18:47 23 Oktober 2017
SNA Radio
    Wirtschaft

    "Wedomosti": Italien lässt Gasprom auf seinen Einzelhandelsmarkt

    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    0 2 0 0
    MOSKAU, 28. Juli (RIA Nowosti). Nach Deutschland will nun Italien dem russischen Gasmonopolisten Gasprom seinen Einzelhandelsmarkt öffnen. Experten befürchten allerdings, dass die Gasprom-Vorteile von diesem Vertrag nur vor kurzer Dauer sein werden, berichtet die Geschäftszeitung "Wedomosti" am Donnerstag.

    Wie Gasexport, eine 100prozentige Gasprom-Tochter und der weltgrößte Gasexporteur, am Mittwoch mitteilte, habe das Unternehmen vor kurzem ein Abkommen mit dem italienischen nationalen Öl- und Gaskonzern ENI geschlossen. Im Austausch gegen die Verlängerung des Vertrags über die Gaslieferung von 2017 bis 2027 wird ENI es Gasprom gestatten, vom nächsten Jahr an zwei Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr selbständig zu verkaufen.

    Wie ein Gasprom-Mitarbeiter mitteilte, wird der Konzern zunächst nach dem gleichen Schema wie in Deutschland arbeiten. Dort gründete Gasprom gemeinsam mit Wintershall (Tochtergesellschaft des Öl- und Gaschemiekonzerns BASF) das Absatz-Joint Venture Wingas, in dem Gasprom 35-prozentige Anteile hat.

    Bei der Übergabe seiner Rechte auf die Gaslieferung wird ENI den Umfang seiner Einkäufe gemäß einem der Verträge mit Gasexport verringern und zugleich dem russischen Partner Rechte auf den Gastransport über die transösterreichische Gaspipeline von der slowakisch-österreichischen bis zu italienischen Grenze übergeben.

    Ein Gasprom-Vertreter verwies im Gespräch mit der "Wedomosti" auf den Druck, den die Regierung auf ENI ausübt, damit der Konzern seinen Anteil am italienischen Gasmarkt bis 2009 von den jetzigen 68 auf 61 Prozent verringert. "ENI muss seinen Markt anderen Lieferern abtreten, beispielsweise Gasprom", sagte er. Gasprom könnte dabei mit einer Marge von 20 bis 22 Dollar von jedem 1000 Kubikmeter Gas nach der Abführung aller Steuern rechnen.

    Laut Berechnungen von Sergej Glaser aus der Investmentgesellschaft Vostok nafta könnte Gasprom nach dem Abtreten der Rechte zusätzlich 40 bis 50 Millionen Dollar im Jahr bekommen. Allerdings bezweifelt Dmitri Lukaschow aus dem Investmentunternehmen Aton, dass sich Gasprom mit der Gasdistribution auf den europäischen Binnenmärkten beschäftigen soll. "Mit der Liberalisierung wird die Konkurrenz steigen, und es gibt keine Garantie dafür, dass die jetzige hohe Marge weiter bestehen wird", sagte er. Nach seiner Auffassung solle sich Gasprom auf Förderung und Transport von Erdgas konzentrieren.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren