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    "Schwarzer Montag" für russischen Aktienmarkt (Zusammenfassung)

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    Einbruch des russischen Effektenmarktes (12)
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    MOSKAU, 23. Mai (RIA Novosti). Der anhaltende Kursrückgang am russischen Aktienmarkt fesselt die Aufmerksamkeit der gesamten Wirtschaftselite des Landes. Zu möglichen Gründen äußerten sich der Leiter des Föderalen Dienstes für die Finanzmärkte, Oleg Wjugin, der Vizechef der russischen Zentralbank, Andrej Koslow, und der Minister für Wirtschaftsentwicklung und Handel, German Gref.

    Der gestrige Kurseinbruch an der MICEX- und der RTS-Börse erfasste alle Papiere. Deshalb stoppte die MICEX nach einem technischen Kursverlust von 8,5 Prozent um 18.30 Uhr Moskauer Zeit den Handel mit Aktien und Anteilscheinen. Da verloren die Gasprom-Aktien aber schon 12 Prozent. Beim Handelsabschluss am 22. Mai fiel der RTS-Index um 9,05 Prozent auf 1 318,5 Punkte. Seit Monatsbeginn bedeutete das einen Kursverlust um reichlich 20 Prozent. Dabei hatte der Markt in den ersten vier Monaten 2006 um 51 Prozent zugelegt. Letztmals musste der RTS-Index einen derartigen Einbruch vor 2,5 Jahren hinnehmen, als die Nachricht über die Festnahme von Yukos-Chef Michail Chodorkowski die Wirtschaft verschreckte.

    German Gref charakterisierte den Kurseinbruch an der Börse als "technische Korrektur". Ihm zufolge hängt er mit den Korrekturen an den Weltbörsen zusammen, wo die großen Investmentgesellschaften ihre Anlagen neubewertet haben. Ebenso habe die "Überhitzung" des russischen Wertpapiermarktes eine gewisse Rolle gespielt, mein Gref. Wjugin sieht indessen keine wirklichen Gründe für den Kurseinbruch. "Es gibt den Herdeninstinkt der institutionalisierten Investoren", erklärte er. "Es war Mode zu kaufen, nun ist es Mode zu verkaufen." Wjugin wollte aber auch mögliche Insiderabsprachen nicht ausschließen. Er fügte hinzu, nur wenige russische Unternehmen seien neubewertet, doch im Großen und Ganzen werfen russische Aktien einen guten Gewinn ab.

    Eine ähnliche Version für den Kurseinbruch an der russischen Effektenbörse hatte Andrej Koslow von der Zentralbank parat.

    Der Leiter des Departements für Finanzpolitik im russischen Finanzministerium, Alexej Sawatjugin, glaubt dagegen nicht, dass der Missbrauch von Insiderinformationen den Kurseinbruch bewirkt hat. "Unser Markt ist generell dem Missbrauch von Insiderwissen ausgesetzt. Zu behaupten, der jetzige Kursverfall sei von Insiderabsprachen bewirkt worden, käme der Feststellung gleich, das vorangegangene Wachstum sei ebenfalls Folge von Insidergeschäften gewesen", erklärte er.

    Der Börseneinbruch in Russland hängt mit der negativen Dynamik auf den Weltrohstoffmärkten zusammen, sagte Michail Sak, Analyst der Investmentgesellschaft Veles Capital, der Agentur RBC. "Gegenwärtig brechen die Preise für Erdöl und Metalle ein, was ausländische Investoren veranlasst, Gelder aus den russischen Anlagen abzuziehen." Und der Experte äußert die Vermutung, die Erwartungen eines weiteren Kursrückganges könnten auch damit zusammenhängen, dass der Leitzins der US-Notenbank Fed und anschließend die Zinssätze der Kommerzbanken ansteigen werden.

    Wie auch immer, der Kursverfall an den russischen Märkten wurde heute nicht bloß gestoppt; er legte ein überzeugendes Wachstum vor. So hatte der RTS-Index um 11.30 Uhr Moskauer Zeit um 3 Prozent zugelegt und war auf 1 357,37 Punkte geklettert. Die Aktien von Gasprom holten 3,1 Prozent wieder auf. Lukoil und RAO UES konnten sich eines Plus von 7 Prozent erfreuen. Surgutneftegas legte um 8,5 Prozent zu, während die Sberbank sogar um fast 11 Prozent in die Höhe schnellte.

    Börsenmakler Alexej Golubych von der Investmentgesellschaft Troika Dialog vermutete dazu heute im Fernsehsender RBC, dass die westlichen Initiatoren damit beginnen, sich angesichts des niedrigen Preisniveaus mit Papieren russischer Unternehmen einzudecken. Viele Marktteilnehmer seien der Meinung, der russische Markt habe die Talsohle erreicht, so dass eine Stabilisierung schon in der allernächsten Zeit möglich ist.

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