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    "Kommersant": Mit Anleihen im Ausland heizen Russlands Banken die Inflation an

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    MOSKAU, 15. August (RIA Novosti). Der russische Bankensektor hat im 1. Halbjahr dieses Jahres 2,5 bis dreimal mehr Kredite im Ausland aufgenommen als im Vorjahr. Experten bezeichnen diesen Zuwachs als "erschreckend" und warnen vor ernsthaften Problemen, schreibt die Tageszeitung "Kommersant" am Dienstag.

    Der Jahreszuwachs der Geldmenge wird laut der jüngsten Prognose der Zentralbank 32 bis 36 Prozent betragen und nicht "lediglich" 25 bis 28 Prozent, wie bisher angenommen. Eine der Ursachen der übermäßigen Vergrößerung der Geldmenge in Russland war der außerordentlich starke Kapitalzustrom in Russlands Wirtschaft. Auf den Bankensektor entfielen im 1. Quartal 6,7 Milliarden Dollar von den Gesamtanleihen in Höhe von 13,1 Milliarden Dollar. Im 2. Quartal stiegen die Bankenverbindlichkeiten laut vorläufigen Angaben bereits um acht Milliarden Dollar.

    Zuvor hatte Kasachstan ein ähnliches explosionsartiges Wachstum der äußeren Anleihen im Bankensektor erlebt. Als Folge musste die IWF-Kommission Anfang dieses Jahres ein Überhitzen des Bankensystems feststellen. Daraufhin musste Kasachstans Regierung die Entwicklungsprognose des Landes für 2006 etwas bescheidener gestalten. Die Prognose des Industriewachstums wurde beispielsweise von 7,3 auf 5,2 Prozent herabgesetzt.

    Wie auch in Kasachstan holen Russlands Banken das Kapital in das Land, womit die Geldmenge vergrößert wird, was die Inflation erhöht.

    Nach Ansicht von Experten werden Russlands Banken durch mehrere Faktoren zu der verstärkten Anleihenaufnahme im Ausland bewogen. Erstens: Innerhalb des Landes mangelt es an langfristigen Krediten. Zweitens: Die Kreditratings sowohl einzelner russischer Unternehmer als auch des Landes insgesamt sind angehoben worden. Drittens: Insbesondere angesichts der Rubel-Festigung sind die ausländischen Kredite erschwinglich geworden: Die Banken machen Gewinne in immer teurer werdenden Rubeln und zahlen die Schulden in immer billiger werdenden Dollars zurück.

    "Das Wachstumstempo bei den Anleihen ist erschreckend, mit der Zeit kann das ein ernsthaftes Problem werden", sagt Julia Zepljajewa, leitende Wirtschaftsexpertin der Bank ING im GUS-Raum. "Allerdings ist Russland bis zum kasachischen Niveau, wo die Bankanleihen nahezu zehn Prozent des BIP ausmachten, noch ziemlich weit entfernt."

    Analysten aus der Wirtschaftsexpertengruppe meinen, dass die russischen Banken zwar überhitzungsgefährdet sind, die kasachische Situation aber werden vermeiden können, weil das russische Bankensystem zu schwach konsolidiert ist. Außerdem scheint jetzt in der Welt die Periode des "teuren Geldes" zu beginnen, in der die ausländischen Anleihen mit jedem Jahr teurer werden.

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