01:54 24 Januar 2017
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    Gaidar: Geld des Stabilisierungsfonds sollte nicht angetastet werden

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    MOSKAU, 29. Juni (RIA Nowosti). Die Öldollars werden nicht ewig nach Russland fließen, die Menschen aber, denen sie einmal gegeben werden, würden sie dann immer fordern. Diese Meinung äußerte Jegor Gaidar, Direktor des Instituts für Wirtschaft der Übergangsperiode, in einem im Wochenmagazin „Itogi" veröffentlichten Interview.

    Deshalb ist auch die Regierung der Auffassung, dass das Geld aus dem Stabilisierungsfonds nicht angetastet werden darf. „Sie hat keine anderen Varianten für die Realisierung einer verantwortungsbewussten Politik", so der Wirtschaftsexperte.

    Bis Ende 2004 war die Geld- und Haushaltspolitik Russlands über jedes Lob erhaben, die Profis waren von der Tätigkeit der Zentralbank und des Finanzministeriums begeistert, führte Gaidar weiter aus. Diesen Institutionen gelang es, den wachsenden Öldollarzustrom zu meistern, die Inflation zu bändigen und den Rubelkurs im vorgegebenen Rahmen zu halten.

    „Die Tendenz brach 2004 ab", sagt Gaidar. „Jetzt ist die Inflationsbeschleunigung ein Fakt geworden."

    Um dieses Problem zu meistern, muss die große von der UdSSR vererbte Auslandsverschuldung getilgt werden, solange die Situation das gestatte. Eine Verringerung der Schuldensumme und der Zinsen würde die Möglichkeit bieten, reale und nicht vom Öl abhängende Einkommensquellen zu schaffen. Dieses Geld würde man dann investieren können - in das Gesundheits- und das Bildungswesen sowie in die Kultur.

    Zugleich müssten der Wirtschaft feste Garantien gegeben werden. Trotz allem Pragmatismus und Zynismus könnte diese „alles Schlimme vergessen" und mit dem nicht gerade demokratischsten Regime, einem überaus eigenartig organisierten Gerichtssystem und der korrupten Bürokratie weiter zusammenzuarbeiten. „Notwendig sind exakte Regeln, die nicht jeden Tag geändert werden", so der Wirtschaftsexperte.

    Was die politische Entwicklung Russlands anbelangt, so wäre hier ein undemokratisches Regime in einer langfristigen Perspektive zum Scheitern verurteilt, sagte Gaidar. Dies ist aber nicht die Frage der nächsten Jahre, obgleich solche Systeme wegen deren Unflexibilität stets plötzlich zusammenbrechen, fügte er hinzu.