15:39 23 Januar 2017
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    Gaidar: Russlands Wirtschaft wird immer empfindlicher

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    MOSKAU, 15. Juni (RIA Nowosti). Mit jedem Jahr der hohen Ölpreise wird Russlands Wirtschaft immer verletzbarer. Diese Meinung äußerte Jegor Gaidar, der frühere amtierende Regierungschef Russlands und Direktor des Instituts für die Wirtschaft der Übergangsperiode, in einem am Mittwoch in der «Nowyje Iswestija» veröffentlichten Interview. "2002 konnten wir den Preisverfall auf 13 Dollar pro Barrel ohne jegliche Krise überleben», stellte er fest. „Heute aber könnte schon ein Barrelpreis unter 30 Dollar ein Problem für uns sein."

    „Mitte der 80er Jahre war die Sowjetunion völlig abhängig von den Ölpreisen. Dann kam es zu einem Preissturz, und die Union gab es nicht mehr. Heute steuern wir hartnäckig in die gleiche Richtung hin."

    Als die jetzige Macht in den Kreml einzog, hatte sie den Wunsch, eine verantwortungsbewusste Wirtschaftspolitik zu betreiben, führte Gaidar weiter aus. Der Sinn der Aufgabe war extrem klar: Ein Übergang vom Stadium eines Wachstums beim Wiederaufbau zum Investitionswachstum. In den Jahren 2000 bis 2002 verbesserte sich die Qualität des Wirtschaftswachstums in beträchtlicher Weise. Die Reformen jener Jahre waren „ein glänzendes Beispiel für die gute Behandlung von Wirtschaftskrankheiten". Die Methoden der Realisierung von Reformen nach 2003 und bis zum heutigen Tag seien aber „ein hervorragendes Beispiel dafür, wie man die Wirtschaftskrankheiten nicht behandeln sollte."

    Seit rund einem Jahr ist die Regierung nicht in der Lage, ihr langfristiges Wirtschaftsprogramm zu beschließen. Nach dem heutigen Stand ist nur ein Drittel des Geplanten erledigt. „Vor zwei Jahren war es für mich verständlich, was die Regierung tun will und wie sie in die gewählte Richtung gehen wird, heute aber kann man aus den Dokumenten nicht begreifen, wohin wir gehen wollen und wohin wir gehen", so der Experte.

    Seinen Worten nach gilt das nicht nur für die Wirtschaft. „Im Laufe vieler Jahre habe ich beobachtet, wie das russische Gerichtssystem zwar langsam und schwierig, aber dennoch voranschreitet, und höchstwahrscheinlich auch in der richtigen Richtung. In letzter Zeit haben wir aber der ganzen Welt absolut klare Signale dafür gegeben, dass es in Russland im Prinzip keine unabhängige Justiz gibt. Für die gesellschaftliche und die wirtschaftliche Entwicklung ist das aber äußerst schlecht ", betonte Gaidar.

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