21:37 20 Oktober 2017
SNA Radio
    Wirtschaft

    "Wedomosti": Russlands Regierung will nicht von der Öl-Droge lassen

    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    0 3 0 0

    MOSKAU, 25. Juli (RIA Nowosti). Russlands Regierung hat den prognostizierten Ölbarrelpreis der Marke Urals von 35 auf 40 US-Dollar angehoben. Das wird dem Haushalt 2006 "zusätzliche" 18 Milliarden Dollar geben, von denen mindestens acht Milliarden unverzüglich ausgegeben werden. Wirtschaftsexperten vergleichen die jetzige Zeit mit der Stagnation der Breschnew-Zeit. Damals konnten die Behörden dank den Einkünften aus dem Ölexport schmerzhafte Reformen jahrelang vermeiden, schreibt die Wirtschaftszeitung "Wedomosti" am Montag.

    Angehoben werden auch die Prognosen für 2005: Das BIP von 5,8 auf 5,9 Prozent, die Inflation von zehn auf elf Prozent und der Barrelpreis der Marke Urals von 43 auf 48 Dollar. Der prognostizierte Preis fur 1000 Kubikmeter Gas im nächsten Jahr steigt von 144 auf 163 Dollar.

    Der Wunsch der Regierung, die Ausgaben zu erhöhen, fiel zeitlich mit dem schlagartigen Ölpreisanstieg zusammen. Im 1. Halbjahr 2005 kostete ein Barrel Urals durchschnittlich 45,2 Dollar, letzten Freitag wurden aber an der Londoner IPE-Börse 54,2 Dollar dafür geboten. Die Prognosen für diese russische Marke liegen zwischen 38 und 55 Dollar pro Barrel, stellt Arkadi Dworkowitsch, Leiter der Expertenabteilung des Präsidenten, fest.

    Der Zustrom von Öldollars, der das Land überflutet, lässt die Behörden sich entspannen, stellen Experten fest. "Die Dolce Vita der 70er Jahre, als die günstige Situation an den Rohstoffmarkten der Sowjetunion die Möglichkeit bot, die Periode des Gedeihens auf mehr als zehn Jahre auszudehnen, während die Regierung langwierigen und komplizierten Reformen eine Serie populistischer Schritte vorzog, kommt zurück", schreibt Wladimir Tichomirow, leitender Wirtschaftsexperte der Finanzgruppe UralSib, in einem analytischen Bericht. Er verweist darauf, dass der Kollaps der Ölpreise, der danach kam, zu einem Zusammenbruch des sowjetischen Wohlfahrtmodells führte. Zu viel Geld kann das Streben nach Umgestaltungen töten und die Wirtschaft stagnieren lassen, warnt er.

    Wie Jewssej Gurwitsch, Leiter der Wirtschaftsexpertengruppe, feststellt, wies der Haushalt bei einem Barrelpreis von 20 Dollar einen Einnahmenüberschuss auf, jetzt hat diese Grenze die 28-Dollar-Marke überstiegen.

    Wurde der Haushalt früher ausgehend von den Einnahmen gestaltet, in die die Beamten die notwendigen Ausgaben einzutragen versuchten, so dominiert jetzt die neue Logik - "von den erforderlichen Ausgaben", so Dmitri Beloussow aus dem Zentrum fur makroökonomische Analyse und Prognose. "Optimistische Erwartungen konnen sich auch nicht bewahrheiten, es hat aber auch keinen Sinn, den Stabilisierungsfonds bis zum ‚geht nicht mehr' anzuhäufen", meint Natalja Akindinowa, Wirtschaftsexpertin des Entwicklungszentrums.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren