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    "Gaseta": Lukoil-Tochter verdirbt Ruf der Muttergesellschaft

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    MOSKAU, 10. Juni (RIA Nowsoti). Das Unternehmen Narjanmarneftegas (NMNG), eine Tochtergesellschaft der Ölfirma Lukoil, hat am Donnerstag Steuernachzahlungsforderungen in Höhe von 1,46 Millionen Dollar für Februar und März 2004 erhalten. Gegen die NMNG-Leitung wurde ein Strafverfahren eingeleitet, berichtet die Tageszeitung "Gaseta" am Freitag. Dies könnte den Ruf des Unternehmens Lukoil verderben, das auf der NMNG-Basis ein Gemeinschaftsunternehmen mit seinem amerikanischen Teilhaber ConocoPhillips gründen will.

    Nach Ansicht der Steuerbeamten hatte die Gesellschaft bewusst falsche Zahlen in der Steuererklärung angegeben, um die Abführungen an den Staatshaushalt zu verringern. Bei Lukoil ist man damit nicht einverstanden. Nach den Worten von Dmitri Dolgow, dem offiziellen Sprecher der Gesellschaft, werden die Meinungsdifferenzen mit der Steuerbehörde derzeit im Arbitragegericht behandelt.

    Die Nachzahlungsforderungen kamen für Lukoil-Chef Wagit Alekperow nicht überraschend. Mitte April erklärte er, das Steueramt werde Forderungen für die Jahre 2002 und 2003 stellen. Wie aber Alekperow später mitteilte, hätten die Steuerbehörden keine Mängel in den Steuererklärungen der Ölholding für diese Jahre entdeckt. Die Lukoil-Leitung entspannte sich aber zu früh. Die NMNG-Manager haben die Mutterfirma hereingelegt.

    Alekperows Erklärung vom April hatte dem Unternehmen 900 Millionen Dollar gekostet: Um diese Summe verringerte sich die Lukoil-Kapitalisierung. Am Donnerstag ließ sich der Lukoil-Aktienkurs von der Information über die Steuerforderungen nicht beeindrucken, gegen Abend stiegen die Aktien um 0,43 Prozent an.

    Dies ist auch nicht verwunderlich. Die Forderungen an die Lukoil-Tochter erscheinen im Vergleich zu den Forderungen an Sibneft (300 Millionen Dollar), TNK-BP (rund eine Milliarde Dollar) und Yukos (27 Milliarden Dollar) unerheblich.

    Der Vorfall könnte nur dem Lukoil-Ruf schaden. 2004 erklärte Lukoil-Vizepräsident Leonid Fedun, die Holding habe auf beliebige Schemen der Steueroptimierung verzichtet, darunter auch auf die legalen. Wie es sich nun herausstellt, haben die NMNG-Tochter diese Worte ignoriert.

    Auf der NMNG-Basis will Lukoil ein Joint Venture mit Conoco-Phillips gründen. Die Amerikaner versprachen Investitionen in Höhe von 500 Millionen Dollar in dieses Projekt. ConocoPhillips wird sein Versprechen kaum zurückziehen, es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die amerikanische Seite bei den Beziehungen mit dem Partner aus Russland nun mehr Vorsicht an den Tag legen wird, schreibt die "Gaseta".

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