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    "Kommersant": Russland profitiert kaum vom WTO-Beitritt

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    Russlands WTO-Beitritt (177)
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    MOSKAU, 17. November (RIA Novosti). Die Präsidenten Russlands und der USA kündigen für Übermorgen den Abschluss der bilateralen Verhandlungen über den WTO-Beitritt Russlands an.

    Dies wird bedeuten, dass Russland faktisch den ganzen Weg zur Mitgliedschaft in dieser Organisation zurückgelegt hat. Russland hatte im Jahre 1993 diesen Weg betreten. Darüber schreibt die "Kommersant" am Freitag.

    Allerdings hat Präsident Wladimir Putin 2001 noch in seiner Botschaft an das Parlament erklärt: "Wir müssen bis zum Jahresende Grundsatzvereinbarungen mit den WTO-Mitgliedsländern erzielen." Damals bewerteten Experten die Aussichten für die Integration Russlands in den Welthandel recht optimistisch. Nach der Finanzkrise im Jahre 1998 hat sich der Rubel abgeschwächt, und das Lohnniveau ging drastisch zurück - die einheimischen Hersteller konnten daraus einen bedeutenden Vorteil ziehen.

    Doch der Prozess des Beitritts verzögerte sich um weitere fünf Jahre. Mittlerweile hat sich die Situation in der russischen Wirtschaft grundlegend verändert. Dank der Öldollar sind die Einkommen der Bevölkerung gewachsen, gleichzeitig festigte sich der Rubel. Dies bedeutete einen doppelten Schlag gegen die russischen Exporteure: die Lohnausgaben sind gestiegen, und die Erzeugnisse haben sich für die ausländischen Verbraucher verteuert. Im Ergebnis hat das Weltwirtschaftsforum ein Abrutschen Russlands in der Bewertung der wirtschaftlichen Konkurrenzfähigkeit um 20 Positionen - vom Rang 58 im Jahr 2001 auf den Rang 79 in 2006 - registriert.

    Der russische Export von Maschinen, Verkehrsfahrzeugen und Ausstattungen ist im Zeitraum von 2001 bis 2005 um 41 Prozent gestiegen. Im Geld ausgedrückt bedeutet dies von 10,5 Milliarden US-Dollar auf 13,5 Milliarden US-Dollar, also nur um 19 Prozent (unter Berücksichtigung der Inflationsrate) gewachsen. Dies bedeutet, dass die Exportrentabilität im Durchschnitt zurückgeht: Russland hat innerhalb von fünf Jahren den Verkauf von Maschinenbauerzeugnissen vergrößert, aber zu verminderten Preisen.

    Somit wird der 2001 geplante WTO-Beitritt, der die Konkurrenzfähigkeit für den russischen Maschinenbauexport steigern sollte, in der gegenwärtigen Situation keine Dividenden mehr bringen. Die GUS-Länder, in denen der russische Export erfolgreich zunimmt, gehören nicht zur WTO. Der Rohstoffexport hat nicht mit dem Problemen in Bezug auf den Protektionismus zu tun. Und der Maschinenbauexport für das fernere Ausland steigt, nach statistischen Angaben zu urteilen, nur durch eine Preissenkung an.

    Das Problem besteht darin, dass das gegenwärtige Wachstumsmodell der russischen Wirtschaft auf die zunehmende innere Nachfrage orientiert ist, die durch die Einnahmen aus dem Rohstoffexport gesichert ist. Bei diesem Modell werden die Dividenden Russlands beim WTO-Beitritt minimal sein. Dies ist wohl nur für solche Branchen wie das Hüttenwesen und die chemische Industrie vorteilhaft. Ganz im Gegenteil: Der WTO-Beitritt wird schließlich ausländischen Herstellern auf die eine oder andere Weise den Zugang zum russischen Markt erleichtern. All das bedeutet keineswegs, dass kein WTO-Beitritt stattfinden dürfe. Aber die größten Vorteile in der WTO haben nur diejenigen, die auf fremden Märkten allerhand zu bieten haben. Diejenigen aber, die die Nomenklatur und den Exportumfang nicht vergrößern, ziehen viel geringere Vorteile daraus.

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