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    "Bisnes": Lukoil fordert Steuererleichterungen für die Ölindustrie

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    MOSKAU, 29. Juni (RIA Nowosti). Die Steuerbürde für die Ölindustrie beläuft sich insgesamt auf 55 bis 60 Prozent, was die Perspektiven einer strategischen Entwicklung des Landes fraglich macht. Das erklärte Leonid Fedun, Vizepräsident der größten russischen Ölgesellschaft Lukoil, in einer Pressekonferenz zu den Ergebnissen der Jahresversammlung, berichtet die Wirtschaftszeitung „Bisnes" am Mittwoch.

    Nach seinen Worten ist die Summe der Steuern, die von der Gesellschaft abgeführt werden (die Gewinnsteuer ausgenommen), allein im zurückliegenden Jahr um 92 Prozent gestiegen.

    „Die massive Geldentnahme bei den Ölunternehmen verhindert eine Vergrößerung von Investitionen", stellte er fest. Kein russisches Ölunternehmen „wird bei dem jetzigen Steuersystem neue Ölfelder erschließen können".

    In Lukoil wird die Überzeugung geäußert, dass der Staat seine Prioritäten festlegen müsse: Entweder will er viel und gleich bekommen - in dem Fall bekäme Russland eine langfristig stagnierende Ölbranche - oder es wird dennoch die Aufgabe gestellt, die Förderung und die Erschließung neuer Vorkommen zu entwickeln. Dann aber muss etwas mit den Steuern gemacht werden.

    Solange das Steuerproblem noch nicht geregelt ist, will die Firma Lukoil ihre Gaskomponente entwickeln. Wie Lukoil-Manager erklärten, ist die Besteuerung der Gasförderung ins CO2-Äquivalent umgerechnet vorerst noch milder als in der Ölindustrie.

    In Bezug auf die Gasförderung gerät Lukoil allerdings in eine völlige Abhängigkeit von der Transportinfrastruktur des Konzerns Gasprom, wodurch bereits einige Probleme entstanden sind. Wie Lukoil-Präsident Wagit Alekperow mitteilte, wird erst ab Oktober ein Abkommen mit Gasprom über den Zugang zum Gastransportsystem von den Vorkommen in der Bolschechetskaja-Höhlung (der Autonome Bezirk der Jamal-Nenzen) in Kraft treten, die Lukoil bereits erschlossen hat. Zudem wird Gasprom im Sommer aus technischen Gründen kein Gas aufnehmen können. Jetzt werde nach Lösungen gesucht, so Alekperow.

    Beruhigend bei all den Schwierigkeiten ist die Tatsache, dass Lukoil weiterhin Öl fördert und verkauft. Im 1. Vierteljahr 2005 wurden 22 Millionen Tonnen gewonnen, ein weiteres Wachstum ist geplant. „Im Gegensatz zu den Konkurrenten, die die Förderung drosseln, hat Lukoil ein Wachstumspotential für viele Jahre im Voraus", versicherte Fedun.

    2004 hatte Lukoil 86,3 Millionen Tonnen Öl gefördert. Die Vorräte der Firma werden auf 20,07 Milliarden Barrel geschätzt. Der Jahresumfang der Ölverarbeitung beträgt mehr als 40 Millionen Tonnen. Top-Manager des Unternehmens kontrollieren 20,6 Prozent der Lukoil-Aktien, die USA-Gesellschaft ConocoPhillips 11,3 Prozent und russische natürliche Personen 3,9 Prozent. Die restlichen Aktien sind auf in- und ausländischen Börsen im Umlauf.

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