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    “Wedomosti“: Russlands Ölgesellschaften ziehen Binnenmarkt vor

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    MOSKAU, 29. Juli (RIA Nowosti). Der Anstieg der Exportzölle für Erdöl hat die Ölunternehmen gezwungen, den Binnenmarkt vorzuziehen. Sie reduzierten den Rohstoffexport und steigerten ihre Lieferungen an den Binnenmarkt, berichtet die Geschäftszeitung „Wedomosti“ am Freitag.

    Seit Anfang 2004 sind die Ölexportzölle auf 136,2 Dollar pro Tonne und damit rund auf das 4,5-fache gestiegen, führt das Blatt weiter aus. Die Weltmarktpreise haben sich im gleichen Zeitraum lediglich verdoppelt. „Der Markt ist mit einer paradoxen Situation konfrontiert: Der Absatz auf dem Binnenmarkt ist rentabler als der Export geworden“, so Lew Snykow, Chefanalytiker der Investmentgesellschaft FIM Securities.

    Nach Ansicht von Lukoil-Chef Wagit Alekperow bringt jede exportierte Tonne Erdöl seinem Ölunternehmen 100 Dollar Reingewinn, während der Absatz auf dem Binnenmarkt einträglicher ist. Nach Ansicht Snykows macht der Unterschied Bruchteile eines Prozents aus.

    „Der Binnenmarkt ist begrenzt, die Ölunternehmen werden auf seinen Kosten nicht lange durchhalten können, bereits 2006 kommt aber eine Wende“, prognostiziert er. „Als erste wird die Regierung nachgeben, die gezwungen sein wird, die Steuerlast zu verringern. Die Benzinpreise werden die Ölunternehmen kaum herabsetzen, obgleich sich die Beamten bereits ‚besorgt’ geäußert haben“.

    Vor einem Monat führte das Ministerium für Wirtschaftsentwicklung und Handel den Rückgang des Ölexports auf „eine Tendenz zur Verlangsamung des Wirtschaftswachstums“ zurück: Das BIP-Wachstum im Zeitraum vom Januar bis Mai machte 5,4 Prozent gegenüber 7,5 Prozent im Vorjahr aus. Nach Ansicht von Experten des Ministeriums wäre es „unter den entstandenen Bedingungen kompliziert“, den Jahresplan für die Gesamtförderung in Höhe von 475 Millionen Tonnen zu erfüllen. Nicht alle Vertreter der Branche teilen aber diese Ansicht. „Die überschüssigen Ölprodukte lassen sich immer exportieren“, entgegnet ein Manager des Joint Ventures TNK-BP. Die jetzige Situation werde bis 2007/2008 andauern. „Neben der hohen Steuerbelastung gibt es hier auch zu viele andere Faktoren“, meinte er. „Dazu gehören der Rückgang des Fördertempos und der Mangel an preisgünstigem Pipelinetransport.“

    Die Umstellung der Ölunternehmen auf den Innenmarkt traf die Binnenschiffreedereien und die Eisenbahn. Im 1. Halbjahr mussten sie den Ölexport jeweils entsprechend auf ein Siebtel und um 40 Prozent verringern.

    Nach Ansicht des TNK-BP-Managers ist dies aber kein besonderes Problem. Die Transportunternehmen würden „ihre Verluste mit Ölprodukten kompensieren“.

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