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    Gazeta.Ru: BP hat Rückgang der Förderung Russland zu „verdanken“

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    MOSKAU, 27. Juli (RIA Nowosti). Die Förderung des Unternehmens BP ist im 2. Vierteljahr 2005 um 3,5 Prozent zurückgegangen, obgleich das russisch-britische Joint Venture TNK-BP die Förderung erhöht hat. In einem am Dienstag veröffentlichten BP-Bericht wurden u. a. die gewachsene Besteuerung der Ölbranche in Russland und die Einführung von Rohstoffexportbeschränkungen aus dem Land als Gründe dafür genannt.

    Analytiker teilen diese Einschätzung nicht, berichtet die Internetzeitung Gazeta.Ru. „In der Tat: Die Steuern und Zollgebühren sind in Russland seit dem Jahresbeginn ungefähr um 20 Prozent des Gewinns gewachsen“, sagte Andrej Gromadin aus der MDM-Bank. „Damit lässt sich aber der Rückgang des Fördertempos bei BP nicht erklären. Diese Kennziffern könnten infolge einer gesunkenen Förderung in den anderen Förderunternehmen von BP zurückgegangen sein. Oder BP hat einige Aktiva einfach verkauft.“

    „Im Prinzip hat die britische Ölgesellschaft gezeigt, dass sie die Ölaktiva in Russland nicht umsonst gekauft hat. Im 1. Halbjahr 2005 belief sich die Hälfte des Reingewinns von TNK-BP, die an die Briten überwiesen wurde, auf mehr als eine Milliarde Dollar. Von den 7,5 Milliarden Dollar, die das Unternehmen BP in Russland investiert hatte, konnte es 40 Prozent bereits zurückholen“, so der MDM-Bank-Analytiker.

    Hinter dem hohen Gewinn stehen auch hohe Risiken, hauptsächlich politischer Art, betont Igor Wassiljew aus der Investmentgesellschaft „Financial Bridge“.

    Im Frühling dieses Jahres forderte die Steuerbehörde von TNK eine Steuernachzahlung für 2001 in Höhe von 26 Milliarden Rubel (ein US-Dollar = 28,69 Rubel). Es kommt auch zu weniger großen, aber spürbaren Unannehmlichkeiten. So kam das Projekt Kowykta (mit Vorräten von 869,7 Milliarden Kubikmeter das größte Gaskondensatvorkommen Ostsibiriens), das von Anfang an auf den Gasexport an Asien orientiert wurde, in Stocken. BP musste dem zustimmen, dass das Gas aus Kowykta stattdessen für die Gasifizierung einer Reihe russischer Gebiete verwendet wird.

    Vorerst bemüht sich das Unternehmen, gegenüber dem Kreml loyal zu sein, und glaubt daran, dass seine Probleme auf dem Wege von Verhandlungen geregelt werden können. „Die Risiken bei der Arbeit der Ölgesellschaft in Russland sind da“, sagte Gromadin. „Allerdings steht fest, dass das Unternehmen nicht den Weg der Firma Yukos gehen und nicht deren Schicksal wiederholen würde. Zugleich bringen die BP-Investitionen in Russland, wenn auch äußerst riskante, so doch positive Ergebnisse.“