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    "Wedomosti": Russland profitiert von Instabilität in rohstoffreichen Ländern

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    MOSKAU, 14. Juli (RIA Novosti). Geopolitische Spannungen, Gefahren für sichere und stabile Lieferungen, Naturkatastrophen und Ölnationalismus - von all dem profitiert Russlands Macht, die einen Zustrom von Öldollars in Rekordhöhe sichert, schreibt die "Wedomosti" am Freitag.

    Mehr als 60 Prozent der nachgewiesenen Ölvorräte liegen im explosiven Nahen Osten. Die Situation um Iran macht die allgemeine Lage nicht ruhiger: Im Falle eines USA-Angriffs will Iran die Straße von Hormuz blockieren, über die mehr als ein Drittel des globalen Ölexports fließt. In Nigeria greifen Aufständische seit mehreren Jahren Ölindustrieobjekte an.

    Die Naturkatastrophen bringen nicht weniger Schaden als Kriege. Infolge des Hurrikans "Katrina" im August 2005 mussten 20 Prozent der Förder- und zehn Prozent der Verarbeitungskapazitäten der USA ihre Arbeit abbrechen. Vier größere Ölraffinerien an der Küste des Golfs von Mexiko sind bis heute geschlossen, der Markt bekommt deshalb jeden Tag eine Million Barrel Ölprodukte weniger.

    Bolivien hat seine Gasbranche nationalisiert. Ecuador löste seinen Vertrag mit Occidental Petroleum auf. Venezuela übernahm die Kontrolle über die Vorkommen, die von Total und Eni kontrolliert worden waren. Nach der Verhärtung der Staatskontrolle über die Branche in Russland ging das Anstiegstempo bei der Ölförderung von elf Prozent 2003 auf neun Prozent 2004 und 2,4 Prozent 2005 zurück. Laut einer Schätzung von Julian Lee vom Londoner Zentrum für globale Energiestudien führten die geopolitischen Risiken und der Ölnationalismus in solchen Ländern wie Iran, Irak, Nigeria, Russland, Kuwait und Venezuela zu einer Verringerung der Öl-Tagesförderung um 7,8 Millionen Barrel gegenüber 2000. Das entspricht dem Verbrauch von Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien zusammengenommen.

    Die Risiko-Prämie wird von Experten auf nicht weniger als zehn Dollar pro Barrel geschätzt. Aber auch ohne diese sorgen fundamentale Faktoren für einen hohen Preisstand. "Sollte der palästinensisch-israelische Konflikt gelöst werden, sollte sich die Situation in Venezuela beruhigt haben, während sich die Situation um Iran positiv entwickelt, könnte zwar der Barrelpreis auf 55 bis 60 Dollar zurückgehen, keinesfalls aber auf 40 Dollar", meint James Melcher, Geschäftsführer des New Yorker Hedge-Fonds Balestra Capital.

    "Um die Preisperspektiven für die Energieträger zu begreifen, muss man schauen, ob sich die Nachfrage, das Angebot und die Politik verändert werden, und wenn ja - wie schnell", schreibt Robert Feldman, leitender Wirtschaftsexperte von Morgan Stanley Japan. "Die Situationen, die diese drei Elemente charakterisieren, sind jeweils schlecht, sehr schlecht und furchtbar."

    Die Chefs der ölbesitzenden Staaten, die ihre Staatskontrolle über den Energiesektor verschärft haben, genießen Popularität in ihren Ländern und werden noch zwei bis sechs Jahre an der Macht bleiben (Feldman erwähnt in diesem Punkt Putin, Chavez und Ahmadinedschad). Die Regierungen der Ölabnehmer haben bisher kein klares Programm zur Energieeinsparung und zur Entwicklung alternativer Energiequellen vorgeschlagen. Die Ölpreise werden insofern hoch und instabil bleiben, so Feldman.

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