze des Staates wieder zunichte. Honecker verblüfft Beobachter im eigenen Land, aber vor allem in der BRD, als er in einer Festrede vor dem „Thomas-Müntzer-Komitee“ plötzlich erklärt:

    „Die Mauer wird so lange bleiben, wie die Bedingungen nicht geändert werden, die zu ihrer Errichtung geführt haben. Sie wird in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen, wenn die dazu vorhandenen Gründe noch nicht beseitigt sind.“

    In den USA tritt am darauffolgenden Tag mit George Herbert Walker Bush ein ausgewiesener Hardliner, Antikommunist und ehemaliger CIA-Chef sein Amt als 41. Präsident an. Während die Sowjetunion im Februar ihre letzten Soldaten aus Afghanistan abzieht, streicht die Ungarische Sozialistische Arbeiterpartei USAP ihren Führungsanspruch aus der Verfassung.

    Anfang März führt die DDR das Wahlrecht für ständig im Land residierende Ausländer auf Kommunalebene ein. Die Leipziger Frühjahrsmesse, die traditionell ein deutsch-deutscher Begegnungsort abseits der Zwänge von Bonn und Ostberlin war, wird durch die Besuchsabsage der beiden Bundesminister Haussmann (Wirtschaft) und Schneider (Bauen) belastet. Die Bundesregierung protestiert auf diese Weise gegen zwei Tage zuvor abgegebene Schüsse auf Flüchtende an der Grenze zwischen DDR und BRD. Die DDR revanchiert sich mit der Ausladung von Bundesumweltminister Klaus Töpfer von der Leipziger Messe.

    In der damaligen jugoslawischen Autonomen Provinz Kosovo, die zur Teilrepublik Serbien gehörte, kommt es Ende März zu massiven Ausschreitungen wegen zuvor ergangener Einschränkungen der Autonomie durch die Regierung in Belgrad. In Hamburg überraschen Offiziere der Bundeswehr und der NVA die Öffentlichkeit mit einem Meinungsaustausch. In der Sowjetunion können die Bürger zum ersten Mal zwischen mehreren Kandidaten zum Volksdeputiertenkongress entscheiden.

    In der sowjetischen Teilrepublik Georgien kommt es nur wenige Tage nach den Wahlen in Tiflis zu schweren Ausschreitungen. Die Demonstranten fordern den Austritt Georgiens aus der UdSSR. In Ungarn löst sich am 12. April das Politbüro der USAP auf und bildet sich neu, vor allem mit Vertretern des Reformflügels der Partei. Einen Tag später bildet Bundeskanzler Helmut Kohl sein Kabinett um und besetzt Schlüsselressorts neu, mit Theo Waigel (CSU/Finanzen) und den beiden CDU-Politikern Gerhard Stoltenberg (Verteidigung) und Wolfgang Schäuble (Inneres).

    Am 17. April wird in Polen die Gewerkschaft Solidarność vom Staat legalisiert.

    Am 2. Mai startet Ungarn den Abbau seiner Grenzsicherungsanlagen zu Österreich.

    In der DDR finden fünf Tage später Kommunalwahlen statt. Es werden massive Verstöße gegen das DDR-Wahlrecht festgestellt. Dennoch verkündet der Vorsitzende der Zentralen Wahlkommission der DDR, Egon Krenz, ein offizielles Endergebnis von 98,8 Prozent Zustimmung für die Kandidaten der sogenannten Nationalen Front bekanntgegeben. Die Darstellung dieser Wahl in den Medien als angeblich überwältigende Zustimmung des Volkes zum Kurs der Partei- und Staatsführung empört auch ehemals treue SED-Genossen. Die Kommunalwahlen des Mai 1989 gelten heute als einer der Kristallisationspunkte, an denen sich die DDR unumkehrbar ihrem Ende zubewegte, weil die Herrschenden auch noch den Kontakt zu den letzten loyalen Bürgern verloren.

    Die Sowjetunion unter Führung von Michail Gorbatschow nähert sich unterdessen am 15. Mai mit dem ersten sowjetisch-chinesischen Gipfeltreffen seit 30 Jahren dem großen Nachbarn im Osten wieder an. Gorbatschows Besuch in Peking wird von Studentenprotesten begleitet, die eine Einführung von Perestroika und Glasnost auch in China fordern. Aus diesen Studentenprotesten entwickeln sich jene Auseinandersetzungen, die drei Wochen später in einer gewalttätigen Konfrontation mit der Staatsmacht auf dem Tian'anmen-Platz münden.

    In Ost-Berlin geben am 30. Mai die West-Berliner Philharmoniker das erste Konzert seit dem Mauerbau 1961.

    In Teheran endet am 3. Juni mit dem Tod von Ajatollah Khomeini eine Ära, die mit der Rückkehr des religiösen Führers zehn Jahre zuvor aus seinem Pariser Exil begonnen hatte.

    Vier Tage später werden in Ost-Berlin Demonstrationen aufgelöst, die sich gegen die Fälschung der Kommunalwahlen vom 7. Mai richten. Mitte Juni wird Michail Gorbatschow bei seinem Besuch in der Bundesrepublik bejubelt. Dort erklärt der sowjetische Staatschef, der inzwischen auch den Titel Staatspräsident trägt, „die Mauer kann wieder verschwinden, wenn die Voraussetzungen entfallen, die sie hervorgebracht haben.“

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    Tags:
    Erich Honecker, Michail Gorbatschow, DDR, 30 Jahre Mauerfall