SNA Radio
    Wirtschaft

    Verbot der Weine aus Georgien und Moldawien schafft Marktlücken in Russland

    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    0 0 0
    MOSKAU, 15. Juni (RIA Novosti). Nachdem vor zwei Monaten Import und Verkauf von Weinen aus Georgien und Moldawien in Russland verboten wurden, ist preiswerter Rebensaft in den Läden eine Mangelware geworden. Die augenblicklichen Mühen der russischen Produzenten, diese neuen Nischen einzunehmen, haben daran nicht viel geändert.

    Nach Angaben des Expertenrates für die staatliche Regulierung des Alkoholmarktes in der russischen Staatsduma belief sich die Produktion von Weinerzeugnissen im Zeitraum Januar bis Mai 2006 auf 925 800 Hektoliter, also 17,1 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Im Mai gab es dann allerdings einen Produktionszuwachs um 56,8 Prozent. Bei Sekt und Perlweinen lag das Produktionsniveau entsprechend um 3,8 Prozent unter dem der Vergleichsperiode im Vorjahr. Im Mai legte die Produktion dann um 47,6 Prozent zu. Kognak wurde in den ersten Monaten des Jahres 2006 um 9,1 Prozent weniger produziert als im Zeitraum Januar bis Mai 2005. Im Mai schnellte die Produktion dann um 82,5 Prozent in die Höhe.

    Der Vizepräsident des russischen Verbandes der Winzer und Weinhändler, Leonid Popowitsch, beruhigte die erregte Öffentlichkeit sofort nach dem Importverbot, die angelegten Vorräte an Weinen und Weinrohstoffen würden für fünf bis sechs Monate ausreichen. Außerdem, meinte er, "kann das verschwindende Sortiment problemlos durch Weine aus anderen Ländern ersetzt werden". Schließlich könnten moldawische Billigweine hochwertigen Marken anderer Produzenten Platz machen.

    Die Marktforschungsagentur "Bisnes Analitika" hatte ermittelt, dass der Durchschnittsverbrauch pro Kopf der Bevölkerung in Russland bei 6 Liter Wein im Jahr liegt. Demgegenüber werden in der Slowakei etwa 10 Liter, in Tschechien 16 Liter, in Rumänien 17 Liter und in Ungarn 28 Liter konsumiert.

    Experten interpretieren diese Zahlen als Anzeichen dafür, dass der russische Weinmarkt bei weitem noch nicht gesättigt ist und gute Perspektiven für ein langanhaltendes und stabiles Wachstum hat.

    Im vorigen Jahr spreizte sich die Schere: Die einheimische Produktion fiel um 18 Prozent zurück; der Markt legte mit Hilfe des Imports zu. Das genannte Marktforschungsinstitut bezifferte den Aufschwung bei Importen im letzten Jahr mit mehr als 30 Prozent. Die höchsten Zuwachsraten erzielten Bulgarien mit 76 Prozent, Frankreich mit 54 Prozent, Argentinien mit 87 Prozent, Italien mit 62 Prozent und Chile mit 76 Prozent.

    Vor dem Verbot war Moldawien bei Importweinen mit einem Marktanteil von fast 50 Prozent der unangefochtene Marktführer. Danach folgten Bulgarien mit 16,6 Prozent, Georgien mit 8,9 Prozent, Frankreich mit 5,8 Prozent und Spanien mit 3,5 Prozent. Gering war der Marktanteil, den sich die Ukraine mit 2,8 Prozent, Argentinien mit 2,3 Prozent, Deutschland mit 2,2 Prozent sowie Italien und Chile mit jeweils 1,8 Prozent gesichert hatten. Die russischen Produzenten hatten im Jahre 2005 etwas über 40 Prozent des Marktes der Großstädte in ihrer Hand.

    Die Einfuhr von Weinen aus Moldawien und Georgien ist Ende März verboten worden. Der Hygienechef Russlands, Gennadij Onischtschenko, hatte diesen Schritt damit erklärt, dass in den alkoholischen Getränken beider Länder Pestizide und andere Schadstoffe festgestellt wurden.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren