Fußballspieler der englischen Nationalmannschaft bei Europa-Meisterschaft 2016 (Archivbild)

Großbritannien: Auf Russland gezielt, Eigentor geschossen

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Die kommende Fußball-WM in Russland boykottieren? Die britische Führung prescht schon einmal vor, setzt zum Angriff an und merkt wohl nicht, dass sie mit ihrem Vorstoß so ziemlich im Abseits steht.

Der britische Außenminister Boris Johnson hat gedroht, England könnte die Weltmeisterschaft in Russland boykottieren. Die Antwort der Sportswelt folgte prompt: Einen „nutzlosen Trottel“ nannte der englische Star-Fußballer Gary Neville den Minister.

Dann äußerte sich – und zwar ziemlich entschieden – der neue deutsche Innenminister Horst Seehofer (CSU) zum möglichen Boykott der Fußball-WM:

„Politische Probleme muss die Politik lösen und nicht der Sport“, sagte er der „Bild“-Zeitung.

Und das war erst der Anfang. Wenig später sagte Fifa-Präsident Gianni Infantino klipp und klar: „Wir haben nicht vor, jemanden zu bekriegen. Alle werden ein Fußballfest erleben. Sollte jemand es verderben wollen, kriegt er ernsthafte Probleme“, sagte er laut dem russischen Portal „Sportbox“. Er habe noch nie erlebt, dass ein Land sich so auf eine Fußball-WM vorbereite wie Russland. „Ganz besonders im Bezug auf die Sicherheit“, betonte der Fifa-Chef.

Vorher hatte Infantino allen Versuchen, „russisches Fußball-Doping“ zu finden, eine klare Absage erteilt: Alle Doping-Proben, die bei russischen Fußballern bei den letzten drei internationalen Turnieren genommen wurden, seien negativ gewesen. Und dann sprach er eine für russische Fans bittere Wahrheit aus: Die Russen müssten doch besser spielen, wenn sie wirklich dopten.

Eigentlich hat der Fifa-Präsident nichts Neues verkündet, sondern einfach nur den Schlussstrich unter die leidigen Boykott-Spekulationen gezogen. Keinen Rückenwind erhält Theresa May auch von ihrer deutschen Amtskollegin. Es gebe nach dem Giftanschlag von Salisbury derzeit keinen Anlass, die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland zu boykottieren, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Vorfeld des EU-Gipfels in dieser Woche.

Diese Runde hat England verloren. Anlass, sorgenfrei und unbekümmert den kommenden Spielen entgegenzusehen, hat Russland dennoch nicht. Die Kader des ehemaligen Empire sind hartnäckige Leute und haben immer noch recht lange Hebel an der Hand.

Da könnte sich etwa die Ukraine entschließen, just während der Meisterschaft im Donbass eine kleine Offensive zu starten. Unweit dieser Region liegt übrigens die russische Großstadt Rostow-am-Don, in deren neuen Fußball-Arena einige WM-Spiele ausgetragen werden sollen. Es gilt also, auf hinterhältige Attacken solcher Art vorbereitet zu sein – und eine angemessene Antwort darauf parat zu haben.

Dmitri Lekuch

* Die Meinung des Autors muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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Doppelagent, Politiker, Vergiftung, Attentat, Boykott, Fußballweltmeisterschaft 2018, Foreign Office, CDU, CSU, Bild-Zeitung, EU, Sergej Skripal, Boris Johnson, Horst Seehofer, Angela Merkel, England, Großbritannien, Deutschland, Russland
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