Tom Roeder im Max-Morlock-Stadion in Nürnberg: Immer im Einsatz für die Nationalmannschaft

Roter Platz, Gesang und Anfeuern: So freuen sich deutsche Fans auf Fußball-WM

© Foto : Tom Roeder (privat)
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Alexander Boos
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Nur noch wenige Tage bis zur Fußball-Weltmeisterschaft (WM) in Russland. Viele deutsche Fans werden ihr Team vor Ort unterstützen. So auch Tom Roeder. Der Beauftragte für den „Fan Club Nationalmannschaft“ spricht im exklusiven Sputnik-Interview über die WM, Sicherheit im Stadion, Ex-Torjäger Ulf Kirsten – und über den „Underdog“ Russland.

„Mit der WM-Gruppenauslosung am ersten Dezember fing es an. Seitdem sitze ich drei bis vier Stunden am Tag an der Planung“, sagt der Bonner Tom Roeder, Beauftragter beim „Deutschen Fußball-Bund“ (DFB) für Mitglieder des „Fan Club Nationalmannschaft“ aus dem Rheinland (Köln, Düsseldorf, Bonn). Er wird mit einer Gruppe von 40 Leuten zur WM nach Russland fliegen. Die Vorbereitung für die WM sei ziemlich aufwendig. So sei es organisatorisch schwierig gewesen, „die ganze Gruppe in einen Flieger zu packen. Jetzt bin ich gerade dran, die Ausflüge vor Ort zu planen und zu buchen.“

Nun erst beginne so richtig die Vorfreude auf das Turnier. „So langsam kommen wir ins WM-Feeling. Jetzt kommt auch der Sommer, jetzt kommt die Sonne raus. Und ich hoffe, dass dann in Russland entsprechendes Wetter ist. Da freut man sich schon drauf, dass man endlich das, was man vorbereitet hat, auch erleben kann.“

Fan-ID, Sicherheit, Stadiongesänge: „Keine unlösbaren Probleme“

Es sei etwas anderes im Vergleich zu Fußball-Reisen innerhalb der Europäischen Union (EU). Bei der WM in Russland benötige jeder Fußball-Anhänger eine Fan-ID, die eine visumsfreie Einreise ins Land erlaubt. „Die für die ganze Gruppe zu beantragen, war grundsätzlich einfach, aber die Passbilder wurden zunächst nicht akzeptiert. Das war erstmal schwierig mit dem Programm. Aber letztlich gab es keine unlösbaren Probleme.“

Sicherheit sei natürlich ein viel diskutiertes Thema unter den deutschen Fans. „Es gibt einschlägige Foren, wo man sich informieren kann, auf denen man hört, dass sich Hooligans speziell auf dieses Turnier vorbereiten“, sagte der Fanbeauftragte. „Auf der anderen Seite hört man, dass die russische Regierung bestrebt ist, ein Höchstmaß an Sicherheit zu schaffen. Mit Polizeipräsenz und weiteren Maßnahmen.“ Er hoffe einfach, dass sich das Gastgeberland letztlich auf seine Gäste freut. „So wie das in jedem WM-Jahr bisher der Fall war. Und dass sich die Gäste frei bewegen können – auch im Trikot.“

„Nicht nur Fußball, auch Land und Leute kennenlernen“

Ihm sei nicht nur der Sport wichtig, sondern auch das Land und die russischen Menschen. Viele Fans seiner Gruppe seien das erste Mal in Russland. „Moskau an sich ist schon ein Hotspot. Da gibt es natürlich den Roten Platz und den Kreml zu sehen. Für viele ist es das erste Mal. Da möchte man natürlich viel von der Stadt sehen. Ziel ist natürlich auch, wenn kein Spieltag ist, dass man trotzdem in die Kneipe gehen kann und dort Menschen kennenlernen kann, mit denen man sich austauscht.“

Das habe auch in Brasilien zur WM 2014, speziell in Rio de Janeiro, gut funktioniert. Da waren die Menschen sehr offen. „Man weiß jetzt nicht, wie der Moskauer dazu steht, weil Russland nicht so dieses typische Fußball-Land ist.“ Es werde im Land zwar ganz gerne Fußball gespielt, aber als Fan und Reiseleiter fände Roeder es schön, wenn die WM in der russischen Bevölkerung „eine breite Begeisterung“ für den Ballsport erzeugen könnte. Ansonsten sei es sicherlich auch eine sprachliche Herausforderung, denn:

„Die wenigsten Deutschen sprechen russisch, die wenigsten Russen sprechen deutsch oder englisch. Das wird interessant.“

Ex-Bundesliga-Torjäger Ulf Kirsten (links) gemeinsam mit Tom Roeder im Düsseldorfer Stadion. „Der Schwatte war mein Idol, als ich noch klein war“, sagt Roeder. Kirsten begann seine Profi-Karriere in der DDR-Oberliga für Dynamo Dresden und entwickelte sich bei Bayer Leverkusen zum besten gesamtdeutschen Stürmer der 90er Jahre.
© Foto : Tom Roeder (privat)
Ex-Bundesliga-Torjäger Ulf Kirsten (links) gemeinsam mit Tom Roeder im Düsseldorfer Stadion. „Der Schwatte war mein Idol, als ich noch klein war“, sagt Roeder. Kirsten begann seine Profi-Karriere in der DDR-Oberliga für Dynamo Dresden und entwickelte sich bei Bayer Leverkusen zum besten gesamtdeutschen Stürmer der 90er Jahre.

Schon im Mai reist Roeder zu einem Fan-Kongress nach Moskau. „Da fliege ich mit einer Delegation des DFB hin“, verriet der Fanbeauftragte. „Da gibt es noch mal einen Interessensaustausch, in dem wir deutsche Fans gemeinsam mit den DFB-Offiziellen unsere Standpunkte und Hauptthemen anbringen können. Das wird sicherlich interessant. Da kann man sicherlich einiges mitnehmen. Da weiß man dann auch, was der Gastgeber von uns als Fans erwartet.“

Wichtig sei seiner deutschen Fan-Gruppe, „dass wir uns auch wie Fußballfans verhalten dürfen. Sprich: Singen, die Mannschaft unterstützen, im Stadion stehen, unsere Banner aufhängen.“ Das sei in Brasilien „ein unsägliches Thema gewesen, dass zu Beginn die Fan-Banner aufgehängt werden durften, aber dann im Laufe des Turniers wurde das Ganze unterbunden.“

Roeder vermutet, dass Vorgaben der FIFA dahintersteckten. „Selbst fan-typische Kleidung, sei es der brasilianische Sombrero oder eine afrikanische Trommel, durfte nicht mit ins Stadion genommen werden. Das war schon belastend, kein unbeschwerter Stadionbesuch. Da haben wir natürlich die Hoffnung, dass das in Russland anders wird. Dass man sich dort tatsächlich ins Stadion stellen kann, obwohl es natürlich alles Sitzplätze sind, ohne dass da die Polizei in den Block kommt und einen zum Sitzen auffordert. Das sind Dinge, wo man hofft, dass es besser läuft.“ All diese Punkte werde er auch bei dem Moskauer Fan-Treffen besprechen.

Titel-Favoriten: Deutschland, Frankreich, Spanien

„Wenn alles normal läuft, zähle ich Spanien, Frankreich und Deutschland zu den Favoriten“, sagte der DFB-Fanbeauftragte im Interview.

„Ich selber sehe hier aber die Franzosen relativ weit vorne. Auch die Spanier, weil sie tatsächlich schon einen ausgefeilten, fantastischen Fußball spielen. Deutschland ist normalerweise – wenn alle fit sind und alle Spieler auf einem guten Level sind – ein Kandidat für das Finale. Jetzt hat sich aber Jerome Boateng verletzt, ein herausragender Abwehrspieler.“

Seit Jahren engagiert in der Fan-Arbeit beim Deutschen Fußball-Bund DFB
Seit Jahren engagiert in der Fan-Arbeit beim Deutschen Fußball-Bund DFB

Doch Jupp Heynckes, Chef-Trainer von Boatengs Club, dem FC Bayern München, gab bereits Entwarnung. Er sagte gegenüber Medien, der Verteidiger werde sehr wohl an der WM teilnehmen. Dazu kommt laut Roeder die Frage, ob alle deutschen Spieler ihr Level erreichen können. „Dann wird es vielleicht den einen oder anderen Underdog geben, der vielleicht noch über sich hinauswachsen kann.“

„Underdog“ Russland: Wie weit kommt die Sbornaja?

Die „Sbornaja“, die russische Auswahl, könne als potentieller Kandidat für die K.o.-Phase angesehen werden und somit ein Underdog sein. „Russland hat eine sportlich relativ leichte Gruppe erwischt. Und man weiß, wenn einmal der erste Sieg errungen ist, kann das eben auch ein Land mitreißen. Der Heimvorteil ist nicht zu unterschätzen.“ Allerdings fügte er mit Blick auf die letzten Testspiel-Ergebnisse hinzu: „Da muss die Mannschaft tatsächlich eine geschlossene Leistung hinlegen. Weil Russland nicht so die individuellen Klassespieler hat, muss man ganz ehrlich sagen. Aber wenn sie eben als Team zusammenwachsen und sich vom Land tragen lassen, dann glaub ich schon, dass da was geht.“

WM-Reise durch Russland

in d. M.: Russlands Präsident Wladimir Putin während Besichtigung der Ausstellung von Vorbereitung auf WM-2018 in Russland (Archivbild)
© Sputnik / Alexej Nikoskij
Am 15. Juni wird Tom Roeder mit seiner deutschen Fan-Delegation in Moskau landen und dort gemeinsam das Auftaktspiel der Gruppe F, Deutschland – Mexiko (am 17. Juni um 17 Uhr) sehen. Danach geht es nach Sotschi, wo die Fan-Gruppe Deutschland in der Partie gegen Schweden unterstützen wird (am 23. Juni um 20 Uhr). „Wir werden sieben Tage in Sotschi bleiben, dem ehemaligen Austragungsort der olympischen Spiele. Auch, um das schöne Wetter zu genießen.“ In Kasan spielt Deutschland am 27. Juni (16 Uhr) gegen Vorrunden-Gegner Südkorea. Auch dort wird Roeders Truppe die DFB-Elf anfeuern. Sollte Deutschland weiterkommen, wird er auch diese Spiele in Russland verfolgen. Sogar bis ins mögliche Finale (am 15. Juli) werde er „sein“ Team begleiten.

Der „Fan Club Nationalmannschaft“ wurde 2003 vom DFB ins Leben gerufen, um die deutschen Nationalmannschaften bei Länderspielen sicht- und hörbar zu unterstützen. Der Fanclub ist bekannt für seine Choreografien. Mittlerweile zählt die Fan-Organisation über 55.000 Mitglieder bundesweit.

Das Interview mit dem DFB-Fanbeauftragten Tom Roeder zum Nachhören:

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Tags:
Fanclub, Fan-Pass, Nationalmannschaft, Fußball-WM 2018, Deutscher Fußball-Bund (DFB), EU, Ulf Kirsten, Tom Roeder, Moskau, Russland
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