19:33 20 August 2017
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    Russlands Presse: Amnestie für geflüchtetes Kapital bringt kein Geld nach Russland zurück

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    MOSKAU, 9. August (RIA Nowosti). Russlands Finanzministerium wird Anfang nächsten Jahres die Bürger offiziell auffordern, das in der Epoche des "wilden Kapitalismus" verdiente Geld, das jetzt im Ausland, möglichst weit von den russischen Steuerbehörden aufbewahrt wird, in die Heimat zurückzubringen. Nach der Abführung der 13prozentigen Einnahmensteuer und einer vereinfachten Deklarierung wird das Kapital legalisiert. Die von den Zeitungen "Gaseta" und "Kommersant" befragten Experten meinen allerdings, dass dieses Angebot für die Besitzer des Offshore-Kapitals nicht einträglich und sogar gefährlich ist.

    Igor Jurgens, erster Vizepräsident der Investmentgesellschaft Renaissance Capital: Dies ist eine propagandistische Aktion und keine Wirtschaftsmaßnahme. Der Staat ist zwar bemüht, im Lande Ordnung zu schaffen und das Investitionsklima zu verbessern, aber nicht viele werden dies riskieren und ihre Mittel auf diese Weise deklarieren.

    Jewgeni Jassin, wissenschaftlicher Leiter der Wirtschaftshochschule: Bei einem solchen Herangehen kann man kein Vertrauen der Wirtschaft gegenüber der Macht erwerben.

    Valeri Tutychin, geschäftsführender Partner der juristischen Gesellschaft John Tyner und Partner: Eine solche Amnestie braucht niemand. Die Bürger, die ihr Kapital über "graue Schemen" erworben haben, können dieses zu ihren Ersparnissen bzw. zu einer Erbschaft erklären, die sie bekommen haben. Für diejenigen aber, deren Kapital eine ‚kriminelle' Herkunft hat, besteht überhaupt kein Sinn, von der Amnestie Gebrauch zu machen. Gegen sie wird sofort ein Strafverfahren eingeleitet.

    Alexander Schochin, Chef des Koordinierungsrates der Unternehmerverbände Russlands: Das Geld wird zwar als sauber gelten, die Steuerbehörden würden aber ein "Argument" bekommen, den Steuerzahler hinsichtlich eventueller jetziger Rechtsverletzungen zu überprüfen. Mit der Begründung: Hat der früher eine Steuerhinterziehung betrieben, wird er das auch jetzt tun können.

    Artjom Tarassow, Unternehmer und der erste legale sowjetische Millionär: Versprochen wird eine Befreiung des Kapitals von einer Bestrafung, das Kapital ist aber bereits frei, weil es ausgeführt ist. Diesbezüglich gibt hier niemand weitere Garantien. Was aber das Wichtigste ist: Niemand bietet auch günstigere Bedingungen.

    Jewgeni Kisseljow, ehemaliger Generaldirektor des Fernsehsenders NTW: Ich denke nicht, dass sich Wahnwitzige finden lassen, die ihr ausgeführtes Kapital deklarieren werden. Sie würden auf diese Weise gleich ins Blickfeld der Föderalen Behörde für das Finanzmonitoring geraten. Nach dem Fall Yukos und anderen Steuerprozessen würde niemand mehr solche Spielchen spielen.

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