08:52 20 Januar 2017
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    "Rossijskaja Gaseta": Einheimische Investoren werden in Russland von Ausländern ersetzt

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    MOSKAU, 13. Juli (RIA Nowosti). Eine neue Tendenz hat sich in diesem Jahr in Russlands Wirtschaft abgezeichnet: Während das russische Kapital weiterhin das Land verlässt, wird es aktiv von ausländischen Investoren ersetzt. Das stellt Igor Jurgens, Vizepräsident des Russischen Industriellen- und Unternehmerverbands, in einem am Mittwoch in der Regierungszeitung "Rossijskaja Gaseta" veröffentlichten Interview fest.

    Wissenschaftler aus dem Experteninstitut bei dem Verband schätzen das Investitionsdefizit in Russland auf 20 Milliarden Dollar im Jahr. Von Jahr zu Jahr nehmen die Investitionen der russischen Unternehmer zu. Im vergangenen Jahr stiegen sie um elf Prozent auf rund 70 Milliarden Dollar. Diese Tendenz ist zwar positiv, sie reicht aber nicht aus, so Jurgens. Der jüngsten Entwicklung nach zu urteilen, will nun die russische Regierung auf ausländische Investoren setzen. Eine Serie von Treffen des Staatschefs und des Ministerpräsidenten mit Vertretern der westlichen Wirtschaft setzte ein.

    Die Ursache der Aktivität der ausländischen Investoren besteht darin, dass sie wesentlich mehr Mittel haben als die russischen Unternehmer. Die Ausländer haben bereits die saftigsten Wirtschaftsstücke an sich gerissen - die Förder- und die Verarbeitungsbranche des Landes.

    Aber nicht darin sieht Jurgens eine ernsthafte Bedrohung für die russische Wirtschaft, sondern im Bestreben des Staates, seine Positionen auf dem Markt zu verstärken. Das geschieht in der Energiewirtschaft, u. a. auf dem Markt der fossilen Rohstoffe.

    Gasprom, Rosneft und andere Staatsunternehmen fordern immer mehr Aktiva. Über die administrative Ressource bekommen sie diese auch. Das gleiche könnte nach seinen Worten auch im Maschinenbau und in den strategischen Militärbranchen beginnen.

    Die Tatsache, dass die Regierung beschlossen hat, ein Gesetz über die Amnestie des Kapitals zu verabschieden, das im Ausland zurückgeblieben ist, bewertet Jurgens als ein positives Zeichen. Die Amnestie sollte aber nicht auf ein halbes Jahr beschränkt sein, wie das jetzt vorgeschlagen wird.

    Die moderne russische Wirtschaft ist eine Erwartungswirtschaft, so der Vizepräsident des Industriellen- und Unternehmerverbands. Inzwischen setzt man nicht mehr auf die schnellen Gewinne, sondern auf ernsthafte Investitionen, beispielsweise in Investitionsfonds und in den Bau von Mautstrecken.

    Der Unternehmer reagiert auf beliebige Schwankungen und auf das um ihn herum entstehende Klima wie ein Barometer, so Jurgens. Und wenn dieses "trübe" anzeigt, so ist nicht die Wirtschaft, sondern das Klima im Lande daran schuld, heißt es in dem Beitrag abschließend.

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