18:00 20 Oktober 2017
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    "Wremja Nowostej": Russlands Macht begreift nicht, dass Wirtschaft von Privatunternehmen angetrieben wird

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    MOSKAU, 03. Juni (RIA Nowosti). Die russische Macht müsste ihre Wirtschaftspolitik revidieren, widrigenfalls ist eine Krise unvermeidlich. Diese Meinung äußerten unabhängige Experten, die von der Tageszeitung "Wremja Nowostej" befragt wurden.

    Sergej Alexaschenko, Präsident der Investmentgesellschaftsgruppe "Entente Capital": Zwar gibt es in der Wirtschaft viele negative Tendenzen, solange aber das starke Polster in Gestalt des Ölbarrelpreises von 40 bis 50 Dollar besteht, kann man von einer Wirtschaftskrise nicht sprechen.

    Sollte aber die Regierung wie jetzt weiterhin alles ignorieren, ist eine Krise unvermeidlich. Unserer Macht mangelt es an der Einsicht, dass die Wirtschaft von Privatunternehmen angetrieben wird. Bei uns gilt, dass sich alles im Kreml, schlimmstenfalls im Regierungsquartier regeln lässt. Selbst im kommunistischen China erfolgt aber das Wirtschaftswachstum dank dem nichtstaatlichen Sektor.

    Jewgeni Gawrilenkow, leitender Wirtschaftsexperte der Investmentgesellschaft Troika Dialog: Offenbar wird es bei einer solchen Staatspolitik kein großes Wirtschaftswachstum geben. Die Wirtschaft ist zwar nicht in der Lage, bei solchen Ölpreisen überhaupt nicht zu wachsen, dieses Wachstum liegt aber in beträchtlicher Weise unter ihrem Potential. Wie die Praxis zeigt, versteht es die Regierung nicht, richtig zu investieren. Deshalb schaffen diese Haushaltsausgaben auch Probleme. In Russland hat man zum Beispiel versucht, eine Hochgeschwindigkeitsbahn Moskau - Sankt Petersburg zu bauen. Das Geld wurde ausgegeben, die Bahn gibt es aber nicht. Der Staat müsste private Investitionen stimulieren, insbesondere in langfristige Projekte. Er beschäftigt sich aber nicht damit. Diese Art der Geldverwendung, die der Staat gewählt hat, ist aber für die Wirtschaft unangenehm, weil damit die Inflation angetrieben wird.

    Leonid Grigorjew, Präsident der Vereinigung der unabhängigen Zentren für Wirtschaftsanalyse: Das Land ist arm, und der Staat ist natürlich bemüht, den ärmsten Bevölkerungsschichten - Rentnern, Staatsbediensteten und Militärs - etwas zu geben. Eines Tages werden aber die Ölpreise sinken, und die Bürger, die sich bereits an das zusätzliche Geld gewöhnt haben, werden sehr erstaunt sein. Deshalb muss man der generellen Regel folgen und die zusätzlichen Einnahmen in große Volkswirtschaftsobjekte investieren.

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